Die Hainbuche, schlägt sich ganz gut punkto Trockenheit

Ihre Blätter sind gezähnt, schon mal ein grosser Unterschied zur Buche (Fagus sylvatica), mit welcher die Hainbuche nicht einmal verwandt ist, wohl aber mit den Birken und Haselsträuchern.

Die Hainbuche liefert wertvolles Holz, hart wie Eisen («Eisenbaum») und kommt mit Trockenheit besser zurecht, als so mancher andere heimische Laubbaum. Trotzdem, als Baum der Zukunft wird sie (noch) nicht gehandelt.

Letzte Woche hielt ich mich auf einem Uferweg entlang eines Sees auf und sah endlich mal wieder ein paar Hainbuchen (Carpinus betulus), die in den Wäldern meiner Gemeinde leider nur selten vorkommen. Das könnte sich ändern, aber darauf komme ich am Schluss zurück.

Auch wenn man es anhand des Namens vermuten könnte, die Hainbuche gehört zu den Birkengewächsen (Betulaceae) und hat nichts mit der Familie der Buchen zu tun, denen die (Rot-)Buche (Fagus sylvatica) zugehörig ist. Viel eher noch ist sie mit der Hasel verwandt, denn sie zählt zur Unterfamilie der Haselnussgewächse (Coryloideae).

Auffällig an den Hainbuchen ist der Stamm: «Das wichtigste Merkmal des Stammes einer Hainbuche ist sein spannrückiger, unregelmäßiger und gedrehter Querschnitt mit muskelstrangartigen Längswülsten, wodurch er oft flach gerillt oder gewellt wirkt.» Diese Eigenheit lässt sich gut auf diesem Bild erkennen.

Ein weiteres gutes Unterscheidungsmerkmal zwischen Hainbuche und Buche weisen wie eingangs erwähnt, die Blätter auf: Sie sind am Rande gesägt, die Blätter der Buche hingegen glatt.

Weitere Bezeichnungen für den wenig bekannten, einheimischen, bis zu 25 Meter hochwachsenden, sommergrünen Baum sind: Hornbaum, Weissbuche und Hagebuche. Von Hagebuche leitet sich das Adjektiv «hanebüchen» ab, welches ursprünglich für grob (hartes, zähes Holz) und derb steht. Heute wird hanebüchen im übertragenen Sinne für abwegig, skandalös, grotesk, haarsträubend oder empörend verwendet.

Die ebenfalls für die Hainbuche gebräuchliche Bezeichnung Weissbuche ist auf die helle Holzfarbe zurückzuführen. Zudem ist das Hainbuchenholz extrem hart, nicht umsonst galt sie schliesslich zu einer Zeit, in der Eisen knapp und kostbar war, als «Eisenbaum». So schreibt Susanne Fischer in ihrem wunderbaren Buch «Blätter von ‚Bäumen»: «Denn hart wie dieses Metall ist ihr Holz, kernlos und schwer. 800 Kilogramm wiegt ein Kubikmeter Hainbuchenholz.» Als Vergleich nehme man die leichte Pappel, welche lediglich die Hälfte davon auf die Waage bringt, nämlich 400 Kilogramm.

So erstaunt es nicht, dass unsere Vorfahren aus dem harten Holz der Hainbuche Gegenstände hergestellt hatten, die viel aushalten mussten: Mühlräder, Zahnräder, Holzschrauben, Milchkübel, Werkzeugschäfte, Radspeichen usw. Dieselbe Autorin (S Fischer) schreibt im Weiteren, dass auch grobklotzige, derbe Menschen zuweilen als «hanebüchen» bezeichnet worden seien. Das Adjektiv leite sich ab vom mittelhochdeutschen «hagebüechin«, d.h. aus Hagebuchenholz bestehend.

Nun noch etwas Wichtiges was die heutige Zeit betrifft: «Die Hainbuche (Carpinus betulus) gilt als sehr klimafit. Sie kommt mit warmen Sommern, steigenden Temperaturen und zeitweiser Trockenheit gut zurecht. Daher gilt sie im Waldbau als wichtiger Zukunftsbaum und als robuste Alternative zu empfindlicheren Baumarten.» Tatsächlich hält die Hainbuche dank ihres tiefen Wurzelwerks längere Phasen von Hitze und Wassermangel einiges besser aus als viele andere heimische Laubbäume.

Ich habe diesen Beitrag zuerst auf Facebook hochgeladen, wo er viele Reaktionen hervorgerufen hat. Erfreulich und lehrreich sind für mich dabei stets konstruktive Dialoge mit Menschen, die Erfahrungen, vielleicht sogar über einen längeren Zeitraum, mit dem Inhalt eines Beitrags gemacht haben, in diesem Fall mit der Hainbuche. Und da hat sich eine Frau gemeldet, die in ihrer Stadt für die Bäume zuständig ist und schrieb: «Meine Erfahrungen aus der Schweiz: Hier haben sie extreme Probleme mit der Lufttemperatur. Direkt am Rhein sind sie am absterben. In der Stadt wo ich arbeite und für die Bäume zuständig bin, das gleiche. Die Wurzeln im Wasser und sie sterben trotzdem

Aber ein Herr aus Deutschland schrieb: «Hainbuchen, sind wie einige heimische thermophile Baumarten, resistenter auf Hitze und Trockenheit.», so wie es weitere Erfahrungsberichte gab, welche die gute Verträglichkeit mit Trockenheit durchaus bestätigten. Mit Sicherheit aber ist der Standort sehr entscheidend, ob ein Baum Trockenheit verträgt. (Wie ist der Untergrund, steht er schattig oder sonnig, etc.)

