
Wenn es von Pilzen tropft, obwohl es nicht regnet, handelt es sich dabei um die sogenannte Guttation.
Der Grund für die Guttation liegt bei einem Ausgleich des Wasserhalts, für den der Pilz durch das Absondern von Flüssigkeit sorgen will. Er scheidet überschüssiges Wasser aus. Es handelt sich bei der Guttation also um eine Regulierung des Wasser- respektive Flüssigkeitshaushalts.
Einige Baumpilzarten sind besonders prädestiniert für diesen Vorgang.
Meine persönlicher Eindruck, dass der Vorgang der Guttation unter anderem auch vom Wetter beeinflusst wird, wurde bestätigt, als ich Folgendes gelesen habe: «Er wird beeinflusst von hoher relativer Luftfeuchtigkeit, erhöhter Temperatur, wie auch in einigen Fällen von Temperaturen um den Nullpunkt, durch CO2-Entzug und von verschiedenen chemischen Zusätzen.» (Quellenangabe wie immer am Schluss des Beitrags)
Untersuchungen haben gezeigt, dass mit der Abgabe von Guttationstropfen in wechselnder Menge und Zusammensetzung auch organische Stoffe ausgeschieden werden. Dabei fallen insbesondere Aminosäuren auf.


Abgesehen von der Reihigen Tramete, fiel mir bisher die Guttation stets nur an Rotrandigen Baumschwämmen (Fomitopsis pinicola) auf. Tatsächlich seien insbesondere bei jüngeren Pilzen dieser Art die Guttationstropfen in der Wachstumszone häufig zu beobachten.
Bei diesem Exemplar konnte ich förmlich dabei zusehen, wie es beständig vom Rand tropfte.
Rotrandige Baumschwämme kommen sehr vielgestaltig daher, so, dass sie wohl oft gar nicht als solche erkannt werden.
So eine starke Guttation, wie an diesem kürzlich entdeckten Rotrandigen Baumpilz, habe ich wirklich schon lange nicht mehr gesehen. Der sich darunter befindende liegende Baumstamm war richtig nass, vom ständigen Herabtropfen.
Übrigens: Guttation gibt es auch bei Pflanzen. Sie sondern dabei Flüssigkeit in Form von Tropfen über spezielle Drüsen ab.


Hier seht ihr noch ein Bild von der bereits erwähnten Reihigen Tramete (Antrodia serialis) mit Guttationstropfen. Ich entdeckte sie eines Tages in einem sehr düsteren, dichten Fichtenforst.
So, nun heisst es für mich ab nach draussen und Arbeiten erledigen. Im Herbst muss man jede Gunst der Stunde – sprich trockenes, warmes Wetter – nutzen. Das lehrte mich der Grossvater bereits in der Kindheit und sagte: «Weisch, wänn muesch a d’Finger früüre bim schaffe und s’nass und chalt isch, isch nümme luschtig zum dusse schaffe». (Weisst du, wenn du an die Finger frieren musst, wenn es kalt und nass ist, ist’s nicht mehr lustig zum draussen arbeiten).




Quelle Textinformationen: Springer Nature/Ewald Sprecher
Bilder, wie immer, wenn nicht anders angegeben: Gaby Kistler