
Heute habe ich am Waldrand den ersten reifen Roten Holunder (Sambucus racemosa) gesehen.
Vielen ist die rote Schwester des Schwarzen Holunders (Sambucus nigra) gänzlich unbekannt. Tatsächlich sieht man dieses heimische Gehölz viel weniger häufig. Bei der Verwendung seiner Beeren muss unbedingt auf einiges geachtet werden.
Man sieht ihn heutzutage immer seltener, den Roten Holunder. Ich finde ihn vor allem während der Beerenreife wunderschön, wie die knallroten Beeren in Trauben aufrecht auf den Zweigen sitzen.
Mein Grossmutter schwärmte vom Roten Holunder, seine Beeren seien noch gesünder als die des Schwarzen Holunders. Wie beim Schwarzen Holunder, müssen auch die Beeren des Roten Holunders vor dem Verzehr gekocht werden. Beide Holunderarten enthalten unverträgliches Sambucin, das erst durch das Kochen zerstört wird. Beim Roten Holunder gilt es jedoch noch mehr zu beachten:


ACHTUNG: Die Beeren des Roten Holunders müssen nicht nur gekocht sein, man muss sie zudem noch von den giftigen Kernen befreien. Das ist der Unterschied zum Schwarzen Holunder. Am besten verwendet man einen Dampfentsafter, da bleiben die Kerne sowieso zurück und man gewinnt den reinen Saft um später damit Gelée herstellen zu können. Oder aber man presst die gekochten Beeren nach dem Auskühlen nach meiner «Grossmutter Art» durch ein Tuch, so dass die giftigen Beerenkerne zurückbleiben. Andere wiederum streichen die Beeren durch ein Sieb.
Hier finden Interessierte ein feines Traubenholunder-Apfelmarmelade-Rezept: https://www.gruenes-tirol.at/heimisch-pflanzen/rezepte/roter-holunder-traubenholunder/traubenholunder-apfel-marmelade/


Der Rote Holunder hatte schon anfangs April geblüht, während es an manchem Schwarzen Holunder selbst jetzt, gegen Ende Juni, noch vereinzelt Blüten hat. Das erklärt auch, warum die roten Beeren des Traubenholunders bereits jetzt reif sind. Traubenholunder ist eine weitere Bezeichnung für den Roten Holunder. Die «Traube» deutet auf die unterschiedliche Form der Beerenstände hin, beim Schwarzen Holunder hängen sie in Doldenform, beim Roten Holunder stehen sie in Trauben.
Ferner wird der Rote Holunder auch als Hirsch- und Bergholunder bezeichnet, was mit seinem Vorkommen zusammenhängt: Während der Schwarze Holunder auf der kollin-montanen Stufe zu finden ist (bis 1500 Meter), wächst der Rote Holunder etwas höher, auf der montan-subalpinen Stufe. Aber manchmal lässt er sich bis in die Ebene herab.
Der Rote Holunder wird etwas weniger hoch als der Schwarze Holunder und begnügt sich mit etwa 4 Metern, als Strauch oder Bäumchen. Er ist ein Halbschatt-Lichtholz und gedeiht auch auf Schutt und an Felsen auf feuchten nährstoffreichen, meist kalkhaltigen, bevorzugend steinigen und mittelgründigen Böden.

Quellen: «Einheimische Bäume und Sträucher» von Jean-Denis Godet, Flora Helvetica, «Der Kosmos Waldführer» von Eva-Maria und Wolfgang Dreyer