
Gestern habe ich erste «Probebohrungen» bei den Kartoffeln vorgenommen und befriedigt festgestellt: Da ist ganz ordentlich was dran an den Stauden.
Ich liebe Erdarbeiten, wenn ich die Erde zwischen den Zehen spüre und mit den Händen in ihr wühlen kann. Erde ist und war für mich nie etwas Schmutziges, ich habe es schon immer geliebt, mit ihr zu arbeiten. Sie ist es, die uns nährt, etwas sehr Kostbares, zu dem wir Sorge zu tragen haben.
Volle 16 Wochen bereits sind diese Kartoffeln (Charlotte, eine mittelfrühe Sorte) inzwischen in der Erde. Das Kraut ist zwar noch nicht abgestorben, sieht aber schlecht aus, da wir wochenlang damit beschäftigt waren, unglaublich viele gefrässige Kartoffelkäfer abzulesen. Aus diesem Grund beschloss ich, mal zu schauen, wie es unter der Erde aussieht und habe ein paar erste Pflanzen geerntet. Das Ergebnis hat mich sehr gefreut: So viele schöne und vor allem gesunde Kartoffeln kamen zum Vorschein. Sie fielen problemlos von allein von den Stauden, auch war die Schale fest und fertig entwickelt. Das alles sind Zeichen, dass man die Kartoffeln eigentlich ernten könnte.
Ich habe mal eine volle Harasse in den Keller gebracht und warte ab, wie sich das Wetter entwickelt. Es muss auch beobachtet werden, ob sich allenfalls plötzlich Wühlmäuse an den Kartoffeln vergreifen. Das wäre gut möglich, denn auch sie leiden unter der Trockenheit und sind auf der Suche nach etwas Saftigem. In diesem Fall müsste ich umgehend die gesamte Ernte einbringen.


Was gibt es für eine schönere, befriedigendere Arbeit, als das eigene Essen zu ernten. Nachdem man die Kartoffeln zuvor gelegt, gehegt und gepflegt hat, bis hin zur Ernte. Selbst wenn der Rücken dabei schmerzt und der Schweiss das Gesicht herabrinnt: Ich liiiebe diese Arbeit, sie beschert mir so viele Glücksmomente. Dann, wenn wie gestern, viele gesunde Kartoffeln zum Vorschein kommen, so sauber und trocken.
Schon als Kind freute ich mich stets, wenn ich Grossvater bei dieser doch recht anstrengenden Arbeit helfen durfte. Er stiess vorsichtig die Grabgabel unter die Pflanzen, hob sie an und ich las die herauskullernden Kartoffeln auf. Ich sehe noch heute, wie Grossvaters Augen vor Freude glänzten, wenn er sagte: «Lueg Gaby, wie schön sie usechugelet«. («Schau, wie schön sie herauskullern».)
Heutzutage werden ja Kartoffeln in alles möglich gelegt, oft ohne Erde, zum Beispiel in Stroh, Heu, in Säcke oder Töpfe. Warum nicht, vor allem dann, wenn man keinen Garten hat und vielleicht auf dem Balkon welche ziehen möchte. Da ich jedoch dank der Grosseltern über diesen grossen Garten verfügen darf, gehört für mich die Kartoffel in die Erde, schliesslich wird sie nicht umsonst auch als ERD-Apfel bezeichnet.
Zur Lagerung: Die Kartoffeln kommen in solchen Holzharassen in den Keller, wo sie uns bis im Frühjahr erhalten bleiben. Auch dieses Jahr hatte ich noch welche übrig, als ich bereits die neuen in die Furchen gelegt hatte.


Übrigens: Vielleicht mögen sich die einen noch daran erinnern, dass man früher nach der Kartoffelernte das Kraut auf einen Haufen geworfen und auf dem Acker verbrannt hat. Danach haben alle Helfenden noch Kartoffeln ins Feuer geworfen und gegessen. Wie habe ich diese verkohlten, heissen Kartoffeln aus dem Feuer geliebt.
Tempi passati, das geht heute gar nicht mehr! 1. darf man die Stauden nicht mehr verbrennen, dabei hatte das sehr wohl seinen Sinn, dass man das gemacht hat (Kartoffelkäfer) und 2. oh Schreck, gelten heute angekohlte Esswaren (auch Würste vom Grill etc.) als krebserregend.
Trotzdem, das war stets eine schöner gemeinschaftlicher Akt nach der anstrengenden Ernte und ich liebte den Geruch der Kartoffelfeuer auf den Feldern.