
Spätestens ab etwa Mitte August packen die Feldgrillen (Gryllus campestris) ihre Musikinstrumente ein und verstummen. Ab dann sind andere Musikanten an der Reihe: zum Beispiel das kürzlich hier vorgestellte Grosse Grüne Heupferd, oder eine andere Laubheuschreckenart, die hier abgebildete Gewöhnliche Strauchschrecke (Pholidoptera griseoaptera). Ihr widme ich heute einen Beitrag, denn sie kommt bei uns recht häufig vor.
Strauchschrecken verirren sich in den Sommermonaten oft auf Gartensitzplätze und Balkone, dort sind denn auch fast alle gezeigten Bilder entstanden. Sie sind von der Farbe her eher unauffällig und daher leicht zu übersehen: braun, gräulich oder rötlich-braun.
Zu einer Körperlänge von bis zu 2 Zentimetern, kommt bei den Weibchen noch zusätzlich eine fast 1 Zentimeter lange, sensenartig nach oben gebogene Legeröhre hinzu. Die ist auf diesem Bild recht gut sichtbar.


Bei diesem Männchen lassen sich am Hinterleib die sogenannten Cerci erkennen, das sind zwei mit einem spitzen «Zahn» versehene Anhänge.
Weder männliche noch weibliche Strauchschrecken sind flugfähig, ganz im Gegensatz also zum kürzlich hier gezeigten Grossen Grünen Heupferd, das sogar sehr gut fliegen kann. Hingegen können die Strauchschrecken-Männchen wunderschön zirpen, dies dank Schrillader und – Leisten. Ihr Gesang ist bis weit in die Nacht hinein hörbar und sogar bis auf 10 Meter Distanz. Selbst nach Frostnächten erfreuen sie uns mitunter noch mit ihren Konzerten.
Anhand dieses hübschen männlichen Exemplars seht ihr, weshalb die Strauchschrecken der Unterordnung Langfühlerschrecken (Ensifera) zugeteilt werden.
Am Morgen sonnen sie sich gerne und halten sich tagsüber im Gras oder zwischen krautigen Pflanzen auf, aber manchmal seien sie auch auf Bäumen anzutreffen. Ist es eher kühl und feucht, halten sie sich auf der sonnigen Seite ihres Lebensraumes auf, bei trockener, heisser Witterung dann doch eher auf der Schattenseite.


Während sich die Larven der Strauchschrecken ausschliesslich von pflanzlicher Kost ernähren, leben die erwachsenen Tiere hauptsächlich räuberisch von allerlei Kleininsekten wie Blattläusen oder Raupen. Aber auch sie fressen bei Gelegenheit Brennnesseln, Labkräuter oder Löwenzahn.
Die Weibchen legen ihre Eier mithilfe der Legeröhre in Totholz, absterbende Äste, aber auch in die Erde ab. Sie wissen sehr wohl, dass die Eier für die Entwicklung eine gewisse Feuchtigkeit benötigen und legen sie daher oft im schattigen Wald ab.
Für die Entwicklung brauchen die Larven insgesamt stolze zwei Jahre und durchlaufen dabei insgesamt sieben Larvenstadien. Erst nach einer zweiten Überwinterung, schlüpfen sie schliesslich ungefähr zwischen April und Juni des dritten Jahres. Erste erwachsene Tiere können ab Juni, bis spät im November angetroffen werden. Noch bleibt uns also viel Zeit, einem dieser hübschen Hüpfer zu begegnen und sich seiner wunderschönen Gesänge zu erfreuen.
Zum Schluss noch zum Vergleich das Bild einer Feldgrille (Gryllus campestris).
