Ein Hermelin beschert viel Freude am Auffahrtstag

Heute morgen überlegte ich mir, wem ich heute meinen Tagebuchbeitrag widmen könnte. Da uns in den vergangenen Wochen fast täglich Hermeline im Garten um die Ohren flitzen, dachte ich, mal wieder diesem drolligen und zugleich wieselflinken Tier ein paar Zeilen zu widmen.

Nach dem Zmorge, noch bevor ich überhaupt dazu kam, in die Tasten zu hauen, griff ich blitzschnell zur Kamera, denn just vor dem Fenster sah ich wieder ein Hermelin in Nachbars gemähter Wiese auf Mäusejagd.

Irgendwo bei uns im Garten – wahrscheinlich wie schon die letzten Male, unter einem Totholzhaufen – haben die Hermeline ihr Nest. Von dort flitzen sie – man kann es nicht anders sagen, bei diesem rasanten Tempo – vor unseren Augen immer wieder in Richtung gemähter Wiese beim Nachbarn. Dabei achten die vorsichtigen Tiere stets darauf, genügend Deckung zu haben, denn am Himmel kreisen fast immer irgendwelche Greifvögel.

Und so sahen wir kürzlich an einem Abend die Hermeline im 10-Minuten-Takt hin und her sausen, auf dem Rückweg stets mit einer grossen Wühlmaus in der Schnauze für den Nachwuchs. Kaum im Nest abgeliefert, machten sie sich wieder auf den Weg zurück auf die Weise.

Wer schon mal Hermeline bei der Mäusejagd auf einer gemähten Wiese beobachtet hat, weiss, dass sie immer wieder in den Gängen der Mäuse verschwinden. Die an die Mausgänge angepasste, überaus schlanke Körperform, erlaubt es Hermelinen, in den Mausgängen umher zu flitzen. Ja, das ist tatsächlich so, eine ARTE-Dokumentation («Wildes Innsbruck») hat das mal anhand von einmaligen Aufnahmen unter der Erde aufgezeigt. Und so sah auch ich heute morgen das Hermelin aufrecht Ausschau halten nach möglichen Gefahren, und im nächsten Moment war es auch schon in ein Loch verschwunden, um kurz darauf in ein paar Meter Entfernung wieder in einem anderen Mausloch aufzutauchen.

Ich finde sie allerliebst, wenn sie auf den Hinterfüssen stehend, mit wachsamem Blick die Gegend absuchen, nach Beute oder möglichen Gefahren. Und die lauern überall, am Himmel (Greifvögel) aber auch von den stets zahlreicher werdenden Katzen. Diese werden immer öfters von verantwortungslosen Haltern nach einem Umzug einfach zurückgelassen, nach dem Motto, «die findet dann schon Mäuse». Letztes Jahr war eine Nachbarin tieftraurig, weil sie Zeugin wurde, wie ihre Katze vor ihren Augen ein Hermelin erbeutete und tötete. Alles Eingreifen nützte nichts mehr. Auch ich bekam einmal ein solches Drama mit, das Hermelin war durch Krähen abgelenkt und bemerkte die sich anschleichende Katze zu spät.

Das ist kein «Katzen-Bashing» und ich bin wahrlich keine «Katzenhasserin», aber Fakten dürfen nicht verschwiegen werden, nur weil sie unangenehm sind und nicht gerne gehört werden. Ich kann ja auch sagen, dass erfreulicherweise die Hermelinpopulation in unserer Gemeinde in den letzten Jahren stabil geblieben ist. Manchmal denke ich gar, sie ist grösser geworden, aber vielleicht bin ich auch einfach achtsamer geworden.

Die Bemühungen in den letzten Jahren, vermehrt hermelinfreundliche Lebensräume zu schaffen (in naturnahen Gärten und in der Landwirtschaft) haben sicher viel dazu beigetragen, dass wir noch immer viele Hermeline beobachten können.

Wer Hermeline in seinen Garten locken möchte, oder als Bauer oder Bäuerin der Mäuseplage entgegenwirken will, der pflanzt Hecken und platziert grosse Totholz- und Steinhaufen, die ihnen Schutz vor Feinden bieten aber auch als Nistplatz dienen.

Seit wir Hermeline im Garten haben, sind sowohl wir, wie auch die Nachbarn, wühlmausfrei.

Zum Schluss noch ein paar Informationen zum Hermelin:

Das Hermelin (Mustela erminea) wird bei uns in der Schweiz gemeinhin oft als «Wiseli» (Wiesel) bezeichnet. Grosses Wiesel oder Kurzschwanzwiesel sind weitere Bezeichnungen für die Raubtierart aus der Familie der Marder (Mustelidae).

Ihr erkennt das Hermelin gut an der schwarzen Schwanzspitze (Bild), selbst im Winter, wenn es sein weisses Winterfell trägt. Das Gewicht liegt bei etwa 120 – 250 Gramm, wobei erwachsene Männchen deutlich schwerer und grösser sind als die Weibchen. Die tag- und nachtaktiven Tiere leben nur während der Aufzucht der Jungen im Familienverband, ansonsten sind sie Einzelgänger.

Hermeline sind zwar gute Kletterer – und räumen auch mal Nistkästen aus – bewegen sich jedoch vorwiegend am Boden, wobei sie blitzschnell allerlei Getier jagen. Dazu zählen – wie ich das beobachten kann – zu einem grossen Teil Wühlmause. Seit wir Hermeline im Garten haben, sind wir – wie auch alle Nachbarn – frei von Wühlmäusen. Beim Jagen erreichen sie übrigens Tempi von bis zu 30 km/h!

So, nun geh ich im Garten nachschauen, was das vorhin vorübergezogene Hagelwetter angerichtet hat.

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