Interessanterweise wurde die Hainbuche letzte Woche in einer Informationssendung, die ich mir zum Thema Wald-Trockenheit angehört hatte, nicht aufgezählt, als es um Baumarten ging, die als Zukunftsbäume gehandelt werden, weil sie gut mit Trockenheit umgehen können: Im Vordergrund stehen bei einigen Fachleuten zur Zeit die Trauben- und Stieleiche, die Weisstanne, Vogelkirsche und Elsbeere. Leider, so hiess es, werde jedoch die (Rot-)Buche zunehmend verschwinden, weil sie erneut grosse Probleme im Umgang mit längerer Trockenheit zeigt.

Wir werden nach dem Überstehen der momentanen, extremen Trockenheit sehen, welche Bäume damit einigermassen zurechtkommen und welche nicht (z.B Birken, Buchen, Fichten). Wichtig ist, dass gewisse Kreise bei der Auswahl klimafitter «Zukunftsbäume» ihre Ideologie («um jeden Preis keinesfalls Neophyten») über den eigenen Schatten springen können. Möge doch der gesunde Menschenverstand Lösungen hervorbringen, wenn es um den Waldumbau geht.

Zurück zur heute vorgestellten Hainbuche: Sie gilt auch als schattentolerant und verfügt über eine grosse Regenerationskraft. So erholt sie sich nach Schäden und Rückschnitten schnell, was sie zu einer beliebten Heckenpflanze macht. Dieses Bild zeigt eine Hainbuchenhecke im März, wo die «alten» Blätter vom Vorjahr noch immer an den Zweigen hängen. Erst wenn die neuen Blätter «nachstossen», werden sie abfallen und so lange ist eine Hainbuche auch blickdicht.

Wenn ich über die Hagebuche schreibe, kommt mir stets ein altes Kinderlied in den Sinn, vielleicht kennen es die einen oder anderen Schweizerinnen und Schweizer noch:

» Wänn eine tannige Hose hätt und hagebuechig Strümpf, so chann er tanze wie er will, es git ihm keini…..rirarira-ridiridirdiridi- Rümpf, Rümpf, Rümpf

Es folgt nun noch eine Auswahl von Kommentaren, die auf Facebook zu diesem Hainbuchen-Beitrag, geschrieben wurden (viele davon aus Deutschland):

C.K., verantwortlich für die Bäume in einer grossen Schweizer Stadt zum Thema klimafitte, städtische Bäume: «Die Traubeneichen schlagen sich bei uns im Stadtgebiet bis jetzt sehr gut. Passen auch zu unserem kalkhaltigen Grundgestein. Zerreichen funktionieren gut bis jetzt. Haben aber einen eigensinnig Wuchs je nach Exemplar. Ginkgo als nicht einheimischer schlägt sich auch sehr gut, hat aber wenig Schattenleistung. Feldahorn ist auch ohne Probleme.«

H.S.: «Wir haben eine Hainbuchenhecke und einen Baum im Garten und beides ist gut Grün und man merkt ihnen die Wärme und Trockenheit nicht an

Ruth .K.: «Meine Hainbuchenhecke ist das Zuhause einer Spatzenbande und ab und zu hat es noch andere Mitbewohner. Ausserdem ist sie einguter Sichtschutz und sehr robust.»

Elisabeth R.: «Unsere Nachbarn haben eine. Unfassbar viel Samen fällt auf unser Grundstück…»

Matthias U..: «Ja schöne Baumart , klug gepflanzt ,kann Sie Bodenerosion durch Wind abmildern und Schatten werfen was den Wasserbedarf daneben reduziert , über den Rückschnitt freuen sich die Ziegen und anschließend die Benjeshecke und auch der Ofen. «

Margit .P.: «Entlang der Südseite haben wir eine Hainbuchenallee. Vor Jahren darüber war ich unglücklich. Jetzt sehe anhand des Klimawandels die großen Vorteile. Sie treibt im Frühjahr spät aus, daher haben wir ggü früher mehr Licht als damals noch Nadelbäume standen. Diese waren zwar weiter vom Zaun entfernt gepflanzt, aber es gab rund ums Jahr Schatten.»

Ernst H.: «Die Widerstandsfähigkeit kann ich bestätigen: Wir haben 1949 und dann 1975 kahl geschlägert. Da blieben jeweils 2 Hainbuchen stehen. Beide wurden beim Schlägern im Astwerk mitgenommen, haben das überwunden und sich weiter entwickelt. Heute sind sie wieder im schattigen Wald, von höheren überwuchert, und trotzdem vital

Folgende Quellen benutzte ich für das Zusammentragen der Informationen über die Hainbuche:

Susanne Fischer «Blätter von Bäumen», Waldbesitzer-Portal und Wikipedia

Nun wünsche ich euch allen von Herzen einen guten Start in die neue Woche,

Gaby Kistler

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