Dank eines Artikels, den ich beauftragt war, für ein Naturmagazin zum Thema Moos zu schreiben, kam ich zu einem wunderbaren Fachbuch über Moose. Darin fand ich auch eine Anleitung zu einem Experiment, das mich unglaublich faszinierte.
Ich wusste ja, Moos und Wasser gehören zusammen, aber zu sehen, wie scheinbar «totes», vertrocknetes Moos in Sekundenschnelle auf das Wasser reagiert, hat mich dann doch sehr verblüfft.
Links im Bild: trockenes, scheinbar «totes», total ausgetrocknetes Dach-Drehzahnmoos (Syntrichia ruralis) und rechts solches, das ich kurz mit etwas Wasser beträufelt habe. Diese Laubmoosart reagiert besonders ausgeprägt auf dieses Experiment, aber auch Frauenhaarmoose aus der Gattung Polytrichum.
Probiert es selber, giesst mit der Kanne etwas Wasser über vertrocknetes Moos und ihr könnt beobachten, wie es bereits nach wenigen Sekunden beginnt die Farbe zu verändern. Nach kürzester Zeit bereits wirkt das Moos wieder frisch, als wäre da nie eine Trockenheit gewesen.


Vielleicht habt ihr euch gerade in den letzten Wochen, die von Hitze und Trockenheit geprägt waren, gefragt, wie Moose auf Felsen, Mauern, an sonnenexponierten Stellen überleben können.
Moose unterscheiden sich in drei Gruppen: Lebermoose (Marchantiophyta), Hornmoose (Anthocerotophyta) und Laubmoose (Bryophyta), die «eigentlichen Moose». Je nach Art, schafft es Moos über Monate, ja sogar Jahre, ohne Wasser auszukommen, dazu hat es unterschiedliche Strategien entwickelt: Lebermoos beispielsweise rollt sich ein, um die Blattoberfläche, über die es Feuchtigkeit verliert, möglichst klein zu halten. Anders das auf dem Bild gezeigte Dach-Drehzahnmoos, es wehrt mit sogenannten weissen «Glashaaren» einen Sonnenbrand ab. Dazu lässt die Pflanze die Zellen in den Spitzen absterben, damit diese das Sonnenlicht reflektieren können.
Ein weiterer Vorteil dieser weissen Glashaare ist, dass sie gespeichertes Wasser möglichst schnell abgeben können. Das ist deshalb wichtig, weil das Moos abstirbt, sollte es vor der eintretenden Hitze nicht ausreichend trocken sein.
Das ist der Grund, warum ich nach meinen Experimenten die mit Wasser begossenen, nassen Moostücke sofort abdecke und damit vor dem Sonnenschein schütze.
Übrigens: Habt ihr gewusst, dass Moose auch Giesswasser verbessern? Auch das steht in diesem Buch über Moose: «Mit Moosen kann man das Leitungswasser gut enthärten. ..Der pH-Wert des Wasser sinkt damit um etwa 2 Werte, zum Beispiel von 7,3 (kalkreiches Leitungswasser, 24 Grad deutscher Härte) auf 5,3 (Regenwasser).»


Um solch «weiches» Wasser zu erhalten, (schwach sauer wie Regenwasser) gebt ihr eine Handvoll zerriebenes Moos in eine kleine, 1 Liter fassende Giesskanne mit Wasser. Schon nach rund 10 Minuten wird nun diesem Wasser die Härte entzogen. Dies geschieht, indem Kalium und Kalzium im Leitungswasser an der Moosoberfläche gebunden und gegen Wasserstoffionen getauscht werden.
Diese Form der Wasserenthärtung mit Moos eignet sich zuverlässig im kleinen Stil für den Eigengebrauch. Und: Das verwendete Moos kann mehrmals verwendet werden.
Zum Schluss noch ein Wort zu Moos im Rasen: Ja, dieses Bild von unserem Rasen unter dem Haselnussstrauch mag niemanden erfreuen, der Golfrasen mag. Wir lassen das Moos gewähren, erstens müssen wir auf diese Weise weniger häufig mähen und zweitens – und DAS ist ein wichtiger Grund – ist es auf solchen Flächen nach einer langen Trockenphase schnell wieder grün. Das hat euch ja das Experiment gezeigt. Sobald der Regen da ist, ist auch das frische Moosgrün wieder da.
Ganz im Gegensatz zum Rasen, der bekommt dann irgendwann zwar auch wieder seine grüne Farbe zurück, nachdem er zuvor durch die lange Trockenheit «rot» und klingeldürr war, doch es dauert viel länger. Es sei denn, man lässt den Rasen gar nicht erst austrocknen und lässt allabendlich den Rasensprenger laufen. Doch wir überlassen den Rasen der Natur, die richtet es schon. Rasen, der im damaligen Hitzesommer wirklich scheinbar abgestorben schien – es knirschte sogar beim Drüberlaufen – war irgendwann auch ohne unser Zutun wieder Grün. Dies, nachdem die lange Phase der Trockenheit durch Regenfälle beendet worden ist.


Mit diesem hübschen Pölsterchen-Duo auf unserer alten Zyklopenmauer, wo auch mein Wasserexperiment stattgefunden hat, verabschiede ich mich für heute. Hier noch für Interessierte die Angabe zum erwähnten Buch, das ich wirklich allen Moosliebhabern wärmstens empfehlen kann: «Der Moosgarten» von Michael Altmoos. Und Nein, ich bin nicht am Verkauf beteiligt, aber Gutes empfehle ich gerne weiter, so wie man ja auch meine Seite hier gerne weiterempfehlen darf.