Da freuen sich die Hummeln: Goldnesselblüte in Wildnis und Garten

Heute ist es bei uns wieder saukalt, nur gut 10°, und eine Regenfront folgt auf die nächste. Nur kurz, lässt sich die Sonne zwischendurch blicken, als wolle sie uns trösten und sagen «Ich bin übrigens schon da, nur seht ihr mich zur Zeit grad nicht».

Da tut uns doch an diesem trüben Tag ein wenig Farbe gut, zum Beispiel die von den goldgelben Blüten der Goldnesseln (Lamium galeobdolon).

Der auch als Gelbe Taubnessel oder Gold-Taubnessel bezeichnete Lippenblütler, kommt bei uns – auf gut 650 Metern, Schweizer Mittelland – häufig in der Untervariante der Berg-Goldnessel (L. galeobdolon montanum) vor. Man erkennt sie daran, dass die obersten Stängelblätter schmal-lanzettlich, mit scharf zugespitzten Zähnen bestückt sind (Bild). Die Blätter der Gewöhnlichen Goldnessel hingegen sind eher eiförmig und unregelmässig grobgezähnt.

Ebenfalls häufig kommt die als Zierpflanze gezüchtete Silber-Goldnessel (Lamium galeobdolon argentatum)vor. Durch – eigentlich bei uns verbotene – Gartenabfalldeponien, gelangt sie an siedlungsnahe Waldränder von wo sie sich als verwilderter «Gartenflüchtling» stark ausbreitet. In grossen Beständen ist sie gut erkennbar an der auffallend silbrig-weiss schimmernd gefleckten Blattoberseite (auf diesem Bild gut erkennbar).

Die auch als Silberblättrige Goldnessel bezeichnete Silber-Goldnessel hat leider die unschöne Angewohnheit, bei mir im Garten alle andere Pflanzen zu verdrängen. Wie eine gelbe Flut ergiesst sie sich zur Blütezeit selbst in die hintersten Winkel des Gartens. Die äusserst konkurrenzstarke Pflanze schaffte es sogar, die Brennnessel zu dezimieren. Auch Pflanzen wie Bach-Nelkenwurz und Blutweiderich mussten ihr zunehmend weichen. Ihre starke Vermehrung ist – wie bei der Berg-Goldnessel – hauptsächlich auf ihre sich während und nach der Blütezeit bildenden, langen Ausläufer zurückzuführen.

Nichtdestotrotz ist auch sie, wie alle Goldnesseln, eine unglaublich gute Insektenweide, wobei sie vor allem von Hummeln aller Arten aufgesucht werden. Das Problem kommt dann erst, wenn die Zierpflanze verblüht ist und auf vielen Quadratmetern, die sie überwuchert hat, für die Insekten plötzlich keine Blüten mehr vorhanden sind. Denn die Vielfalt hat die Silberblättrige Goldnessel im Lauf der Jahrzehnte immer mehr zum Verschwinden gebracht. Diese artenreiche Vielfalt, die hier mal herrschte, bin ich mir mit mühsamer Arbeit zur Zeit am zurückerobern. Denn: Nur wo Artenvielfalt herrscht, blüht immer irgendetwas. Ansonsten gibt es zur Zeit der EINEN Pflanzenblüte EINEN einzigen grossen «Chlapf» und danach ist Schluss.

Hier seht ihr noch das Bild der «wilden» Gewöhnlichen Goldnessel (Lamium galeobdolon) mit den deutlich eiförmigen, eher grob gezähnten Blättern, die sie von der Berg-Goldnessel unterscheiden. Es existiert übrigens noch eine Unterart, die Blassgelbe Goldnessel (L.g. falvidum). Ich bin ihr bis jetzt noch nie begegnet.

Für mich als Laie ist es draussen in der Natur oft schwierig, die Arten von einander unterscheiden zu können, da beispielsweise selbst die Zierpflanze Silber-Goldnessel, nicht an jeder einzelnen Pflanze die für sie typischen, silbrig-weissen Blattflecken aufweist. Nur in grossen Beständen lassen sie sich – jedenfalls für mich – eindeutig bestimmen.

Egal, schön sind sie alle, ich liebe ihre wunderschönen Lippenblüten mit den rötlichen Flecken auf den Unterlippen, genauso wie die zahlreichen Hummeln die sie besuchen.

Übrigens: Obwohl sie das Wort Nessel im Namen tragen, «brennen» die Goldnesselarten nicht und man kann sie problemlos berühren

Mit diesem Bild von einer blühenden Berg-Goldnessel – hier zu Füssen eines Ahorns mit Wimmerwuchs – wünsche ich euch nun von Herzen ein wunderschönes Wochenende. Auch wenn es draussen kalt und regnerisch ist, so behaltet doch die Sonne im Herzen,

eure Gaby Kistler.

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