
Jetzt sind sie vielerorts bereits reif, die Beeren des Weissdorns (Crataegus).
Das heimische Rosengewächs ist ein wunderbares Vogelschutz- und Nährgehölz. Aber auch den Menschen leistete der Weissdorn in vielerlei Hinsicht seit jeher gute Dienste.
Es gibt zwei weit verbreitete Arten von Weissdorn: Den Eingriffligen Weissdorn (C. monogyna) und den Zweigriffligen Weissdorn (C. laevigata). Die Lappen der Blätter von Letzterem sind breit abgerundet oder zugespitzt und die Einschnitte gehen höchstens bis zur Mitte der Blattlänge. Beim Eingriffligen Weissdorn hingegen sind die Lappen schmal und kurz zugespitzt. Zudem reichen die Einbuchtungen oft tief, bis zur Mittelrippe.
Weissdorne können strauchartig oder aber zu rund acht Meter hohen Bäumchen heranwachsen und ein erstaunliches Alter von 500 bis 600 Jahren erreichen!

«Crataegus» setzt sich zusammen aus dem griechischen «kratos= Stärke» und dem lateinischen «ago=führe zusammen» und bezieht sich auf das ausserordentlich harte Holz. Es ist rötlich und wurde einst von Drechslern für Dreschflegel, Spazierstöcke oder Werkzeugstiele verwendet. Heutzutage benötigt man hierzulande aber weder Spazierstöcke noch Dreschflegel und die Werkzeugstiele sind leider nicht selten aus Holz mit zweifelhafter Herkunft.
Beide Arten, der Ein- wie auch der Zweigrifflige Weissdorn, verfügen über dieselben medizinischen Eigenschaften, die meinen Quellen zufolge blutdrucksenkend, fiebersenkend, krampflösend und sedativ sein sollen. Bekanntheit erlangte der Weissdorn vor allem auch wegen seiner nachweislich positiven Wirkung auf den Kreislauf und er ist noch heute in vielen Herzstärkungsmitteln enthalten. Bereits Mitte der Achtziger Jahre stellte ich für meine Grossmutter die seit Jahrzehnten an Angina pectoris litt, mit Weissdornbeeren einen «Herzwein» her. Immerhin wurde sie trotz Angina pectoris fast 90 Jahre alt. Ihr findet in entsprechender Literatur oder im Internet verschiedene Rezepte für einen stärkenden Weissdorn-Herzwein.
Früher wurden die Früchte den Schweinen verfüttert, aber auch der Mensch hat sie in Notzeiten gegessen. Der mit stacheligen Ästen bewehrte Weissdorn bildete einst undurchdringliche Hecken und schützte damit Felder und Siedlungen vor allerlei unerwünschten Eindringlingen. – Heute ist der dornenbewehrte, heimische Strauch als Vogelschutz- und – Nährgehölz ein wichtiger Bestandteil von Hecken.

Wie der heimische Herd, galt auch der Weissdorn einst als Sitz des guten Hausgeistes. Er wurde von den Menschen verehrt und sie opferten ihm Speisen.
Eine Seniorin erzählte mir kürzlich: «Bei uns wurden immer Weissdornzweige in den Stall gehängt, Soll für ein gutes Klima sorgen und Krankheiten fern halten.» Solches zu hören freut mich immer ganz besonders. Es zeigt, wie sich doch gewisse Brauchtümer und Rituale bis weit in unsere Zeit zu erhalten vermochten.
Zum Schluss noch eine Notiz in Bezug auf Weissdorn in Zusammenhang mit Feuerbrand:
Leider ist der Weissdorn in der kürzeren Vergangenheit etwas in Verruf geraten und zwar durch den Feuerbrand, eine bakterielle Krankheit, zu dessen Wirtspflanzen der Weissdorn zählt. Weitere Wirtspflanzen für Feuerbrand sind Kernobstarten wie Apfel und Birne, Quitte, Scheinquitte, Mispel, Feuerdorn, Felsenmispel, Wollmispel und Mehlbeere.
Vielleicht gibt es aber diesbezüglich mittlerweile neue Erkenntnisse. So hat mich ein aktueller Beitrag in einem Bio-Gartenmagazins erstaunt, in welchem ein Hof porträtiert worden ist, der pestizidfrei Hochstammbäume anbaut. Zwischen den rund 1000 Obstbäumen haben die Obstbauern Wildhecken gesetzt, unter anderem auch mit Weissdorn. Dies als Lebensraum und Nahrungsangebot für Nützlinge. Nun da hätte ich als Journalistin beim Interview mit dem Bauern diesbezüglich wohl nachgehakt, wie das nun ist mit dem Feuerbrand, dem Weissdorn und dass man ihn nicht in die Nähe von Obstplantagen pflanzen soll. Aber eben, vielleicht gibt es da ja inzwischen neue Erkenntnisse.
Quellen: S. Bäumler «Heilpflanzen Praxis heute», Flora Helvetica, «Blätter von Bäumen» Susanne Fischer