Den Buchen-Streckfuss gibt’s in zwei Farbvarianten

In letzter Zeit häufen sich in Naturforen wieder die Bestimmungsanfragen bezüglich dieser wunderbar farbenprächtigen, stark behaarten Raupe. Das erinnerte mich daran, dass der Buchen-Streckfuss wieder auf dem Weg in sein Winterquartier ist.

Mal kommt die Raupe eines Nachtfalters im zitronengelben Kleid daher, wie auf meinem Bild, oder aber in einem rötlichen, je nach Nahrung.

Immer im September, kommt der Buchen-Streckfuss (Calliteara pudibunda) von seinen Frasspflanzen herunter. Dazu zählen bis zu 20 verschiedene Arten von Laubgehölzen, wobei der Buchen-Streckfuss seinem Namen entsprechend Buchen und Hainbuchen bevorzugt.

In diesem Monat beginnen die optisch ansprechenden Raupen eines Nachtfalters die Blätter zu verlassen und sich im Boden zu verpuppen. Diese Verpuppung erfolgt in einem doppelschichtigen Kokon, der aussen mit einem weissen, lockeren Gespinst versehen ist und innen mit zahlreichen Raupenhaaren versetzt ist. Die ersten Falter schlüpfen dann im Mai des folgenden Jahres.

Die Spannweite der hellgrauen Vorderflügel des Falters beträgt 50 mm, sie sind mit bis zu 4 Zackenbinden versehen. Für den Namen Streckfuss ist folgende Eigenschaft des Falters verantwortlich: In Ruhestellung, auf Baumstämmen sitzend, streckt er seine langen und dicht behaarten Beine nach vorne. Da der Nachtfalter farblich auf den Baumrinden sehr gut getarnt ist, habe ich leider bis anhin noch keinen entdecken können.

Die nachtaktiven Falter leben nicht lange, lediglich etwa ein bis zwei Wochen. Da muss natürlich alles schnell gehen und so legen die Weibchen die Eier gleich unmittelbar nach der Paarung auf etwa 3 bis 4 Metern Höhe auf den Wirtspflanzen ab. Während eines Zeitraums von 4 Wochen schlüpfen danach die Raupen wobei sich die unterschiedlichen Larvenstadien nicht nur optisch sondern interessanterweise auch anhand der Fassbilder unterscheiden: Beginnend vom Skelettierfrass, zum Blattfrass vom Rand her, bis zu den Altraupen, die schlicht alles vertilgen, abgesehen mal von den Knospen und Blattadern.

Ein Hinweis auf das Vorkommen dieser Raupen können übrigens Blattteile am Boden sein, denn sie gehen beim Fressen mit ihrer Nahrung recht verschwenderisch vor. So bleiben am Boden unterschiedlich grosse angefressene Blattstücke liegen.

Die stark behaarte, bis zu 5 cm lange Raupe kommt in ihrer Grundfarbe in zwei Farbvarianten vor. Diese sind von der Nahrung abhängig. So gibt es den Buchen-Streckfuss sowohl in gelb-grün (Bild) als auch in rötlich-rosa. Die auffälligen Rückenbürstchen auf dem 4.-7. Segment, wie auch der rötliche, recht lange Haarpinsel auf dem 11. Segment, bilden sich erst im dritten Larvenstadium. Wobei der rote Haarpinsel namensgebend für eine weitere, oft gebräuchliche Namensbezeichnung für die Raupe ist: Buchenrotschwanz. Fühlt sich die Raupe gestört, dreht sie sich ein und die schwarzen Rückenbänder werden sichtbar.

Also, haltet die Augen offen und unter Laubgehölzen vermehrt auch auf den Boden gerichtet. Dann habt ihr vielleicht Glück wie ich damals, als mir dieser prächtige Buchen-Streckfuss auf einem Waldweg wortwörtlich vor die Füsse gelaufen ist.

Übrigens: Falls ihr mal einer Raupe dabei behilflich sein möchtet, eine Strasse zu überqueren, denkt daran, dass man behaarte Raupen nicht mit blossen Händen berühren sollte. Das kann bei einigen Arten unangenehme Folgen haben. Zum Beispiel beim Eichenprozessionsspinner, «dessen feine Brennhaare ein Nesselgift enthalten, das bei Hautkontakt zu juckenden, entzündlichen Ausschlägen und Pusteln führt. Bei Einatmen der Haare können Atembeschwerden bis hin zu Asthmaanfällen oder sogar einem allergischen Schock auftreten.

Die Haare des Buchen-Streckfusses können bei Kontakt durchaus auch zu Hautreizungen, Juckreiz und leichten allergischen Reaktionen führen. Aber man muss ja auch nicht immer alles «atöple» (berühren). Und, falls ihr doch mal eine behaarte Raupe in Sicherheit bringen möchtet, so verwendet dazu einfach ein Blatt als «Transport-Hilfe».

Zum Schluss noch ein «Leckerbissen» aus einem sehr alten Buch das ich einst in einem Antiquariat gefunden hatte. Es stammt von 1905. «Strässles Schmetterlingsbuch» zeigt auf einer der wunderschön gestalteten Tafeln in der Mitte rechts den Rotschwanz (wie ja eben der Buchen-Streckfuss auch genannt wird) und links die Raupe.

Quelle Informationen: ARBOFUX

Raupe eines Nachtfalters: Der Buchen-Streckfuss, hier in der gelben Farbvariante

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