
Was für ein wunderbarer Glanz doch auf den goldgelben Blüten des Scharbockskrauts liegt! Als wären die sternförmigen Blüten lackiert. Aus diesem Grund nennen wir sie bei uns in der Schweiz «Glitzerli».
Die jungen Blätter des Hahnenfussgewächses gelten als wahre Vitamin C-Bombe, sobald die Pflanze blüht, darf sie jedoch nicht mehr verwendet werden. In Zeiten grosser Hungersnot dienten zudem die Brutknöllchen einst als wichtige Stärkequelle.
Die Vegetationsperiode von Scharbockskraut (Ranunculus ficaria/Ficaria verna) dauert sehr lange, nämlich vom späten Winter bis in den Frühsommer. Bereits im Januar können wir erste glitzernde, goldgelbe Sterne der bis zu 20 Zentimeter hoch werdenden Staude entdecken. Vor allem an sonnigen Lagen. Die Blüten besitzen 8 – 11 gelbe Kronblätter.
Die Laubblätter sind herz- bis nierenförmig und oft glänzend, mit leicht gekerbtem Blattrand. Sie weisen lange Blattsteile auf.


Die Blätter dieses abgebildeten Scharbockskrauts dürfen nicht mehr verwendet werden, denn die Pflanze blüht. Vor der Blüte jedoch können sie problemlos wohl dosiert als frische Vitaminquelle – beispielsweise in Quark – verwendet werden. Da die Blätter viel Vitamin C enthalten, wurden sie im Mittelalter als Heilmittel gegen die Vitamin C-Mangelkrankheit Skorbut verwendet. Daher der Name, denn früher wurde Skorbut als Scharbock bezeichnet.
Alle Teile des Hahnenfussgewächses enthalten das giftige Protoanemonin, besonders aber die Brutknöllchen und Wurzelknollen. Auch in den Blättern verstärkt sich der Gehalt zunehmend ab der Zeit der Blüte.
Der frische Saft aus den Wurzelknöllchen ist so «scharf», dass er früher zur Behandlung von (Feig-)Warzen eingesetzt worden ist. Dies vielleicht aufgrund der Signaturenlehre (Mittelalter), denn die 1-2 cm langen Wurzelknöllchen, die der Pflanze als Stärkespeicher dienen, sollen in ihrer Form Feigwarzen ähneln.
Diese Wurzelknollen sind sehr typisch für das Scharbockskraut. Dank ihnen lässt es sich leicht bestimmen und von der ähnlichen, jedoch deutlich größeren Sumpfdotterblume unterscheiden. Zudem wächst diese aufrechter und ihre Blüten haben meist nur 5 große, kräftig gelbe Blütenblätter.


Auf diesem Bild zeige ich euch einen weiteren, einst wichtigen Pflanzenteil, die Bulbillen. Das sind getreidekorngrosse Brutknöllchen, die sich ungefähr ab Ende April in den Blattachseln bilden, später abfallen und zu neuen Pflanzen auswachsen. Sie sind es, die schliesslich für die grosse Vermehrung des Scharbockskrauts verantwortlich sind.
Die kleinen Brutknöllchen sind stärkehaltig und wurden in den Notzeiten der Kriegsjahre als «Himmelsbrot» bezeichnet. und gegessen. Diese nahrhaften kleinen Knöllchen müssen wahrlich ein Geschenk des Himmels gewesen sein, in Zeiten grosser Hungersnot.
Manche mögen sich im Frühling die Haare raufen, wenn das Scharbockskraut ganze Beete überzieht, dabei verschwindet die Pflanze von allein so schnell wie sie gekommen ist: Bereits ab Mai/Juni – wenn die neuen Wurzelknollen fertig ausgebildet sind – zieht die Pflanze ein, das heisst: Die oberirdischen Pflanzenteile beginnen sich gelb zu verfärben, welken und schon ist die Pflanze gänzlich verschwunden.
