Die Feldgrillen sind da – aber noch ohne Instrumente

Diese Woche entdeckt: Eine Feldgrille (Gryllus campestris) vor dem Eingang zu ihrer Höhle. Es handelt sich hier um eine Larve, deren Flügel noch nicht fertig entwickelt sind. Die aber benötigt sie zum Zirpen. Doch es geht nicht mehr lange, und wir dürfen bis im August in lauen Nächten wieder ihren abendlichen Konzerten lauschen.

Wer genau hinschaut und sich mit Feldgrillen auskennt, stellt schnell fest: Hier fehlen noch die Flügel.

Die Feldgrillen haben sich zwar schon im Herbst, bevor sie sich zum Überwintern eingegraben haben, bereits ein paar Mal gehäutet. Aber erst im Folgejahr, also jetzt im Frühjahr, wenn der Boden wieder wärmer wird, häuten sich die Larven zum zehnten oder elften Mal und werden geschlechtsreif. Dann erst sind auch ihre «Instrumente», die Flügel, die sie zum Musizieren benötigen, fertig entwickelt. Wobei: Es zirpen nur die Männchen.

Und die Männchen sind es auch, die sich dann mit Rivalen auf dem stets sauber gewischten «Vorplatz» vor der Höhle die langen Antennen um die Köpfe hauen und duellieren. Dieser Platz dient ihnen zudem als Konzertbühne, wenn sie die Damenwelt mit ihrem Zirpen wortwörtlich «bezirzen».

Wie freue ich mich doch schon jetzt auf die abendlichen Grillenkonzerte, die mich bis weit in den August in den Schlaf begleiten werden.

So sieht eine «fertige» Feldgrille aus, eine Imago, mit Flügeln. Typisch für die tiefschwarz glänzende Feldgrille ist der grosse, runde Kopf, der grösser ist als der Halsschild und Fühler, die sogar länger als der ganze Körper sind.

Die Unterseite der Hinterschenkel ist bei Gryllus campestris intensiv rot gefärbt, ihr könnt dies bei genauem Hinsehen leicht am linken Hinterschenkel erkennen. In der Bildergalerie seht ihr auch ein Bild welches die langen, kräftigen Dornen an den Hinterschienen zeigt. Da habe ich nicht etwa eine Grille getötet und seziert, sondern ich fand eine zur Hälfte verspeiste Feldgrille vor dem Höhleneingang. Die Feldgrillen stellen natürlich insbesondere auch für Vögel wahrlich «fette» Beute dar.

Achtung! Bitte verwechselt die Feldgrille nicht mit der Maulwurfsgrille. Die hier gezeigte Feldgrille richtet keinerlei nennenswerten Schäden an. Ich spreche aus Erfahrung, da wir immer sehr viele Feldgrillen in unseren Rasen- und Wiesenflächen haben. Leider aber wird sie oft mit der Maulwurfsgrille verwechselt und aus Unwissen bekämpft. Dabei sind die Grillenpopulationen sonst schon durch zunehmenden Verlust des Lebensraumes und intensive Landwirtschaft zurückgegangen. In manchen Gebieten seien sie sogar bereits ausgestorben.

Tragen wir ihnen Sorge, diesen wunderbaren Musikanten. Vielleicht entdeckt ihr ja auf eurem nächsten Spaziergang Feldgrillenhöhlen? Man findet sie oft in einem sonnigen, etwas steilen Wiesenbord, wo die Feldgrillen beim Eingang sitzen. Bei der geringsten Bodenerschütterung oder Geräuschen, flitzen sie blitzschnell in die Höhle. Man muss sich also schon sehr leise anpirschen, will man sie beobachten.

Es grüsst euch, an einem gut 3° kalten Samstag mit Schneeregen,

Gaby Kistler

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