Die Sage von der Wettertanne

In Zukunft werde ich in loser Folge unter dem Titel «Sagenhaftes am Sonntag» Einblick in die Welt der Sagen geben. Dies auf vielfach geäusserten Wunsch und weil ich der Meinung bin, dass diese Ergänzung gut zu meinem Naturtagebuch passt.

Und so erzähle ich euch heute die Sage von der «Wettertanne». Wie alle meine Texte im Naturtagebuch, ist sie von mir persönlich, einem Menschen aus Fleisch und Blut, mit Herz und Seele, aufgeschrieben, ohne KI, ohne ChatGPT.

Die Wettertanne

Es war auf der Weesener Alp Oberbütz, als vor vielen Jahren in einer Tanne ein Geist hauste. Jedesmal, wenn übles Wetter eintreten wollte, liess derselbe ein lautes Poltern, Jauchzen und Rumoren vernehmen. Das war ganz praktisch, so wussten die Leut‘ stets, wenn sie sich besser beeilen sollten, um das Wildheu einzubringen. Oder aber um das Weidevieh in Sicherheit zu bringen.

Nun kam es aber, dass just diese Tanne für den Bau einer Hütte umgehauen und zu Balken verwendet wurde. Wer jetzt von euch aber meint, damit sei es mit dem übermütigen Treiben des Geists im Holze zu Ende gewesen, der täuscht sich. Genauso wie die Menschen, die den Baum umgehauen hatten, denn auch sie dachten nämlich, nach dem Fällen sei damit Schluss.

Doch Nein, weit gefehlt, der Geist blieb weiterhin im Tannenbalken wohnen und lärmte weiterhin wie wild, wenn es ihm grad richtig schien. Manchmal herrschte in der neuerbauten Alphütte so ein schreckliches Donnern und Krachen, dass die Bewohner sich irgendwann gezwungen sahen, jenes Holzstück herauszunehmen und es durch eines, von einer anderen Tanne zu ersetzen.

Aber noch heute, so berichten die Alphirten, treibt der unruhige Geist auf der Alp Oberbütz sein Unwesen «und belästigt die Älpler nach alter Gewohnheit beim Hereinbrechen von schlechtem Wetter in ihrer Hütte.» Hin und wieder gerate er auch hinter die Schweine, mache sie wild und jage sie zum Stalle hinaus. Besonders gerne aber rüttelt er auch «an den Viehglocken und lässt sie laut erklingen.»

Es bleibt den Sennen aber nichts anderes übrig, als sich bei all diesem Unfug einfach ruhig zu verhalten, denn: «Will einer dem Unhold etwas zuwider tun oder auch nur nach ihm sehen, so kann er sicher sein, am nächsten Morgen mit einem schlimm geschwollenen Kopf zu erwachen».

Diese Sage habe ich nacherzählt, sie stammt aus dem wunderbaren «Hausbuch der Schweizer Sagen» von Sergius Golowin.

Nun wünsche ich euch allen von ganzem Herzen einen sagenhaft schönen Sonntag,

Gaby Kistler

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