
Dieses Bild zeigt den Garten-Laubkäfer (Phyllopertha horticola) der jetzt wieder unterwegs ist. Ihn ereilt ein hartes Schicksal, denn ein eingewanderter Verwandter aus derselben Familie der Blatthornkäfer (Scarabaeidae) der ihm sehr ähnlich sieht, verursacht grosse Probleme: Der Japankäfer (Popillia japonica). So wird wohl leider mancher Garten-Laubkäfer aus Unwissen dran glauben müssen.
Dabei gibt es ein gutes Merkmal, anhand dessen man die beiden Käfer, den heimischen Garten-Laubkäfer und den nicht heimischen, eingewanderten Japankäfer, voneinander unterscheiden kann.
Hier seht ihr den gefürchteten Japankäfer (Popilla japonica / Pressebild), der in Aussehen und Grösse sehr an den Garten-Laubkäfer (Phyllopertha horticola) erinnert. ABER: An jeder Körperseite befinden sich unterhalb der Flügeldecken, gut sichtbar, fünf weiße Haarbüschel sowie zusätzlich zwei Büschel am letzten Körpersegment. Auch der Garten-Laubkäfer hat bei genauer Betrachtung an dieser Stelle weiss-gräuliche Härchen, aber in einheitlicher Farbe, die fünf weissen Büschel fehlen eindeutig.
Erwachsene Japankäfer sind ungefähr so gross wie eine Kaffeebohne (8 – 11 mm), also etwa gleich gross wie der heimische, harmlose Garten-Laubkäfer. Japankäfer ernähren sich von über 400 Pflanzenarten, wobei sein Skelettierfrass auffällt: Er frisst nur das Blattgewebe zwischen den Blattadern. Bei massenhaftem Auftreten, was oft der Fall ist, verursachen Japankäfer Kahlfrass und auch die im Boden lebenden Larven sind in der Lage, durch Wurzelfrass ganze Pflanzenbestände zu vernichten.


Nun aber zurück zum Garten-Laubkäfer (Bild) den ich euch heute vorstellen möchte. In meiner Kindheit bezeichneten wir ihn als Junikäfer, weil er insbesondere im Juni in grosser Anzahl auftritt. Das ist aber wieder mal so ein Trivialname, der auch für andere Insekten verwendet wird, in diesem Fall für den deutlich grösseren, ebenfalls im Juni gehäuft auftretenden Gerippten Brachkäfer ((Amphimallon solstitiale). Auch er entstammt der Familie der Blatthornkäfer. Ich werde ihn nächstens an dieser Stelle beschreiben.
Im Juni führt der abgebildete Garten-Laubkäfer einen sogenannten «Reifungsfrass» durch. Dazu sucht er mit Vorliebe Heckengehölze und Waldränder auf, wo er während seines wenigen Tage andauernden Frasses Scharten und Löcher in Blätter frisst.
Auch seine Anwesenheit kann in dieser Zeit zu Kahlfrass führen, aber nie im selben grossen Ausmass, wie beim Japankäfer.
Vom Garten-Laubkäfer geschädigte Bäume und Sträucher treiben im Laufe des Sommers einfach nochmals neu aus aus und ersetzen die verlorenen Blätter.
Die Larven des Garten-Laubkäfers (kleine Engerlinge) entwickeln sich im Boden und fressen dort an Wurzeln, meist an Gräsern und Krautpflanzen. In Gärten (Rasenflächen) wie auch in landwirtschaftlichen Kulturen, vermögen diese kleinen Engerlinge mitunter durchaus Schäden anzurichten. ABER: Ich kenne diesen Käfer aus meiner Kindheit und es gab oft Jahre, in denen er in Massen aufgetreten ist, doch selbst dann, mag ich mich nicht an Schäden am Rasen oder in den Wiesen erinnern. Vielleicht waren ganz einfach damals auch genug Fressfeinde da, die ihre Population in Schach hielten.


Zum Zyklus des abgebildeten Garten-Laubkäfers: In jedem Jahr entwickelt sich eine Generation. Sie beginnt mit der Eiablage der Käferweibchen in der ersten Sommerhälfte am Boden. Die daraus geschlüpften Larven ernähren sich unterirdisch von Wurzeln bis in den Herbst hinein. Es folgt die Überwinterung im Boden und im Frühling verpuppen sich die Larven schliesslich in einer kleinen Erdhöhle. Jetzt ab Mai/Juni ist die Zeit, wo die adulten Käfer schlüpfen und ausfliegen. Gestern habe ich meinen ersten Garten-Laubkäfer in diesem Jahr auf einer späten Holunderblüte entdeckt.
Die WSL schreibt, dass in inneralpinen Trockentälern sporadisch Massenvermehrungen in Erscheinung treten, beispielsweise im mittleren Engadin. Und: «Der Blattfrass an Bäumen und Sträuchern kann und muss nicht bekämpft werden.» (WSL = Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft)
Bitte also nicht gleich töten – wie es leider mit zahllosen heimischen Marienkäfern geschieht, die aus Unwissen mit Asiatischen Marienkäfern verwechselt werden – sondern genau hinschauen: Weist der Käfer wirklich die auffälligen fünf weissen Büschelchen auf den Seiten auf, oder sieht er aus wie dieser, der Garten-Laubkäfer?
Handelt es sich jedoch tatsächlich um einen Japankäfer, den ihr gesichtet hat, so müssen Funde respektive Verdachtsfälle gemeldet werden. Für die Schweiz findet ihr hier entsprechende Informationen: https://www.blw.admin.ch/de/japankaefer-schadorganismus
Für Deutschland und andere EU-Länder gilt ebenfalls: «Da der Japankäfer in der EU als Quarantäneschädling eingestuft wird, ist jeder Fund oder Verdacht gesetzlich meldepflichtig.»

Benutzte Quellen: WSL Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft, Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft, (Deutsches) Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat