Der 11.11. – Martinigänse und weitere Brauchtümer

An was denkt ihr beim heutigen Datum 11.11., dem Martini-Tag?

Bin soeben von der Stadt zurückgekehrt und dort dominierte – wie immer um den 11. November herum – vor allem eines: der Black Friday, Tage, an denen es vielerorts Spezialrabatte gibt. Und Fasnächtler wissen: am 11.11. um 11 Uhr 11, beginnt die Fasnacht.

Einigen von euch aber kommt vielleicht bei Martini nicht nur der Gedanke an den Hl. Martin, der seinen Mantel für einen Bettler mit dem Schwert entzwei schnitt, sondern auch an die Martinsgans. Über diesen und weitere Martini-Brauchtümer schreibe ich heute.

Als Quelle für die folgenden Informationen rund um Martini dienten mir folgende zwei Bücher: * «Aberglaube-Sitten-Feste Germanischer Völker» von Reinsberg-Düringsfeld (1898!) und ** «Verschwundene Bräuche» von Helga Maria Wolf (2015):

«Martini» (wie auch der kürzlich hier vorgestellte «Martinisommer») bezieht sich am heutigen Tag auf den Heiligen Martin (316/317 – 397). Im Jahre 371 wurde Martin, Sohn eines römischen Tribunen in Sabaria (Szombathely/Steinamanger, Ungarn), vom Volk zum Bischof von Tours (Frankreich) ausgerufen. In vielen Bildern der abendländischen Kunst findet man zu diesem Heiligen folgendes Motiv: Martin zerschneidet mit einem Schwert seinen Mantel. «Einen Teil gibt er einem Bettler, in dem er Jesus erkennt»**. Diese Szene wird übrigens auch in unserer Gemeinde am Vorabend zu St. Martin nachgespielt, mit einem echten Pferd, sehr zur Freude der Kinder. «Auch in Österreichisch-Schlesien kommt am Vorabend von Martini der heilige «Merten» (Martin) auf einem Schimmel geritten, und bringt den Kindern allerlei Geschenke, unter denen ein Martinshörndel nicht fehlen darf, ein Backwerk, welches die Form eines Hufeisens hat, und nicht nur in ganz Schlesien, und Böhmen, sondern auch in Sachsen und Schwaben als Gabe für den Martinstag gebräuchlich ist.«*

Dann gibt es noch die Martinslichter: Kinder ziehen, sobald es dunkel wird, am Martinsabend mit brennenden Lichtern, eben den sogenannten Martinslichtern, singend durch die Strassen und Plätze. Wenn dabei vielleicht auch nicht mehr gesungen wird, so ziehen doch auch in unserer Region die Kinder nach dem Eindunkeln mit hübsch geschnitzten «Räbeliechtli» durch die Strassen. Die Laternen werden aus Herbstrüben (Räben) hergestellt. Die weisse runde Wurzel, wird im alemannischen Raum traditionell ausgehöhlt und dabei mit allerlei Motiven verziert. Im Innern leuchtet dann beim Umzug eine Kerze, welche die schön geschnitzten Motiven zum Leuchten bringt. Auch vor meiner Stube zog gestern Abend eine muntere Schar Kinder mit ihren hübsch verzierten, leuchtenden Räbeliechtli vorbei.

Zum Martinstag gehören aber natürlich auch die Gänse. Die können übrigens ganz schön wehrhaft sein – ein Erpel zwackte mich mal in die Ferse – und geben genauso gute Wächter ab wie ein Hofhund.

«Dass die Gewohnheit, eine Martinsgans zu essen, in ein hohes Alter hinaufreicht, beweisen die norwegischen Runenkalender, in denen bereits der Martinstag ganz ebenso durch eine Gans bezeichnet wird, wie in den heutigen Tiroler Bauerkalendern.»«Wie zu Michaeli in England, so prangt an Martini in Dänemark, Schweden, Norwegen und Deutschland eine Gans auf jedem Festtische.»*

Der Brauch des Martinigans-Bratens hat sich in einigen Regionen/Ländern noch immer gehalten, genauso wie die «Weintaufe» am 11. November. So war es an Martini üblich, in Regionen wo Weinbau betrieben wird, an diesem Tag den ersten neuen Wein zu kosten.

Verschwunden sind hingegen fast überall die Martinsfeuer: Kinder und Jugendliche sammelten – verbunden mit einem speziellen Heischelied- das Brennholz; die Erwachsenen verbrannten zum Beispiel das ausgediente Bettstroh, welches durch neues ersetzt worden ist. Ich habe grad kürzlich über Bettstroh respektive Bettlaub hier geschrieben. Über kleinere Feuer ist man übrigens auch gesprungen (wie bei den Johannisfeuern am 21. Juni).

Ein weiterer erwähnenswerter Martinibrauch ist jener der Martinsgerte: Am Ende der Weidesaison sammelten die Viehhüter zu Martini ihren Lohn ein. Damit verbunden war der Hirtenbrauch der Martinsgerte. «Die mit bunten Bändern geschmückten, geflochten Zweige blieben bis Georgi (23. April) im Stall, dann wurde das Vieh wieder damit ausgetrieben.»**

Eines ist klar: Martini war schon immer verbunden mit tanzen, essen, trinken, vielen «Lustbarkeiten und Schmausereien, welche zu Ehren des heiligen Martin gehalten wurden«*. Und ich schätze es sehr, dass in unserer Gemeinde wie bereits erwähnt noch immer ein Räbeliechtli-Umzug stattfindet und auch die Darstellung der Mantelszene inklusive Reiter und Pferd zur Freude der Kinder nachgespielt wird.

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