
Die Blüten der Knotigen Braunwurz (Scrophularia nodosa) zählen zu den wenigen, die Wespen anlocken. Daher wird sie mitunter auch als Wespenblume bezeichnet. Dass das stimmt, kann ich seit Jahrzehnten im eigenen Garten beobachten.
Der Rachenblütler blüht bei mir jedes Jahr im Gemüsegarten und lockt Nützlinge an. Der botanische Namen scrophula verrät, in welche Richtung sein Anwendungsbereich als Heilpflanze geht.
Die Blüten der Braunwurz mögen klein und unauffällig sein, doch ein genaues Hinsehen lohnt sich allemal: Ich finde sie ganz hübsch, mit der bräunlich-roten Oberlippe. Sie produzieren ständig neuen Nektar und locken damit viele Wespen, insbesondere Faltenwespen, aber auch verschiedene Wildbienen, darunter die Waldhummel, an. Bei diesen, auf Hochtouren Nektar produzierenden Blüten, ist der Tisch für die Insekten stets gedeckt.


Die gezackten Braunwurzblätter – hier eine Pflanze im Jungstadium Mitte Mai – sind gutes Raupenfutter für den Braunwurz-Mönch, sowie den Braunwurz-Waldmönch.Wie ihr sehen könnt, sind die Blätter zu Beginn stets etwas rötlich überlaufen. Zerreibt man sie zwischen den Fingern, haut es jetzt einem nicht wirklich um, sprich, ihr Geruch ist nicht sonderlich fein, manche erinnert er an Wild.
Die Braunwurz lässt sich auch am vierkantigen, unverzweigten, starken Stängel erkennen. Er erreicht Höhen von bis zu 110 cm.
Hier seht ihr, woher der deutsche Namen kommt – wie auch der lateinische Name, denn nodosa deutet «voller Knoten» an. Die Knotige Braunwurz hat tatsächlich sehr knotige Wurzeln. Bereits im 19. Jahrhundert ist ihre blutzuckersenkende Wirkung entdeckt worden, seither wird sie bei Diabetes eingesetzt. Der lateinische Namen hingegen, scrophula (Halsgeschwür) deutet auf einen anderen Einsatzbereich hin. Aus den getrockneten Wurzeln lässt sich eine Tinktur herstellen (eingelegt in Wodka) die man bei Abwehrschwäche und Halsentzündungen einnehmen kann (Erwachsene täglich 3-5 Tropfen in Wasser aufgelöst).


Wer mit Heilpflanzen arbeitet weiss: Die Dosis macht das Gift. Bei der Knotigen Braunwurz gilt dies ganz besonders, denn sie ist leicht giftig. Vor allem enthält sie – wenn auch in geringer Konzentration – herzwirksame Substanzen. Deshalb sollte die Knotige Braunwurz nicht in zu hohen Dosen und übermässig lang eingenommen werden.
Trotzallem gilt sie als bewährte Heilpflanze und wird in allen grossen Heilpflanzenbüchern in meinem Bücherregal beschrieben.
Im Englischen findet man für die Braunwurz die Bezeichnung figwort, also Feigenwurz, und Feige steht in diesem Zusammenhang wie üblich entweder für Hämorrhoidalknoten oder Feigwarzen. Genauso wie bei Ranunculus ficaria, dem Scharbockskraut, das ebenfalls als Feigwarzenkraut bekannt ist.
Auch Kräuterpfarrer Johann Künzle weist bereits auf die Wirksamkeit bei Hämorrhoiden hin, wobei er zur Behandlung das Wurzelpulver empfiehlt.


Die Knotige Braunwurz ist ein gutes Beispiel für die aus dem Mittelalter stammende Signaturenlehre. Diese alte Heilmitteltheorie geht davon aus, dass uns das äussere Erscheinungsbild von Pflanzen (Blattform, Blütenform, Blütenzeichnung, Wurzelform, Rinden, etc.) auf ihren Anwendungsbereich in der Heilkunde hinweisen kann. Tatsächlich mögen die knotigen Wurzeln der Braunwurz in ihrer Form an Hämorrhoidalknoten erinnern, oder beispielsweise die wunderschöne Zeichnung der Augentrostblüten an Augen, weshalb sie bei Augenleiden eingesetzt wird.
Wer die Knotige Braunwurz bei sich im Garten ansiedeln möchte, der besorgt der mehrjährigen, winterharten und pflegeleichten Pflanze am besten ein Plätzchen auf nährstoffreichem, eher feuchtem Boden am Schatten oder Halbschatten. Wobei sie mir auch bestens im vollsonnig gelegenen Gemüsegarten gedeiht. Sie hat sich zudem einen Platz am Teichrand ausgesucht, es dürfte ihr aber auch an einem Gehölzrand gefallen.
Bei uns kann es dieses Jahr der Braunwurz bestimmt nicht an Besucherinnen fehlen, denn wir haben mindestens 4 Wespennester ums Haus – und noch ein Hornissennest.

Quellen: «Das Grosse Kräuterbuch» Johann Künzle, «Geheimnisse und Heilkräfte der Pflanzen» DasBeste, FuturePlanter