
Habt ihr auch schon solche seltsamen Gespinste an Bäumen und Büschen entdeckt?
In vielen Naturforen tauchen jetzt wieder solche Bilder auf, mit der Frage um Bestimmung: Kunstvoll eingesponnene Pflanzenteile unter denen sich Raupen tummeln.
Es handelt sich dabei um das Werk von Gespinstmotten (Yponomeuta), manchmal aber auch von Gespinstwespen (Pamphiliidae). Die beiden gehören völlig unterschiedlichen Insektenfamilien an.
Vielen von euch dürfte die Pfaffenhütchen-Gespinstmotte (Yponomeuta cagnagella) bekannt sein (Bild). Sie legt ihre Schleier über das Pfaffenhütchen (Euonymus europaeus), manchmal auch über den Japanischen Spindelstrauch (Euonymus japonicus).
Dann gibt es noch weitere Arten aus der Familie der Gespinst- und Knospenmotten (Yponomeutidae), deren Namen sich auf das jeweilige Gehölz beziehen, auf das sie sich spezialisiert haben: Apfel-Gespinstmotte (Yponomeuta malinellus – befällt auch Birnbäume), Weiden-Gespinstmotte (Yponomeuta rorellus), Zwetschgen- oder Pflaumen-Gespinstmotte (Yponomeuta padellus– bevorzugt Steinobst, mag auch Schwarz- und Weissdorn) sowie die Traubenkirschen-Gespinstmotte (Yponomeuta evonymella). Letztere soll bei uns in der Schweiz die «am häufigsten auffällig werdende Art» sein.
Die Gespinstmotten-Falter sehen wir im Gegensatz zu den Raupen eher selten. Es handelt sich dabei um kleine Falter mit weissen Flügeln, die mit schwarzen Punkten durchsetzt sind.


Die Eiablage der Falter beginnt ab Mitte Juli an die Rinde von jüngeren Zweigen und zwar in der Nähe von Knospen. Um das Gelege zu schützen, überdecken sie es mit einem aushärtenden Sekret. Nach ungefähr einem Monat schlüpfen Räupchen. Ohne vorher Nahrung aufzunehmen, überwintern sie unter dem wächsernen Schutzschild.
Erst im Folgejahr, sobald sich im April die ersten Knospen am Gehölz öffnen, verlassen die winzigen Räupchen ihr geschütztes Nest. Sie «wandern» sogleich in die nächstgelegenen Knospen und fressen diese von innen her. Blätter werden miniert, das heisst, sie werden zwischen ihren Ober- und Unterhäuten aufgefressen. Immer «unter dem Radar» von Fressfeinden.
Nach der ersten Stärkung wird bereits kurze Zeit später mit dem Bau der charakteristischen Gespinste begonnen. Die weissen Schleier können ganze Sträucher einhüllen, was dann sehr gespenstisch aussieht und an Kunstwerke von Verpackungskünstler Christo erinnert.
Im Innern der Gespinste, die ständig erweitert werden, können die hellgelblichen, schwarz punktierten Raupen der Gespinstmotte, das befallene Gehölz nun in Ruhe kahlfressen. Vögel meiden offenbar in der Regel solche Gespinste. In seinem Schutz findet in Kokons schliesslich gleich auch die Verpuppung statt.
In meinem Garten wachsen – von Vögeln gepflanzt – mehrere Pfaffenhütchen und ich kann beobachten, dass auch ein starker Befall mit Gespinstmottenraupen die Bäumchen nicht zum Absterben bringen kann. Sie treiben, nachdem der Spuk vorbei ist, einfach wieder neu aus. Etwas anders sieht das im Obstbau aus. Die WSL schreibt dazu: «In Obstplantagen können die Raupen bei mehrjährigem Befall die Fruchtproduktion beeinträchtigen. Befressene Ziersträucher verlieren vorübergehend ihren Zierwert, treiben aber im Sommer nochmals aus und überleben den Befall normalerweise
problemlos. Die witterungsbedingten Massenvermehrungen hören nach 1 – 2 Jahren von selbst
auf.»


Zum Schluss möchte ich noch auf ein anderes Insekt hinweisen, das ebenfalls Gespinste baut, jedoch einer ganz anderen Insektenfamilie angehört, den Wespen:
Gespinstblattwespen (Pamphiliidae). Sie gehören zur Unterordnung der Pflanzenwespen (Symphyta) und bauen ebefalls Gespinste, wie ein Beispiel an unserem Birnbaum zeigt. Es kann sich dabei um die Birnengespinstblattwespe (Neurotoma flaviventris) oder die sehr ähnlich aussehende, Gelbe Birnengespinstwespe (Neurotoma saltuum) handeln.
In den Gespinsten der Gespinstblattwespen findet man oft eine Ansammlung von dunklen Kotstellen, weswegen die Familie der Gespinstblattwespen auch als „Kotsackgespinstwespen“ bezeichnet wird.
Der «Befall» mit Gespinstblattwespenraupen war übrigens für unseren Birnbaum kein Problem, wir konnten praktisch gleich viele Birnen ernten wie in anderen Jahren.






Ein Kommentar bei: “Gespinstmotten und Gespinstblattwespen sind wieder am Werk”