Fund inmitten der Stadt: Mondbechermoos

Über was schreibt man an einem Tag im April, an dem es draussen schneit und der Frühling gerade eine Pause einlegt?

Zum Beispiel über das faszinierende Mondbechermoos (Lunularia cruciata), eine Lebermoosart, die inmitten der Stadt zwischen Pflastersteinen wächst.

Erkennen könnt ihr diese Lebermoosart an ihren charakteristischen, halbmond-förmigen Brutbecherchen.

Der hellgrüne, leicht glänzende Körper des Mooses (Thallus), weist kleine, vulkanartige Atemporen auf.

Das hier abgebildete Mondbechermoos ist die einzige Vertreterin der Ordnung der Lunulariales.

Auf allen Bildern handelt es sich um weibliche Pflanzen. Das erkennt man auf diesem Bild anhand der hellen «Kügelchen» sehr gut, den Archegonienständen von weiblichem Mondbechermoos. Leider wird es hier wohl nie zu einer Befruchtung kommen, denn es gibt stets nur rein männliche, oder aber weibliche Bestände, so wie hier, in dieser Ecke der Stadt, und es ist höchst selten, dass die beiden zusammenkommen. Aber nur dann, wenn sich die Zwei finden, können Sporenkapseln entwickelt werden.

Gemäss einem mir bekannten Moosforscher gibt es in der Schweiz gemäss der Datenbank bisher nur einen einzigen Fund von Sporenkapseln aus dem Kanton Genf. Von eindeutig weiblichen Pflanzen mit Archegonienständen, gibt es bisher nur zwei Funde aus den Kantonen Genf bzw. Tessin. Dass ich also diese abgebildeten gefunden habe, ist demnach recht selten.

Das Mondbechermoos vermehrt sich hauptsächlich vegetativ, über die Bildung von Brutkörpern. Sie werden in den halbmondförmigen Brutbechern am Ende der Thalli gebildet. Eine geschlechtliche Vermehrung kommt eigentlich nur in ihrem angestammten Gebiet vor, dem Mittelmeerraum. Kein Wunder, gibt es doch zum Beispiel in ganz Deutschland einzig und allein weibliche Bestände. Jedenfalls wurden bis jetzt keine männlichen Pflanzen registriert.

Genauso wie in Deutschland, fand das Mondbechermoos übrigens auch in der Schweiz den Weg zu uns als «blinder Passagier» von Kulturpflanzen in Botanischen Gärten. 1855 gab es im Botanischen Garten in Bern, den ersten nachgewiesenen Fund. Auch in Deutschland gelangte das Moos mit Topfpflanzen anfangs des 19. Jahrhunderts in die Gewächshäuser.

Die von mir entdeckten Vorkommen von weiblichen Mondbechermoospflanzen mit Archegonienständen, werde ich jedenfalls auch künftig im Auge behalten, wann immer ich in der Stadt bin. Wer weiss, vielleicht gesellt sich ja doch eines Tages eine männliche Population dazu.

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