Die Zeit für den Hochzeitsflug der Ameisen ist da.
In den Monaten Juli und August finden bei vielen Ameisenvölkern die Hochzeitsflüge statt.
Auf meinem Video seht ihr ein solches Ereignis bei der Rotgelben Knotenameise (Myrmica rubra). Und vor ein paar Tagen geriet ich auf meinem Abendspaziergang mitten in einen dichten Schwarm von Wegameisen (Lasius) die sich ebenfalls just auf den Hochzeitsflug begeben haben. Obwohl ich mich schnellstens vom Acker respektive Weg machte, war ich innert Kürze von Kopf bis Fuss mit geflügelten Ameisen bedeckt.
Was aber ist der Auslöser dafür, dass sich wie auf ein geheimes Kommando, viele Ameisenvölker auf den Hochzeitsflug begebeben?
Bei den bekanntlich in grossen Staaten lebenden Ameisen ist es allein die Königin die Eier legt. Aus ihnen werden dann je nach Aufgabe zum Beispiel Wächterinnen oder Arbeiterinnen. Diese Nachkommen sind einzig und allein dazu da, dafür zu sorgen, dass der Staat wächst und gedeihen kann. Fortpflanzen darf sich nur die Königin, die auch Eier legt, aus denen es künftige Königinnen und Männchen geben wird. Im ganzen Ameisenstaat sind es nur sie, die die Flügel entwickeln.
Sie sind es nun, die sich bei geeigneter Witterung (warm, schwül und windstill) wie auf ein geheimes Zeichen auf den Hochzeitsflug begeben. Das war an diesem Abend, als ich mitten in einen «Schwarm» geflügelter Ameisen geriet, just der Fall, das Wetter war dazu perfekt. Und dass sie es just auf mich abgesehen zu haben schienen, war auch kein Zufall: Sie steuern auf ihrem Flug gezielt hoch gelegene Punkte an, in diesem Fall meinen Körper, der sich vom flachen Wiesland abgehoben hat.
Nach der Paarung werfen beide, Männchen wie Weibchen, ihre Flügel ab und die Männchen sterben. Die begatteten Jungköniginnen jedoch beginnen bald einem ohne jegliche Hilfe weiterer Ameisen, ganz allein ein neues Nest anzulegen und einen neuen Staat zu gründen. Das Weibchen wird sich in die sogenannte Mutterkammer einschliessen und diese nicht mehr verlassen. Sie wird darin die Eier ablegen, aus denen sich schon bald erste Larven entwickeln werden.
Vielleicht begegnet auch ihr in nächster Zeit mal einem Schwarm fliegender Ameisen die sich auf dem Hochzeitsflug befinden. Heute wird das bei uns mit Sicherheit nicht der Fall sein, denn es weht ein starker Wind.

Allen, die wie ich in der Schweiz wohnen, wünsche ich heute am 1. August natürlich einen wunderschönen Nationalfeiertag.
Wir begehen ihn dieses Jahr bei grosser Trockenheit, weshalb es in der Folge nachts auf den Alpen leider auch keine Höhenfeuer zu sehen gibt. Kaum jemand käme wohl auf die Idee, bei klingeldürren Wiesen und Wäldern ein Feuer zu entfachen oder gar Feuerwerk zu zünden.
Das Schönste am 1. August ist doch letztlich vor allem das Pflegen der Gemeinschaft und Zusammensein mit unseren Liebsten, in der Familie, mit Freunden, Nachbarn oder einfach unserem – wie man heute sagt – Lieblingsmenschen.
Herzlich,
Gaby Kistler