
Habt ihr euch schon mal gefragt, um welche Pflanze es sich handelt, die sich mit solchen Früchten schmückt? Man sieht sie da und dort in Gärten.
Bei diesem 5-6 Meter hoch wachsenden Bäumchen handelt es sich um die Mispel (Mespilus germanica), ein etwas in Vergessenheit geratener Obstbaum. Schreibe ich einen Beitrag über diese Kernobstart, erhalte ich vor allem aus den umliegenden Ländern sowie aus dem südosteuropäischen Raum, jeweils sehr viele Rückmeldungen. Dort werden die Früchte des Rosengewächses noch immer sehr geschätzt und während der Saison, von Spätherbst bis Winter, auch auf den Märkten angeboten.
Bei uns in Mitteleuropa ist die Mispel lediglich noch ein Überbleibsel aus längst vergangenen Jahrhunderten. Insbesondere in Süddeutschland und in Frankreich, war sie im Mittelalter ein beliebter Obstbaum und als solcher vielfach kultiviert. Aber auch heute noch werden ihre Früchte vor allem in umliegenden Ländern wie Österreich (Asperl) und Teilen Deutschlands sowie im südosteuropäischen Raum sehr geschätzt.
Die Mispel kann sowohl als kleiner Baum mit Stamm, wie auch als Großstrauch gezogen werden. So einer steht in meiner Nachbarschaft und ich statte ihm immer mal wieder ein Besuch ab, zum Beispiel während der Blüte im Mai, anfangs Juni oder aber im Herbst, wenn die Früchte heranreifen.


Die Mispel – eine Kernobstart wie Birne, Apfel und Quitte – ist ein sehr dekoratives Bäumchen, mit seinen grossen Blättern und den auffälligen Früchten, gekrönt mit einem Kranz aus verlängerten Kelchblättern. In einem Buch steht, dass sie «allerdings nicht sehr schmackhaft» seien und roh überhaupt erst in überreifem Zustand essbar». Nun roh isst man sie sowieso eher nicht, aber ansonsten, tja da habe ich viele Rückmeldungen auf frühere Beiträge erhalten, die was ganz anderes sagen. Sie stammen aus verschiedenen Ländern, in denen die Mistelfrüchte noch heute Verwendung für vielerlei Köstlichkeiten finden und hoch geschätzt werden. Vielleicht muss man halt einfach ein paar Tricks zur richtigen Lagerung und Reife des Obsts kennen.
So wurde mir von einem kompetenten Herrn aus Österreich empfohlen, die Mispeln VOR dem Frost zu ernten, denn dieser zerstöre die Zellwände und die Frucht werde lediglich notreif, indem dieser ihre Zellwände zerstöre. «Notreif» bedeutet, dass das Obst zwar vorzeitig reif wird, jedoch bevor es die normale Reife erlangt hat. Daher empfahl er das Obst folglich eben noch VOR dem Frost zu ernten und es in einem kühlen Raum, auf Stroh gebettet, nachreifen zu lassen. Andere schrieben mir, sie lagern die Mispeln zur Nachreife in einer Kiste mit Weizenkörnern.


Der Geschmack des reifen braunen, leicht teigigen Fruchtfleischs, wird mir beschrieben als eine «Mischung zwischen Datteln und Feigen, mit einer leichten Apfelnote». Mit dem Obst wird noch heute in vielen Ländern Saft, Marmelade, Gelees, Liköre und Ansatzschnäpse hergestellt, ja sogar Wein gekeltert. Auch werden die getrockneten und zerkleinerten Früchte als Tee getrunken, der sich positiv auf die Nieren auswirke. Jemand erwähnte, dass man sie nicht mit den Kernen essen sollte, da diese stopfend wirken.
Generell aber werden der Mispel heilende und gesundheitsfördernde Wirkungen nachgesagt. Vor allem was den Verdauungstrakt betrifft.
Als Dekoration werden die Früchte während der Winterszeit auch gerne in Schüsseln ausgelegt, oft gemeinsam mit den gelben Quitten. Ein stimmiges Duo.
Die erwähnten Rückmeldungen auf meine Mispelbeiträge erhielt ich die letzten Jahre aus folgenden Ländern, wo die Mispel natürlich auch anders benannt wird: Frankreich (Nèfles), Serbien (Musmula), Österreich (Asperl), Kroatien (Mushmolla/Mushmula), Rumänien (Mosmon), der Türkei (Töngel) und sogar aus Aserbeidschan (Ezgil). In vielen dieser Länder werden die Mispeln während ihrer Saison noch heute auf Märkten angeboten.
Weitere deutsche Bezeichnungen sind Mispelche, Aschperln, Hespelein Hundsärsch und in der Innerschweiz Näschpl.


Übrigens: Carl v. Linné verpasste der Mispel einen falschen botanischen Namen («germanica«), weil er den Baum das erste Mal in Deutschland kennenlernte. Doch wo sein ursprüngliches Verbreitungsgebiet nun wirklich liegt, das weiss man bis heute nicht genau, da die Mispel bereits sehr früh kultiviert worden ist.
Achtung: Die Mispel soll nicht mit der auch als Nisperos bekannten Japanischen Wollmispel (Eriobotrya japonica) verwechselt werden!
Wäre mein Garten noch grösser, ich würde mir die Mispel in den Garten holen. Da würden sich auch die Amseln drüber freuen, denn die schätzen die reifen, ledrigen Früchte besonders.
Nun wünsche ich euch allen von Herzen ein wunderschöne Spätsommer (oder Frühherbst – wie auch immer) Wochenende, Gaby Kistler
Benutzte Quellen: Erfahrungswissen aus den genannten Ländern (u.a. Christopherus Kurt Ableidinger), Landwirtschaftskammer Oberösterreich
Danke Gaby für diesen Beitrag!
Seit 14 Jahren ziert ein Mispelbaum unseren Garten. Ich liebe auch die wunderschöne gelbe Färbung der Blätter im Herbst. Der Baum geht bei uns stark in die Breite mit ausladenden Ästen.
Sobald die Amseln die Früchte „räubern“, ist für mich Erntezeit. Sie fallen dann nach und nach reif auf den Boden;-). Herzliche Grüsse aus Meierskappel