Echtes Leinkraut, das «kleine Löwenmaul»

Entlang eines Bahndammes in Brienz konnte ich dieses blühende Echte Leinkraut (Linaria vulgaris) fotografieren. Ein sehr typischer Standort für diese Pflanze, die im Volksmund auch gerne als «kleines Löwenmaul» bezeichnet wird.

Die Wildpflanzen Lein (Linum), Leimkraut (Silene) und das heute vorgestellte Echte Leinkraut (Linaria), sorgen aufgrund ihrer deutschen Namensgebung oft etwas für Verwirrung. Sie alle gehören verschiedenen Gattungen an, gemeinsam sind ihnen jedoch die länglichen, filigranen Blätter.

Tatsächlich erinnern auch mich die hübschen gelben Rachenblüten des Echten Leinkrauts stark and das Löwenmäulchen (Antirrhinum). In meiner Kindheit blühte es in Grossvaters Blumenrabatten, in verschiedenen Farben. Wir Kinder pflegten mit den Fingern so in die Blüte zu greifen, dass man das «Mäulchen» auf und zu bewegen konnte. Aber eben, das heute gezeigte Echte Leinkraut gehört lediglich derselben Familie an, den Wegerichgewächsen (Plantaginaceae).

Das mehrjährige Echte Leinkraut findet man an trockenen Stellen, zum Beispiel an Wegrändern, in Magerwiesen, auf Schuttplätzen oder entlang von einem Bahntrassee. Es zählt zu den wichtigen Raupenfutterpflanzen verschiedener Schmetterlinge. Im Garten «wandert» die bis zu 40 cm hoch wachsende Pflanze gerne, verschwindet plötzlich am einen und taucht an einem anderen Ort wieder auf. Zu erwähnen ist auch hier, was immer wichtiger ist: Das Echte Leinkraut kommt gut mit Trockenheit zurecht.

Hier darf ich euch noch eine doch eher seltene Wildpflanze vorstellen, die mir auf einer Wanderung in den Walliser Alpen begegnet ist: Das Italienische Leinkraut (Linaria angustissima). Es ähnelt dem Echten Leinkraut (Linaria vulgaris) sehr.

Im Botanikwälzer Flora Helvetica werden 17 Arten und Unterarten von Linaria beschrieben, darunter beispielsweise auch das Purpur-Leinkraut (Linaria purpurea), das man bei uns in der Schweiz hauptsächlich im Wallis und zerstreut auch in den Kantonen TI, GR und VD findet. Das Purpur-Leinkraut, von dem ihr Bilder in der Galerie findet, blüht in meinem Garten seit vielen Wochen bereits sehr üppig und hat der anhaltenden, grossen Trockenheit bis jetzt problemlos getrotzt. Seine Blüten werden von unglaublich vielen Insekten besucht (Schmetterlinge, Wildbienen, Hummeln etc.)

Das Echte Leinkraut ist auch eine Heilpflanze. Als Wirkstoffe werden Flavonglycoside, Linarin, Pektolinarin, Neolinarin, Cholin, Gummi, Pektine, Gerbstoffe, Vitamin C, Ameisensäure, Apfelsäure, Alkaloid Peganin und Iridoide erwähnt. Sie werden für folgende Eigenschaften der Heilpflanze verantwortlich sein: schweisstreibend, harntreibend, abführend, entzündungshemmend, antirheumatisch,
beruhigend, nervenstärkend.

Die vielseitige Pflanze zählt zudem von alters her zu den grossen Schutzpflanzen. Durch das Räuchern verspricht sie Schutz vor Verwünschungen, negativer Energie sowie negativen Gedanken. Sie hülle «uns in einen unsichtbaren Schutzmantel, wir fühlen uns geborgen und locker, gelöst.» (Quelle: Heidrun Johner-Allmoslöchner, zertifizierte Heilpflanzenfachfrau) Nun, die einen mögen schmunzeln darob, ich persönlich bin überzeugt, dass negative Energien, beispielsweise verursacht durch Neid und Missgunst, sehr wohl in der Lage sind uns zu schaden («Böser Blick»).

Für das Echte Leinkraut existieren viele Trivialnamen (zum Teil nur regional), die ich euch nicht vorenthalten möchte (Quelle: Wikipedia) Dorant, Druut (Mecklenburg), Feigblätterkraut, Feigwarzenkraut, Wilder Flachs, Flachskraut, Wille Flachs (Göttingen), Frauenflachs (Schlesien, Marl. Ostpreussen), Harnkraut, Heidenflachs, Hundskopf, Hunthaubito (althochdeutsch), Katharinenblumen (Schlesien), Katharinenflachs (Sachsen), Katharinenkraut (Sachsen), Krottenflachs, Lammkraut, Linkraut (Mecklenburg), Wäld Liwemeltcher (Siebenbürgen), Marienflachs (Schlesien), Mauerflachs, Nabelkraut, Schänndegräber (Eifel bei Althenahr), Scheisskraut, Stallkraut (im Sinne von Harnkraut), Stockkraut, Tackenkrut (Mecklenburg), Takenkraut (Schlesien), Uckerleinkraut, Unser Frauen Flachs und Unser Frau Haar.

Mich dünkt aber, da seien einige darunter, bei denen eine Verwechslung mit dem Echten Lein (Linum usitatissimum/Flachs) vorliegen könnte.

Benutzte Quellen: Flora Helvetica, Infoflora, Wikipedia, Flora di Berna, Heidrun Johner-Allmoslöchner, zertifizierte Heilpflanzenfachfrau

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