Brauchtum rund um den heutigen Grünen Donnerstag

Mit dem heutigen kirchlichen Termin, dem Grünen (Hohen) Donnerstag, sind viele Bräuche verbunden. Einige von ihnen deuten darauf hin, dass der Tag bereits gefeiert worden ist, bevor mit ihm die Erinnerung an das letzte Abendmahl gefeiert worden ist.

Mit dem heutigen Hohen Donnerstag wird die 40-tägige Fastenzeit beendet und die Erinnerung an das letzte Abendmahl gefeiert. Die Kirchenglocken verstummen mit dem heutigen Hochamt und zwar bis Ostern.

Der Tag wird auch als Grüner Donnerstag bezeichnet, was jedoch nicht etwa ein Hinweis auf die Farbe, sondern vielmehr von greinen abgeleitet ist, was weinen, wehklagen bedeutet. Es ist aber von alters her üblich, am Gründonnerstag etwas Grünes zu essen und sei es nur ein Pfannkuchen mit etwas Schnittlauch oben drauf. Von Region zu Region verschieden ist auch die Herstellung einer Kräutersuppe an diesem Tag. Mancherorts werden traditionsgemäss sieben, an anderen Orten neun verschiedene Frühlingskräuter dazu verwendet.

Spinat kommt ebenfalls in vielen Variationen vor, zum Beispiel in Krapfen gefüllt oder als Laubfrösche (gefüllt in Röllchen). Der Spinat kann zum Beispiel mit jungen Blättern von Giersch, Spitzwegerich und Brennnesseln (Bild, v.l.n.r.) zubereitet werden. Für einen Brennnessel-Spinat werden 750 Gramm klein gehackte Brennnesselblätter mit Zwiebeln in Bratfett angedünstet und mit etwas gesalzener Gemüsebrühe abgelöscht. Dann kommt noch Pfeffer dazu, 2 Teelöffel Sojasoße und am Schluss 100 Gramm Sauerrahm oder Rahm/Sahne.

Mit Aberglauben hatte es wahrlich nichts zu tun, wenn die Menschen in alten Zeiten – wo noch nicht das ganze Jahr über frisches Gemüse und Obst im Supermarkt gekauft werden konnte – sich im Frühling mit den ersten Wildpflanzen im Jahr Speisen zubereitet hatten. Diese enthalten oft sogar viel mehr Mineralien und Vitaminen als Gemüse aus dem Supermarkt. So enthält die Brennnessel fast sieben Mal mehr Vitamin C als Orangen.  Mit ihrem hohen Gehalt an Magnesium, Kalium, Eiweiss und Calcium zählt die Brennnessel, die heute sogar als «Superfood» bezeichnet wird, sogar zu den inhaltsreichsten Pflanzen überhaupt. 

Aber wie bereits eingangs erwähnt, existieren rund um den heutigen Feiertag noch ganz viele weitere Bräuche, oft auch verbunden mit Aberglauben. Dieser bedeutet per Wikipedia-Definition: «Aberglaube bezeichnet den unbegründeten Glauben an übernatürliche Kräfte, Glücksbringer oder Vorzeichen, die Einfluss auf das Schicksal nehmen sollen. Er widerspricht wissenschaftlichen Erkenntnissen und rationalem Denken.»

In einem neuen, wissenschaftlich gehaltenen Buch, wird der Begriff Aberglaube als abwertend bezeichnet und es wird eine neue dafür geschaffen: «Superstition», mit der ich mich überhaupt nicht anfreunde.

Ich persönlich werde an der alten Bezeichnung (Aberglaube) festhalten, denn ich finde sie überhaupt nicht abwertend, viel eher die neue, Superstition, wo in diesem Buch Bezug auf den Germanisten Jacob Grimm (1785-1863) Bezug genommen wird. Zitat aus dem Buch «Verschwundene Bräuche»: «Er (Jacob Grimm) meinte treffend, dass Superstition «aus superstes (überlebend) abzuleiten ist, und ein in einzelnen menschen fortbestehendes verharren bei ansichten bezeichnet, welches die grosse menge vernünftig fahren lässt». Nun finde ich doch gerade dies eigentlich abwertend, es erhebt die «grosse menge vernünftiger Menschen», über die anderen. Wer aber gibt wem das Recht zu urteilen über die anderen, einzuteilen, in wer vernünftig ist und wer nicht?

Einst wurde an diesem Tage gern Flachs gesät «wie noch jetzt Kohl und Erbsen», überhaupt wurde viel an Gründonnerstag gesät, weil man glaubte, dass dann die Pflanzen besonders gut gedeihen werden.

