
Und wieder einmal blicke ich mit leichtem Bangen in unsere grosse Eibe (Taxus baccata): So viele gelbe Nadeln am Baum!
Dabei findet dieses Besorgnis erregende Schauspiel jedes Jahr im Frühjahr respektive Frühsommer statt: Die Eibe erneuert ihr Nadelkleid und das hat zur Folge, dass sich vor allem im Bauminnern die Nadeln gelb verfärben und abfallen.
Alle heimischen Nadelbäume – ausgenommen natürlich die Lärche (Larix), die sämtliche Nadeln im Herbst abwirft – erneuern von Zeit zu Zeit ihre Nadeln. Da hängt keine Nadel während der ganzen Lebensdauer eines Baumes am Zweig, sondern sie wird in regelmässigen Abständen durch neue ersetzt. Wie lange die Nadeln jeweils am Baum verbleiben, hängt von der jeweiligen Baumart, aber auch stark vom Standort ab:
«Je kühler die Temperaturen, umso länger bleibt eine Nadel am Baum. Im Mittelland zum Beispiel bleiben die Nadeln nur 6 bis 7 Jahre am Baum, bevor sie abgeworfen werden. In den mittleren Berglagen des Juras und der Voralpen bleiben sie 8 bis 10 Jahre, und in den Alpen sogar 9 bis 20 Jahre.
Im Mittelland muss eine 30m hohe Fichte jedes Jahr 1.2 bis 1.5 Millionen Nadeln neu bilden, damit sie immer gleich viele Nadeln hat.» (WSL Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft)


Von der Eibe heisst es, ihre Nadeln würden turnusgemäss im Abstand von 3 bis 8 Jahren ausgetauscht und zwar just während der Phase des Austriebes. Der Zeitpunkt kann je nach Wetter etwas variieren, doch der Austausch ist im April/Mai am auffälligsten. Jetzt, noch bevor die neuen Triebe da sind, hat man einen besonders guten Blick ins Innere des Baumes, weshalb die Gelbfärbung der Nadeln im Bauminnern besonders gut sichtbar ist.
Sobald die frischen Triebe dann aber den Blick ins Innere des Baumes verdecken, lässt der auffällige Effekt nach. Bei großen, freistehenden Eiben, wie wir eine davon im Garten stehen haben, bleibt die gelbe Verfärbung meist viel länger sichtbar. Es kann bis im Juli dauern, bis alle alten Nadeln vollständig abgefallen sind.
Bei uns bilden sich zur Zeit grad wieder ganze gelbe Teppiche von abgefallenen Nadeln. Nach den angekündigten Gewittern werden noch einige dazu kommen.
Hier seht ihr das Bild eines anderen Nadelbaums, der sich in der Phase des Nadelaustauschs befindet. Es zeigt unsere Kiefer (Föhre/Pinus syvestris) bei der physiologische Herbstschütte. Sie erfasst unter normalen Bedingungen 3- bis 4jährige Nadeln, kann jedoch unter Einwirkung von Witterungsextremen und Luftschadstoffen verstärkt auftreten. In solchen Fällen werden dann auch mal jüngere Nadeljahrgänge in Mitleidenschaft gezogen.
Im Gegensatz zum Nadelaustausch bei der Eibe, welcher im Mai/Juni erfolgt, findet dieses natürliche Phänomen bei der Kiefer jeweils im Oktober statt. Das Bild zeigt den Baum Mitte Oktober.


ABER: Mal abgesehen von der hier im Beitrag beschriebenen Physiologischen Nadelschütte, gibt es natürlich auch einige andere Gründe, weshalb sich Nadeln gelb respektive braun verfärben können. Besondere Witterungsbedingungen können zum Beispiel optimale Bedingungen schaffen für die Entstehung einer parasitären Schütte, ausgelöst durch verschiedene Schüttepilz-Erreger. Ein gutes Beispiel dafür war in unserem Dorf letztes Jahr die Lärchenschütte an mehreren Lärchen. Sie wurde ausgelöst durch einen Schüttepilz, der die Nadeln bereits ab August hat braun werden und frühzeitig abfallen lassen. Das Bild entstand anfangs September und zeigt eine befallene Lärche. Es ist ja normal, dass die Lärche vor dem Winter ihr Nadelkleid verliert, aber nicht so früh und die Nadeln werden dabei zuerst gelb und nicht von Beginn weg braun.
Jetzt aber nochmals zurück zum Ausgangspunkt, dem Nadelaustausch der Eibe. «Bei neu gepflanzten Eiben – sagen wir, innerhalb der letzten zwei Jahre gesetzt – fällt dieses Phänomen deutlich stärker auf. In manchen Fällen sieht es sogar so aus, als würden die Pflanzen absterben. Wir vermuten, dass relativ frisch gepflanzte Eiben tendenziell mehr gelbe Nadeln bilden (auch wenn das nicht abschließend gesichert ist).» So lautet es bei «Heckenkraft«.
Solltet ihr euch nun bangend fragen: «Aber da wird ja mein Baum ganz kahl im Innern?» Nun ist es generell so, dass die meisten Bäume innen eher kahl sind und ihr Grün fast ausschliesslich an den äusseren Trieben erneuern. Der Vorteil des Nadelaustauschs im Innern ist aber gerade der, dass dadurch wieder mehr Licht in den Baum kommt und sich auch im Innern folglich wieder neue Triebe bilden können.


Sollte eure neu gepflanzte Eibenhecke so aussehen, hat das nichts mit dem heute vorgestellten Phänomen des normalen Nadelaustauschs zu tun. Hier sind wohl andere Ursachen dafür verantwortlich die mit Wetter-Extremen im Winter zu tun haben könnten. Zum Beispiel dem Wechsel zwischen «sehr trocken» und extremer Nässe. Da Eiben in den kalten Monaten anscheinend fast null Wasser verdunsten, nehmen die Wurzeln durch zu viel Wasser Schaden. Hinzu kommen dann vielleicht noch «Eiswind-Phasen» die in Kombination zu Frostschäden führen können. Das müsste man vor Ort anschauen und die «Geschichte» der Eiben auf dem Bild kennen, vielleicht lief ja auch bei der Pflanzung etwas falsch, oder es war im Winter Streusalz im Spiel.
Ich bin nun wirklich keine studierte Fachfrau, aber eines weiss ich mit Sicherheit, bei unserer Kiefer und den Eiben handelt es sich bei dem Gelbwerden der Nadeln um ein natürliches Phänomen das bei gesunden Bäumen in regelmässigen Abständen auftritt. Die Informationen dazu bekam ich vom WSL, bei dem ich vor Jahren einst nachgefragt hatte.
Jeder kann sich im Lauf der Jahrzehnte durch stetes Beobachten viel an Naturwissen aneignen. Ich persönlich gewichte solches Erfahrungswissen bedeutend höher, als das von Menschen, die sich selten in der Natur aufhalten, nicht mit ihr verbunden sind, aber viel darüber schreiben.

Meine benutzten Quellen sind die WSL Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft und Heckenkraft