Die Mistel – geheimnisvolles Gewächs zwischen Himmel und Erde

Nicht auf allen Bäumen ist die Mistel (Viscum) gerne gesehen, in der Medizin jedoch wird sie noch heute hoch geschätzt.

Die Mistelkugeln, die in England «Kuss-Kugeln» genannt werden, können bis zu 50 und mehr Jahren alt werden und sind stets entweder weiblich, oder männlich.

Jetzt, in der blätterfreien Zeit des Winters, sind die Misteln insbesondere auf Laubbäumen gut zu entdecken. Misteln, die auf Laubbäumen wie beispielsweise Birken, Walnuss, Apfelbäumen, Linde, Ahorn, Weide oder Pappeln wachsen, bezeichnet man als Laubholz-Misteln.

Dann gibt es noch die Tannen-Mistel (auf Weisstanne/Abies alba) und die Föhren-Mistel (auf Waldföhre/Pinus sylvestris und Fichte/Picea abies).

«Die Mistel – Mitesser auf Bäumen», so titeln Andreas Jaun/Sabine Joss in ihrem Buch «Im Wald».

«Mittesser» deshalb, weil die Mistel eine Halbschmarotzerin ist. Sie kann sich zwar dadurch, dass sie mit ihren grünen Blättern Kohlenhydrate produzieren kann, teilweise selber mit notwendigen Energien versorgen. Trotzdem benötigt sie zusätzlich weitere, lebensnotwendige Nährstoffe und Wasser, welches sie über ihre Senkwurzeln den jeweiligen Wirtspflanzen entzieht.

Normalerweise sterben Bäume deswegen nicht ab, denn es ist auch nicht im Interesse der Misteln, dass sie ihre eigene Nahrungsgrundlage zerstört.

Bei einem übermässigen Befall können jedoch insbesondere Apfelbäume Schaden nehmen und sogar absterben, weshalb die Mistel im Obstanbau nicht gerne gesehen ist.

Willkommener und sehr geschätzt, ist die Mistel hingegen in der Medizin und das bereits seit dem Altertum. Auch heutzutage ist die Misteltherapie in der Medizin verbreitet.

Abgesehen von ihrer Verwendung als Heilpflanze, galt die Mistel in der antiken, wie auch der germanischen Mythologie als wichtiges Symbol und Zauberpflanze. Es ranken sich viele Legenden und Mythen über dieses geheimnisvolle Gewächs zwischen Himmel und Erde.

Das schleimig-klebrige Fruchtfleisch der Mistelbeeren wird von Vögeln – insbesondere den Misteldrosseln – sehr geschätzt und die sorgen dann gleich auch für die Vermehrung der Mistel: Einerseits geschieht dies über mit Kot abgesetzte Samen, aber auch über den Schnabel. Um ihn nach dem Verzehr der Beeren von dem klebrigen Schleim zu befreien, «wetzen» sie diesen an Ästen tüchtig ab. Die mitabgestreiften Mistelsamen keimen und treiben schliesslich ihre Würzelchen ins Holz, so weit hinein, bis sie die Leitbahnen ihres Wirtsbaumes anzapfen können.

Übrigens: Falls ihr am Waldboden auf gelbgrün schleimige Gebilde stösst, handelt es sich dabei um hochgewürgte Mistelbeeren. Es heisst, dass beispielsweise hungrige junge und unerfahrene Raben gerne mal zuviel davon fressen. In der Folge bildet der Kropf eine Art Abwehrschleim und die ganze Chose werde schliesslich durch einen Reflex herausgewürgt. Erbrochene Mistelbeeren können aber auch von anderen «Abnehmern» stammen, beispielsweise von Dachsen, Füchsen oder Mardern, welche heruntergefallene Beeren fressen.

Ach ja, und das mit dem Küssen unter dem Mistelzweig, dieser Brauch stammt aus England, wo er bereits seit dem 18. Jahrhundert bekannt ist. «Kuss-Kugeln» werden dort die Mistelzweige genannt und wo immer man eine sieht, soll man sich darunter küssen. Na ja, küssen kann man sich eh nie genug, ob jetzt unter einem Mistelzweig oder nicht.

In diesem Sinne wünsche ich euch allen von ganzem Herzen eine wunderschönen 3. Adventssonntag,

Gaby Kistler

  1. Dein Artikel auf Natur-Tagebuch ist wie eine poetische Reise in die Welt dieser faszinierenden Pflanze. Die Beschreibung der Mistel als Bindeglied zwischen Himmel und Erde verleiht diesem unscheinbaren Gewächs eine zauberhafte Aura. Danke für die Einblicke in die geheimnisvolle Natur!
    Sandra Topf

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