
Sie wirkt noch klein auf diesem Bild, so ganz ohne Vergrösserung, und sie ist es auch: Diese junge Gartenkreuzspinne (Araneus diadematus) ist höchstens 5 Millimeter gross und hat erst vor zwei Monaten den schützenden Kokon verlassen. Jetzt übt sie sich bereits im Bauen der ersten kunstvollen Radnetze.
Voilà und hier noch in der Vergrösserung. Sieht es nicht schon perfekt aus, dieses Radnetz der jungen Spinne? Schon ab Juni können erste kleine Radnetze entdeckt werden, doch ihnen fehlt es noch an der grossen Festigkeit, für welche die Radnetze ausgewachsener Gartenkreuzspinnen bekannt sind. Nicht mal Stubenfliegen vermögen sie standzuhalten und so ernähren sich die jungen Gartenkreuzspinnen in dieser Zeit von anderen Insekten, vorwiegend Blattläusen.


Dieses Bild stammt von Anfang August, also etwas später im Jahr und zeigt eine Gartenkreuzspinne, die eine Gurke «annektiert» hat. Genau ab dieser Zeit beginnt die Paarungszeit, und von nun an werden sich die Männchen in Acht nehmen müssen:
Sie werden durch einen Lockstoff geschlechtsreifer Weibchen angelockt. Haben sie eines entdeckt, zupfen die Männchen rhythmisch an einem Spinnfaden um dieses auf sich aufmerksam zu machen. Hat das in der Netzmitte sitzende Weibchen das Männchen entdeckt, entstehen bange Sekunden die entscheiden über Leben und Tod: Nimmt nun der Beutetrieb beim Weibchen überhand, oder doch der Fortpflanzungstrieb?
Übersteht das Männchen diesen kritischen Moment, entscheidet sich das Weibchen für die Paarung und nicht für das Fressen des Männchens, muss sich dieses nach der Paarung trotzdem sofort aus dem Staub machen. Kurz nach erfolgter Paarung nämlich, erwacht bei der wesentlich grösseren Partnerin wieder der Beutetrieb.

So oder so, das Schicksal des Männchens ist besiegelt und es stirbt kurze Zeit später eines natürlichen Todes.
Mehr von den Gartenkreuzspinnen erzähle ich dann im Oktober, wenn die Weibchen die Eier ablegen und einen Kokon für den Nachwuchs spinnen. Dann, wenn die erwachsenen Tiere eine beachtliche Grösse erreicht haben (Weibchen bis zu 18 Millimeter).
Quelle Informationen: NABU Jürgen Huhn