
Das herbstliche Buffet für die Wildtiere ist bereits mit allerlei Delikatessen gedeckt. Jetzt heisst es Winterspeck anfuttern – man könnte manchmal meinen, ich müsste es ihnen gleichtun.
Da wären zum Beispiel die Früchte der weiblichen Eibenbäume (Taxus baccata). Die Beeren sind bei Vögeln, aber auch bei Säugetieren wie Baummardern sehr beliebt und wenn sie am Boden liegen machen sich auch Dachse oder Füchse über sie her.
Die hellrote, fleischige und süsslich schmeckende Ummantelung des Samens, Arillus genannt, ist ungiftig und besteht etwa zu 20 Prozent aus Zucker. Wen wundert es da, dass beispielswiese Jungfüchse und andere, noch unerfahrene Jungtiere oft mehr von dieser süssen Schlemmerei fressen, als ihnen bekommt. Die Folge davon sehen wir dann manchmal auf Waldspaziergängen zu unseren Füssen: Herausgewürgte, zermatschte Eibenbeeren. Dabei sind bei genauem Hinsehen auch Samenkerne sichtbar.
Die Samenkerne der Eibenbeeren sind – im Gegensatz zur roten Ummantelung – sehr giftig. Vögel scheiden sie später wieder aus und sorgen auf diese Weise gleich auch für die Verbreitung der Eiben (Taxus baccata).


Überhaupt ist wirklich alles giftig an diesem heimischen Baum, ausser den Pollenkörnern und dem roten Samenmantel. Trotzdem mochte ich diesen Baum mit seinem wunderschön roten Stamm (insbesondere wenn er regennass ist/Bild) und sein glänzend dunkelgrünes, weiches Nadelkleid schon immer. Vor allem jetzt, wo im Dunkelgrün der weiblichen Bäume noch die Früchte rot leuchten. Da die Eibe zweihäusig ist, gibt es männliche und weibliche Bäume und nur die weiblichen tragen bekanntlich Früchte.
In unseren Schluchtwäldern der Region ist die Eibe recht häufig als Unterbewuchs der Mischwälder zu sehen (Bild). Dort, im Halbdunkel grosser Bäume, gefällt es der schattentoleranten Eibe sehr gut. Im Vergleich mit anderen Nadelbäumen kommt sie mit weniger als einem Drittel der Lichtmenge aus. Aber: Wenn sie ihr lebenlang in diesem Halbdunkel von grossen Bäumen gestanden hat und diese ringsherum plötzlich durch Stürme oder Holzschlag wegfallen, bekundet sie Mühe mit dem vielen Licht. Das konnte ich bereits mehrfach beobachten, ihr bekommt das plötzlich zuteil gewordene viele Sonnenlicht nicht.


Anders sieht es aus, wenn sie freistehend und von jungen Jahren an bereits daran gewohnt ist, so wie das bei uns im Garten der Fall ist. Wir haben zwei Eiben und eine Säuleneibe (Taxus baccata ‚Fastigiata Robusta‘), die ihr auf diesem Bild sehen könnt. Diese Säuleneibe entstammt der Grabschmuckschale meiner Grossmutter und ist mittlerweile mit 26 Jahren bereits mehrere Meter hoch.
Die anderen Eiben wurden bei uns von den Vögeln «gepflanzt», ich finde immer wieder irgendwo Sämlinge.
Eiben eignen sich übrigens sehr gut als Hecke. Auf diesem Bild seht ihr eine neu gepflanzte Eibenhecke bei einer Überbauung. Eibenhecken bieten auch während der Wintermonate besten Wind- und Blickschutz und vertragen den Schnitt gut, wenn sie von jung an daran gewöhnt sind. Sie wären demnach ein sehr guter Ersatz für Thuja. Was die Giftigkeit betrifft, so bin ich als Kind mit ganz vielen giftigen Pflanzen (Aronstab) und Sträuchern und Bäumen (Eiben, Goldregen) gross geworden. Diese waren sogar eine gute Gelegenheit, mich bereits von klein auf den Umgang mit diesen Giftgewächsen zu lehren. Ich hatte den besten Anschauungsunterricht im Garten.



