Die Taubenschwänzchen sind zurück

Gestern entdeckte ich das erste Taubenschwänzchen (Macroglossum stellatarum) und zwar auf den Karthäusernelken. Dieses Video entstand letztes Jahr, Ende September, bevor die Schwärmer die alljährliche, lange Reise über die Alpen angetreten haben. Die Heimat des Taubenschwänzchens, dessen Flugverhalten uns so sehr an Kolibris erinnert, liegt nämlich im Mittelmeerraum.

Es gibt einige Gartenpflanzen, die können für den hier vorgestellten Schmetterling zu Todesfallen werden.

Wie für Schwärmer typisch, verfügen auch die Taubenschwänzchen über einen langen Saugrüssel. Der kann gut 3 Zentimeter lang werden und wird ausgerollt, wenn sie im Schwirrflug vor einer ausgewählten Blüte stehen. Die Saugrüssel dienen als «Tankstutzen» für den Nektar, den sie den tiefen Blütenkelchen von Roten Spornblumen (Bild), Natternkopf, Licht-, Bart- und Karthäusernelken, Phlox, Petunien oder Geranien entnehmen. Schon in meiner Jugend beobachtete ich fasziniert die vielen Taubenschwänzchen, wenn sie abends die Blüten der Geranien am Balkon besuchten.

Die Distanz, die sie durch das Stehenbleiben vor den Blüten einhalten, bewahrt die Taubenschwänzchen vor räuberischen Insekten wie beispielsweise der Veränderlichen Krabbenspinne. Ein zu langes Stehenbleiben in der Luft, würde ihre Flügelmuskulatur jedoch auskühlen und so schwirren sie im Eiltempo von Blüte von Blüte. Der NABU schreibt, dass ein einzelnes Taubenschwänzchen in nur 5 Minuten mehr als 100 Blüten aufzusuchen vermag! Trotzdem habe ich es mit etwas Geduld geschafft, diese Aufnahmen für euch mit dem Handy zu machen.

Beheimatet sind die Taubenschwänzchen (hier auf Petunien) im Mittelmeerraum. Von dort starten sie jeden Frühling den beschwerlichen Flug von Süden her über die Alpen in unsere nördlichen Regionen. Es fällt mir immer schwer vorzustellen, wie diese zarten Wesen bis zu 2000 Kilometer Distanz überwinden können. Möglich machen dies ihre hervorragenden Flugeigenschaften, wie sie auch andere Wanderinsekten besitzen: Der Admiral (Vanessa atalanta), die Mistbiene (Eristalis tenax) oder Hainschwebfliege (Episyrphus balteatus).

Frühestens im April – dieses Jahr erfolgte ihre Rückkehr deutlich später – kehren die ersten Mittelmeer-Taubenschwänzchen zu uns zurück. Nachdem sie hier Eier gelegt haben, schlüpft der Nachwuchs bis ungefähr Ende Juli. In dieser Zeitspanne gibt es gleich zwei Generationen: Eine, die im Mittelmeerraum und eine, die hier geboren wurde.

Taubenschwänzchen überwintern als erwachsene Tiere, vertragen jedoch keinen Frost, weshalb sie uns spätestens bis Ende November wieder Richtung Süden verlassen. Insbesondere für Wanderfalter sind dann Spätblüher im Garten als letzte Nektartankstelle wichtig.

Noch ein paar Worte zur Namensherkunft: Den Namen verdankt das Taubenschwänzchen seinem schwarz-weiss gezeichneten Hinterleib, den ihr auf diesem Bild gut erkennen könnt. Es handelt sich bei den «Büschelchen» um verlängerte Schuppen die ein wenig an einen Federschwanz erinnern. Verwechseln könnte man das Taubenschwänzchen höchstens noch mit dem Hummelschwärmer, doch der hat im Gegensatz zum Taubenschwänzchen durchsichtige Flügel.

Nun aber zu den Problemen, die gewisse Pflanzen dem Taubenschwänzchen bereiten können. Manchmal enden sie sogar tödlich.

Auf meinen Bildern seht ihr die Taubenschwänzchen entweder an Roten Spornblumen oder auf meinen Balkon-Petunien. Auf dem Video seht ihr es zudem auf einer Drehfrucht (Streptocarpus saxorum). Sie alle können dem Taubenschwänzchen nicht gefährlich werden, wohl aber beispielsweise die allseits beliebte Dipladenia (Mandevilla). In deren Blütenkelchen befinden sich Borsten und in diesen können sich die Saugrüssel der Taubenschwänzchen verhaken. Als weitere «Blütenfallen» werden zwei amerikanische Nachtkerzenarten, die Oenothera speciosa siskiyou (Rosa Nachtkerze) und die  Oenothera berlandieri genannt.* Hier finden Interessierte weitere Informationen: https://natur-im-siedlungsraum.ch/2023/04/24/taubenschwaenzchen-falle/

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