
Wie liebe ich doch diese Frühlingsbotin mit ihren zierlichen, blauen Blüten.
Ab Anfang März bereits kann man blühende Leberblümchen (Hepatica nobilis) in den Wäldern finden, dann, wenn die Frühlingssonne noch durch die kahlen Baumkronen scheint und den dunklen Waldboden, die Laubstreu und darüberliegende Luft in Bodennähe zu erwärmen vermag.
Ist das Leberblümchen in eurer Gegend vorhanden, so findet ihr es in den Misch- und Laubwäldern, auf nährstoffreichen Böden. Besonders häufig kommt es im Kalkbuchenwald vor. Genauso wie die Buschwindröschen oder die Wald-Schlüsselblume, nutzt das Leberblümchen diesen idealen Zeitpunkt zum Blühen, bevor sich das Blätterdach der Laub- oder Mischwälder wieder schliesst.


Ist seine Blüte nicht wunderschön?Leberblümchen-Blüten sind meistens blau, können aber – wenn auch selten – mal weiss oder hellrosa sein. Sie sind ein wichtiger Pollenlieferant für allerlei Bienen, Käfer und Schwebfliegen. Nektar jedoch haben sie ihren Besuchern keinen anzubieten.
Blütenökologisch zählt das Leberblümchen zu den Scheibenblumen und ist somit perfekt für den Besuch kurzrüsseliger Insekten geeignet.
Manchmal erscheinen die ersten Blüten noch bevor es die charakteristischen, dreilappigen Blätter neu gebildet hat. Diese neuen Blätter werden überwintern und mit der Zeit etwas ledrig und leicht violett überlaufen.
Die spezielle, auffällige Blattform macht das Hahnenfussgewächs unverwechselbar. Da sie etwas an die Leber erinnert, kam sie zu ihrem lateinischen Namen Hepatica (nach dem griechischen Wort für Leber, hepar). Gemäss der mittelalterlichen Signaturenlehre soll die leberähnliche Form der Blätter auf eine Wirkung bei Lebererkrankungen hinweisen. Aber:


Die frische Pflanze enthält wie viele Hahnenfussgewächse das Gift Protoanemonin. Auf Haut und Schleimhäute gebracht, wirkt es stark reizend und kann zu Rötung, Juckreiz und Blasenbildung führen.
Bitte beachtet auch, dass diese heimische Wildpflanze in vielen Kantonen der Schweiz geschützt ist.
Wer Leberblümchen im Garten möchte, der wird in Gärtnereien fündig, wo es zum Beispiel kultivierte Arten, wie das hier abgebildete, gefüllte Leberblümchen Hepatica nobilis «Rosea Plena» gibt. Habe ich mal in einem alten Bauerngarten gesehen und fotografiert. Aber erstens gefallen mir gefüllte Blüten im Allgemeinen nicht, egal bei welcher Pflanze, und zum Zweiten sind gefüllte Blüten halt für Insekten mehr oder weniger wertlos. Aber ja, ich kann durchaus verstehen, dass es LiebhaberInnen von gefüllten Blüten gibt. Die Geschmäcker sind bekanntlich verschieden.


Nun schnüre ich mal wieder meine Wanderschuhe und steige hinab in die Waldschlucht, unweit von meinem Daheim. Dort wachsen viele Leberblümchen, mal schauen, ob sie bereits blühen. Wohl eher noch nicht, wir haben noch immer kalte Nächte, was die Vegetation etwas zurückhält.
«Hebed no en schöne Sunntig» (
Habt noch einen schönen Sonntag)
Gaby Kistler
Quellen: Kosmos Waldführer (E.-M. und W. Dreyer), «Geheimnisse und Heilkräfte der Pflanzen» DasBeste