
Die Blüten der Heckenrose (Rosa canina) bergen ein Geheimnis. Bei genauer Betrachtung der Kronblätter, fällt nämlich eine Regelmässigkeit bei deren unregelmässigen Gestaltung auf: Das Geheimnis der fünf Brüder. Davon handelt mein heutiger Beitrag und dem Grund, warum unsere heimische Wildrose auch als Hundsrose bezeichnet wird.
Allein die Form, welche die fünf Kelchblätter einer Heckenrose gemeinsam abbilden, hat schon etwas Magisches an sich: Die fünfzackige Form erinnert an ein Pentagramm, den «Drudenfuss», wie der magische 5-Stern der Druiden bezeichnet wird. Wohl auch deshalb und aufgrund des Geheimnisses, bezüglich der fünf Kronblätter, das ich euch heute aufzeige, hatte die Heckenrose wohl einst den Ruf einer Zauberpflanze.
Jede Blüte besitzt fünf weisse oder rosafarbige Kelch- und fünf grüne Kronblätter (Bild). Letztere fallen durch eine Regelmässigkeit bei der unregelmässigen Gestaltung auf:


Auf diesem Bild seht ihr die fünf Kronblätter von drei verschiedenen Blüten, auf jeweils einer Linie aufgereiht. Betrachtet sie genau und liest den Rätselspruch dazu:
«Fünf Brüder sinds, zur gleichen Zeit geboren. Nur zwei von ihnen tragen einen vollen Bart (Nr. 1), dem dritten ist nur eine Wang‘ geschoren (Nr. 2), die beiden letzten bleiben unbehaart (Nr. 3).«
Dieses Rätsel entnahm ich dem wunderbaren Buch von Susanne Fischer «Blätter von Bäumen».
Wie die genannte Autorin, habe auch ich wirklich viele Blüten und deren Kronblätter auf diese Regelmässigkeit hin geprüft, und stets hat sich das Rätsel um die fünf Brüder bewahrheitet.
Die heimische Heckenrose (Rosa canina) hat uns Menschen schon immer begleitet, sich um Zäune, im Heckengebüsch und in Bäumen emporgerankt. Wie mit Blüten geschmückte Girlanden fallen in unserer Eibe jeweils die überhängenden Äste aus grosser Höhe herab. Das ist im Mai jedes Mal ein so wundervoller Anblick, diese zartrosa farbigen Blüten vor dem dunklen Nadelgrün der Eibe.


Die zweite grosse Heckenrose, die sich einen Platz in unserem Garten ausgesucht hat, ist hingegen ein weiss blühendes Exemplar. Ich nenne die beiden Schneeweisschen und Rosenrot, wie die beiden Schwestern im Märchen der Gebrüder Grimm.
«Schneeweisschen» wächst hier seit mehreren Jahren etwas im Schatten der Kiefer, geniesst jedoch volle Morgensonne. Heckenrosen sind von grossem ökologischen Wert, in vielerlei Hinsicht. Ihre sichelartigen Dornen machen sie zu einem wertvollen Vogelschutz- und auch Nährgehölz, denn im Winter erfreuen sich viele Vögel ob ihrer Früchte, der Hagebutten.
Wer sich die Zeit nimmt und eine Weile bei einer blühenden Heckenrose verweilt, stellt schnell einmal fest, dass man hier ein grosses Stelldichein der verschiedensten Insekten beobachten kann. Alles von Rang und Namen ist vertreten: Hainschwebfliegen wie auf dem Bild, Rosenkäfer (gestern zählte ich 7 zur selben Zeit!), jede Menge Bienen und Hummeln, aber auch Hornissen, die ihrerseits wiederum Jagd auf Bienen machen. Einmal wurde ich just Zeugin davon, wie eine Hornisse eine Biene erbeutete und diese – nur an zwei Beinen am Zweig hängend – verspeist hat. Ihr findet davon ein Bild in der Galerie am Schluss des Beitrages.


Die Heckenrose respektive Hagrose, wird öfters auch als Hundsrose bezeichnet, aber weshalb? Das kommt mehreren Quellen zufolge daher, dass die heimische, wilde Rose schon seit langem dazu benutzt worden ist, den Biss tollwütiger Hunde zu behandeln. Bereits in der Antike – wie auch später im Mittelalter – sei sie als Heilmittel gegen solche gefährlichen Bisse verwendet worden sein. Der «Hund» ist auch Bestandteil des lateinischen Namens «canina» = Hund.
Na ja, in unseren Regionen ist die Tollwut nicht mehr präsent – jedenfalls im Moment – aber ansonsten wäre ich diesbezüglich gut gerüstet. Bald in jeder Ecke spriessen bei mir Hundsrosen. Sehr zu meiner Freude, denn auch im Herbst/Winter sind sie hübsch anzusehen, wenn sie mit leuchtend roten Hagebutten geschmückt sind.
Mit diesem, kühle Frische vermittelnden Bild aus dem Winter, grüsse ich euch herzlich an diesem sommerlich warmen, heutigen Tag.
Gaby Kistler









