Büscheli binden – ein selten gewordenes Handwerk

Man sieht sie nicht mehr häufig, die Seniorinnen und Senioren, die mit dem Kleinholz, das zur Zeit beim Obstbaum-, oder Heckenschnitt anfällt, sogenannte «Büscheli» binden. Diese Brennholzbündel werden als Ganzes in die Kachelöfen geschoben, wo sie – je nachdem wie gut sie gebunden worden sind – für lange Zeit wohlige Wärme spenden.

Jetzt, während der Vegetationsruhe, ist die Zeit der Heckenpflege. Die Hecken werden dabei wie vorgeschrieben etappenweise, also nur gestaffelt, gestutzt, immer pro Jahr nur jeweils eine gewisse Strecke. Hasel beispielsweise kann dabei problemlos auf Stock geschnitten werden, die treiben innert Kürze wieder meterlange Ruten aus.

Nach dem Schnitt kommt der «Büscheli-Maa», meistens der Senior des Bauernhofes, und macht daraus wunderschöne Büscheli. Diese haben in der Schweiz, wie auch in den umliegenden Ländern, die unterschiedlichsten Namen: Bürdeli, Wedelä, Bürdäli, (CH), in Niederbayern Stutzbierl, im Oberösterreicher Mühlviertel Reißa Biachtl

Um die Äste zu kürzen, ent-asten (von Seitenzweigen befreien) und binden, benutzt der «Büscheli-Maa» verschiedene Werkzeuge und Hilfsmittel. Da wäre mal das, was für Unkundige zunächst eher wie ein Fitnessgerät aussieht. Na ja, für die Senioren ist es das ja auch auf eine gewisse Weise, denn die Arbeit des «büschelen» ist recht anstrengend. Der verwendete «Büscheli»-Bock ist oft Marke Eigenfabrikat. Daneben braucht es noch eine Axt und einen Gertel (auch Hippe, Heppe, Häbe, Hape, Knipp, Säsle, Sesel, Winzer- bzw. Rebmesser, Schneier Hippe), Sichel-/Heppe).

Es ist eine Wissenschaft für sich, wie die besten Brennholzbündel auszusehen haben, so nämlich, dass sie möglichst gut und vor allem lange brennen. Das weiss ich, weil ich mal einen, für seine perfekten Büscheli bekannten Senior für eine Zeitung interviewt hatte. Er erklärte, dass ein schlechtes Brennholzbündel im Ofen einfach nur kurz einen grossen «Chlapf» (Knall) gebe und das wars dann auch schon mit der Pracht. Da komme es deshalb sehr darauf an, welches Holz man für Aussen und welches man für den Innenbereich eines solchen Holzreisigbündels verwende.

Die Bündel weisen die exakte, für den vorhandenen (Kachel-)Ofen benötigte Grösse auf.

Hier könnt ihr sehen, wie die auf Stock geschnittenen (bodeneben) Haselsträucher nach drei Jahren bereits wieder nachgewachsen sind.

Unterdessen ist landauf landab an den meisten Orten der Schnitt abgeschlossen, zumal ja im Februar bereits die ersten Vögel mit der Suche nach geeigneten Nistplätzen beginnen. Da durch das alternierende Schneiden der Hecken stets ein (grosser) Anteil der Sträucher stehen gelassen wird, sind stets noch genügend Brutplätze vorhanden.

Ich bin sehr froh, gibt es diese Hecken noch, auch wenn leider viele in den letzten Jahrzehnten entfernt worden sind. Sie stellen einen ausserordentlich wichtigen Lebensraum für Pflanzen und Tiere dar. So dienen sie als (überlebens-)wichtiger Unterschlupf für Feldhasen, Wiesel & Co. Die Hecken bieten ihnen zwischen offenen Wiesen und Feldern Schutz vor Greifvögeln.

Hecken sind auch bedeutende Vogelnähr- und nistgehölze und eben auch Lebensraum für sehr vieles Klein- und Kleinstgetier. Zu ihren Füssen wächst oft eine ganze spezielle Krautschicht, die wie hier auf dem Bild zum Beispiel aus Lerchensporn und Buschwindröschen besteht.

Übrigens: Besten Dank der «Spenderin» für das zur Verfügung gestellte Titelbild (ihr «Dädi»).

  1. Vielen Dank für den Beitrag. Habe einiges dabei gelernt.
    Bisher habe ich meinen Strauchschnitt immer häckseln lassen und dann das Häckselgut im Garten zum Mulchen verwendet, Grundsatz: Was im Garten wächst, bleibt im Garten. Aber nun versuche ich mich auch mal als Büschelibinder für den Cheminee. Wenn auch als blutiger Anfänger 😉

  2. ä Wedälä, das kenne ich noch, nur, wofür die gemacht, und gebraucht wurden, war mir nicht bekannt.
    Danke🌞

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