
Der Dost zählt zu meinen Liebsten unter den wilden Würzpflanzen. Soeben habe ich im Garten einige Stauden geerntet und zum Trocknen aufgehängt. Für Tee, zum Würzen und Räuchern.
Eigentlich sind Oregano und Dost dasselbe, denn sie stehen für dieselbe Pflanzenart (Origanum vulgare). Aber es gibt trotzdem kleine Unterschiede zwischen den im Mittelraum angebauten Sorten von Oregano und der heimischen Wildform (Dost).
Im Volksmund wird der Dost als Wohlgemut bezeichnet, eine schmeichelnde, treffende Bezeichnung für diese Heilpflanze.
Der auch als Wilder Majoran bekannte Dost (Origanum vulgare) ist der heimische Oregano. Er begegnet uns als Wildstaude an trockenen, warmen Stellen auf Kalk- und Kiesböden in Wäldern, an Feldrainen und Berghängen und natürlich im Garten. Dort findet man Origanum vulgare auch in verschiedenen Züchtungen, zum Beilspiel als «Hot&Spicy«, einer Kreuzung aus heimischem Dost und Griechischem Oregano oder als sogenannter «Blumen-Oregano» (Origanum laevigatum). Letzteres wohl eine Züchtung die auf Kosten des Geschmacks auf hübsche Blüten hin gezüchtet worden ist.
Mir ist aufgefallen, dass bezüglich Oregano in den letzten Jahren ständig neue Züchtungen in den Gärtnereien angeboten werden. Ihr Geschmack ist oft stärker, als der von Dost, dessen Würzkraft doch eher als «bescheiden» gilt.


Trotzdem ziehe ich den wilden Oregano, also Dost, den vielen Züchtungen vor. Er ist allgegenwärtig in meinem Garten, und wo er blüht, da hat es stets unglaublich viele Blütenbesucher. Vielleicht liegt es an ihrem Nektar, der bis zu 76% Zucker enthalten kann, dass die bis zu 90cm hoch wachsende Wildstaude gerne von Schmetterlingen wie dem Distelfalter, Grossen Ochsenauge, Blauäugigen Waldportier, dem Hainveilchen-Perlmuttfalter oder Weissbindigen Wiesenvögelchen besucht wird. Aber auch verschiedene Wildbienenarten wie die Schwarzfühler Holzbiene und Schwebfliegen können auf seinen Blüten angetroffen werden.
Am meisten «Besucheraufkommen» herrscht bei den Dostblüten um 13 Uhr, das konnte ich bestätigend in den letzten Jahren beobachten.
Wie eingangs erwähnt, habe ich just heute Mittag, gemeinsam mit Schafgarbe (links) ein paar Büschel Dost zum Trocknen aufgehängt. Am besten macht man das an einem trockenen, schattigen und luftigen Ort, wie hier auf unserem gedeckten Sitzplatz an der Wäscheleine.
Jetzt ist die beste Erntezeit, von Juni bis August, und wie immer sollten die Kräuter beim pflücken komplett trocken und nicht mehr feucht von morgendlichem Tau sein. Auch sollten sie gut auf Frasstellen abgesucht werden, das kann auf das Vorkommen von Insekten deuten. Solche angefressenen Pflanzenteile – auch braune – sollten entfernt werden.


Als Teezubereitung wird empfohlen, mehrere Tassen täglich zu trinken. Auf 1 gehäuften Esslöffel kommen 250ml Wasser.
Aufgrund seiner schleimlösenden, auswurffördernden Wirkung wird Dost bei «Husten, chronischen Bronchitiden angewendet» zudem könne bei Halsentzündungen der Mund mit einer Abkochung gespült werden. Dazu werde häufig Dost mit gleichen Teilen von Salbei und Kamille gemischt. Und: «Aufgrund des Gerbstoffanteils wirkt die Droge auch gegen Diarrhöen». Im Allgemeinen wirke Dost ähnlich wie Thymian.
In der Volksheilkunde werden ebenfalls Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts sowie im Bereich der Harnwege als klassische Einsatzgebiete genannt.
All diese Angaben zur heilpflanzlichen Anwendung von Dost entnahm ich dem Buch «Heilpflanzen Praxis Heute» von Siegfried Bäumler.
Bereits in den Kräuterbüchern des Mittelalters wurde viel über das Dostenkraut geschrieben. Schon damals galt es als Heilmittel für verschiedene Gebrechen und Erkrankungen. So fasst ein alter Volksspruch diese umfassende Wirkung von Dost wie folgt zusammen:
«Nimm Doste onn Johannsblut (Johanniskraut), Däi sai für alle Kranket gout.«
Und wie viele andere aromatischen Pflanzen, wurde auch der Dost seit jeher als Abwehrkraut gegen allerlei Übel verwendet. So soll es gemeinsam mit Johanniskraut und «weisse Heide» (Sumpfporst/Ledum palustre) böse Geister und den Teufel vertreiben:
«Dost, Hartheu (Johanniskraut) und weisse Heidt, thun dem Teuffel vil Leidt«.


Nun noch ein Wort zur Namensherkunft: Es ist der buschartige Wuchs, der zum Namen «Dost = Strauss, Bündel» geführt haben soll. Wobei die Gattungsbezeichnung (Origanum) von den griechischen Wörtern «Oros=Berg und «Ganos=Zierde kommen soll. Das weist die Staude als «eine schmückende, das Auge erfreuende Pflanze der Berge aus.» Wie wahr!
Und ich liebe ihren aromatisch würzigen Duft! Kürzlich stand an einem heissen, trockenen Tag ein Gartenbesucher in der Wiese auf einer Dostpflanze und fragte «du, was riecht jetzt hier so stark»? Durch das drauf herumtrampeln, wurden ätherische Öle frei und die Pflanze verströmte einen noch intensiveren Duft.
Manchmal, das kann ich immer wieder beobachten, variiert die Farbe der purpurroten bis rosaroten Lippenblüten bis hin zu weiss (Bild).
Wie bereits kürzlich erwähnt, findet neben dem Echten Johanniskraut (Hypericum perforatum) auch der Dost, als eine weitere abwehrende, schützende Pflanze, einen Platz im Kräuterbüschel, das in katholischen Gebieten am 15. August zu Maria Himmelfahrt in den Kirchen geweiht wird.
Mit Dost wird auch geräuchert und zwar im Bereich Energetischer Reinigung und Schutz, wie auch zur Stimmungsaufhellung.
Zum Schluss:
Wer gerne mal meinen Garten besuchen und dabei auch einiges über Wild- und Heilpflanzen erfahren möchte, kann dies gerne gegen Voranmeldung machen. Die Kontaktdaten und weitere Angebote findet ihr unter der Rubrik «Meine Angebote» rein: https://natur-tagebuch.ch/angebote/




Für den heutigen Beitrag benutzte ich folgende Quellen: Heilpflanzen Praxis Heute von Siegried Bäumler, Future Planter, SRF, Wikipedia