Zu den vielen Gründonnerstag-Ritualen zählt vielerorts auch der Genuss von Honig und Gründonnerstags-Brot und – Butter, die besonders viel Gutes bewirken sollen. Eine grosse Rolle spielt in diesen Tagen zudem auch ein spezielles Ei, nämlich – je nach Region/Land – das Karfreitags- oder das Antlass-Ei.

Diese Rituale rund um das Ei gehören zweifellos in den Bereich des Aberglaubens und der Magie. Interessant: Einerseits gibt es das an Karfreitag gelegte Ei, dem bei uns in der Schweiz grosse Bedeutung beigemessen wird, andererseits aber auch das Antlass-Ei (Österreich): «Die am Gründonnerstag («Antlasspfinztag») gelegten sogenannten Antlasseier (von Antlass – Entlassung aus der Kirchenbusse, die am Gründonnerstag erfolgte) galten als segens- und zauberkräftig. Man legte sie als Blitzschutz und Zauberabwehr unter den Dachfirst und sagte ihnen Weissagungs- und Sympathiekraft zu.»

Noch heute hat sich in einigen Regionen teilweise die Tradition erhalten, Antlasseier zu färben und anlässlich der Speisenweihe im Ostergottesdienst segnen zu lassen. Ihnen wurde die Kraft zugesprochen, dass, sofern sie in der Familie danach gemeinsam verzehrt wurden, diese auch beisammenbleiben werde.

In der Schweiz bekommt diese Aufmerksamkeit hingegen das am Karfreitag gelegte Karfreitagsei und dieses darf nach Überlieferung weder verziert noch bemalt werden. Nur dann bleibe seine Magie erhalten. Um sich die Gesundheit zu bewahren, war es üblich, bei Eierfrauen um Karfreitagseier zu bitten. Während die Männer dieses zur Erhaltung der Arbeitskraft sofort austranken, wurden die Eier gekocht und ebenfalls zu Ostern in jeder Familie verzehrt. Auch diese Eier wurden, genauso wie die vorgängig beschriebenen Antlasseier, als Blitzschutz unter den Dachfirst von Haus und Stall gelegt. Und dieser Brauch, der findet auch bei uns im Dorf noch heute vielerorts Anwendung. Viele wissen zwar gar nicht mehr warum, aber man macht es aus Tradition, weil es die Mutter oder Grossmutter bereits so gemacht hat.

Es heisst übrigens, an Karfreitag gelegte Eier verfaulen nicht und das habe ich getestet: Tatsächlich, ein Karfreitagsei, das ich vom letzten Jahr aufgehoben habe, ist nicht verfault, sondern lediglich innerlich vertrocknet und mittlerweile federleicht geworden.

 

Zum Schluss sei erwähnt, dass viele abergläubische Gebräuche, welche sich teilweise bis jetzt erhalten haben, vermuten lassen, «dass der Gründonnerstag schon längst als ein dem Donar, dem Schützer des Landbaues, besonders heiliger Tag begangen wurde, bevor an ihm das Andenken an die letzte Abendmahlzeit Christi gefeiert ward. Die noch üblichen Speisen sind der letzte Rest des Opfers, das man einst dem Donnergott brachte, um ihm für die Besiegung des Winters zu danken und die Gaben, welche aus den Erstlingen des Pflanzenreichs bestanden, sind aller Wahrscheinlichkeit nach der Grund, warum man diesen Donnerstag den grünen genannt hat, eine Benennung, deren Ursprung verschieden gedeutet wird.» (Originalzitat aus «Aberglauben-Sitten-Feste Germanischer Völker von Reinsberg-Düringsfeld / 1898)

Tja, damals 1898, wusste man noch nichts von der heutigen Deutung, nämlich dass «grün» auf «greinen» zurückzuführen ist.

Dies sind die Quellen, die ich für den heutigen Beitrag «konsultiert» habe, ganz altmodisch hauptsächlich Bücher. Bei Internetrecherchen stelle ich immer wieder fest, dass man manchmal meinen könnte, einer schreibe dem anderen ab und recherchiere gar nicht mehr selber. Da verlasse ich mich oft lieber auf meine Bücher, ganz alte, aber auch neu erschienene, mit neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen. Ich mag den Mix von beiden:

«Aberglaube-Sitten-Feste Germanischer Völker» Rheinsberg-Düringsfeld, 1898 / «Verschwundene Bräuche – Das Buch der untergegangenen Rituale» H.M. Wolf 2015 / «Brauchtum in der Schweiz» C.G. Weber 1987 / sowie SRF Ernährungstrends 2022 und Wikipedia

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