Der Phänologische Kalender zeigt: Der Frühherbst ist da

Nach dem phänologischen Kalender wurde mit dem Heranreifen von Schwarzem Holunder (Bild), Brombeeren, Hagebutten, Kornelkirschen, aber auch mit den ersten Blüten der Herbstzeitlosen, der Frühherbst eingeläutet.

«Phänologie» kommt vom Griechischen und setzt sich zusammen aus phainestai (erscheinen, sich zeigen, zum Vorschein kommen) und logos (Lehre, Kunde Wort). Das bedeutet demnach in etwa die «Lehre der Erscheinungen». Demzufolge orientiert sich der phänologische Kalender und seine zehn Jahreszeiten an charakteristischen – sich zeigenden – Verhaltensweisen der Tiere und Entwicklungsstadien bestimmter Pflanzen. Allen voran der sogenannten «Zeigerpflanzen».

Noch sind sie nicht reif, die hier abgebildeten Hagebutten, aber das Bild von gestern zeigt: Sie sind am Heranreifen, wie auch der Schwarze Holunder an so manchem Waldrand. Je nach Standort, sind seine Beeren teilweise bereits erntereif. All die vielen heranreifenden Wildfrüchte, sie sind bunte Boten des Frühherbsts.

Aber auch ohne diese sichtbaren Hinweise, habe ich es die letzten Tage gespürt: Der Frühherbst ist definitiv da, der Hochsommer hat sich verabschiedet. Das sehe ich am Licht, das sich verändert hat, es ist nun milder, auch riecht die Luft anders. Diesen «Kipppunkt» erlebe ich oft fast von einem Tag auf dem anderen.

Übrigens: Einige Wildfrüchte sehen zwar bereits reif aus, so wie diese Schlehen, die Früchte des Schwarzdorns (Prunus spinosa), doch bis sie in der Küche verwendet können, dauert es noch eine ganze Weile. Bei den Schlehen sogar bis nach den ersten Frösten.

Ich bin überzeugt, dass ausserordentliche Wetterereignisse, wie dieser extrem trockene Hitzesommer 2026, den Phänologischen Kalender beeinflusst. Die vielen Hitzetage und die Trockenheit dieses Sommers, haben vielerorts die Reifeprozesse beschleunigt, manche Wildfrüchte werden früher reif sein und typische Herbstpflanzen früher blühen als üblich. Das konnte ich im Garten bei der Blüte der Herbstanemonen beobachten.

Nein, dieses Bild hat nichts mit Frühherbst zu tun, denn es stammt sage und schreibe vom 30. Juni (!) in diesem Jahr und zeigt einen Hochstammbirnbaum dessen Blätter sich bereits verfärbt haben. Folge der langanhaltenden Trockenheit, die endlich vor einer Woche ihr Ende fand. Sie liess die Bäume frühzeitig die Nährstoffe und wichtige Elemente wie Phosphor, Eisen und Stickstoff abbauen, um sie in Zweigen, Wurzeln und Stamm zu speichern. Eine sehr kluge Reaktion der Bäume in der Not: Retten, was zu retten ist. Abgezogen wurde auch der Blattfarbstoff Chlorophyll, welcher die Blätter grün färbt. Je mehr sich dieser aus dem Blatt zurückzieht, umso besser werden die roten oder gelben Farbtöne der Carotinoide und Flavonoide sichtbar. Wirklich beunruhigt hatte mich die Tatsache, dass gegen Ende der wochenlangen Hitze und Trockenheit, immer mehr Bäume und Sträucher ihre Blätter sogar grün abgeworfen haben.

Dieses Bild zeigt zum Schluss noch heranreifende Beeren der Eberesche (Vogelbeere / Sorbus aucuparia). Diese Baumart hat im Gegensatz zu anderen, sehr viel mehr unter der Trockenheit gelitten. Viele Ebereschen wiesen schon früh rot verfärbte Blätter auf, oder stehen jetzt fast kahl da.

Nächstens werde ich einen Beitrag darüber schreiben, wie ich in meiner Region die einzelnen Baumarten und ihr Umgang mit der Trockenheit wahrgenommen habe. Da gab es grosse Unterschiede.

Wer sich für die Phänologie interessiert, die sich anhand von Beobachtungen in der Natur orientiert, findet hier meinen Artikel zum Thema von 2023: https://natur-tagebuch.ch/phaenologie-gaertnern-aufgrund-von-beobachtungen-in-der-natur/

Benutzte Quelle: «Phänologisches Handbuch» – Beobachtungen in der Natur – Mit Pflanzen und Tieren durch die zehn Jahreszeiten (Pflanzenfreund)

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