Blutwurz – die altbewährte Tormentillwurzel

Man erkennt es gleich anhand der Blätter: Die Blutwurz (Potentilla erecta) zählt zu den Fingerkrautgewächsen. Doch etwas unterscheidet sie von den anderen: Die auch als Tormentill bezeichnete Heilpflanze weist statt der üblichen fünf, lediglich vier Blütenblätter auf. Ganz im Gegensatz beispielsweise zum Kriechenden Fingerkraut (Potentilla reptans) mit seinen fünf Blütenblättern.

Jedenfalls fast immer, denn es gibt
manchmal Abweichungen einzelner Blüten (3-, 5- oder 6-zählig) an einer Pflanze, während die übrigen Blüten regulär 4-zählig ausgebildet sind.

Die grosse, altbewährte Heilpflanze spielte einst auch in der Lederverarbeitung eine Rolle.

«Erecta» im botanischen Namen stammt aus dem Lateinischen und bedeutet «aufrecht», was sich auf den Habitus der aufrecht wachsenden Pflanze bezieht. Sie erreicht je nach Standort meistens Wuchshöhen von 10 bis 30 cm. Der Name Potentilla wurde – soweit bekannt – zum ersten Mal 1548 in England erwähnt. Seine Bedeutung sei unklar, wobei ich mich bei dieser Aussage an ein wissenschaftlich gehaltenes Fachbuch halte.

Für die medizinische Verwendung wird der im Bruch blutrote Wurzelstock, welcher der Pflanze zur ihrem deutschen Namen verhalf, getrocknet verwendet. Er wird – wie alle Wurzeln – im Frühjahr oder Herbst gesammelt.

Blutwurz – schon der Name weist auf eine Verwendung als Heilmittel bei allerlei Blutungen hin, sei dies in Zusammenhang mit Durchfall oder zu starken Monatsblutungen. Vor allem während der Pestepidemie im 14. Jh., kam der Tormentillwurz als Heilmittel eine grosse Bedeutung zu.

Bis in die heutige Zeit bleibt die Blutwurz ein beliebtes Volksheilmittel. So wurde bei Leibschmerzen oder Ruhr gerne ein Gläschen Blutwurz-Schnaps getrunken. Wie begehrt diese medizinische Anwendungsform war, davon zeugt dieses Sprüchlein:

«S’mag mer fehle, was mer will,

so trink i halt mei Durmedill.»

In «Heilpflanzen Praxis Heute» (Siegfried Bäumler) werden als Indikationen hauptsächlich Darmentzündungen und Durchfall genannt. Was die Verwendung in der Volksmedizin betrifft, so sind Blutwurz-Abkochungen in Form von Teilbädern oder Umschlägen bei Hämorrhoiden, Verbrennungen, Erfrierungen und schlecht heilenden Wunden aufgeführt.

Übrigens zählt die Blutwurz mit bis ca. 22% Gerbstoffgehalt in unseren Breiten zu den ergiebigsten Gerbstoffdrogen. Bei Kontakt mit dem Luftsauerstoff – etwa beim Zerschneiden des Wurzelstocks – wandeln sich die enthaltenen kondensierten Gerbstoffe in die sogenannten Phlobaphene (Tormentillrot) um, die eine rote Farbe zeigen.

Dieser rote Wurzelsaft wurde in Lappland dazu verwendet, Leder rot zu färben, während man in Schottland damit die Lederhäute gerbte.

Achtung: Bei Überdosierung kann es bei empfindlichen Personen zu Magenbeschwerden oder Erbrechen kommen. Zudem sollen Anwendungen bei Kindern unter 12 Jahren, während der Schwangerschaft und in der Stillzeit vermieden werden. So oder so empfehle ich Unkundigen sich die Droge und gleich die dazu gehörende Beratung über die Anwendung am besten in Apotheken respektive Drogerien zu holen.

Wo ihr der ausdauernd wachsenden Blutwurz begegnen könnt: Sie mag saure Böden und so sind die Blutwurzvorkommen in meiner Gemeinde denn auch in feuchten, bemoosten Wiesen entlang schattiger Waldränder zu finden.

Weitere Bezeichnungen für die Blutwurz sind Bauchwehwurz, Blutbrechwurz, Darmadill, Dermendill, Dilledapp, Durmetill, Fingerkrautwurz, Goldwurzel, Rote Heilwurz, Rotwurz, Ruhrwurz, Siebenblattwurz, Siebenfinger.

Heute, 14. September ist übrigens der sogenannte Kreuzerhöhungstag. Dieser ist ein Lostag für den es eine überlieferte Bauernregel gibt:

«Ist’s hell am Kreuzerhöhungstag, so folgt ein strenger Winter nach.»

Nun bei uns ist’s «so solala», will heissen, ein mehr oder weniger heller Tag, wird dann wohl auch ein «so solala-Winter» geben, irgendetwas zwischen streng und mild.

Habt einen guten Start in die neue Woche,

Gaby

Benutzte Quellen: Bochumer Botanischer Verein, Flora Helvetica, «Heilpflanzen Praxis Heute» Siegfried Bäumler

Ein Kommentar bei: “Blutwurz – die altbewährte Tormentillwurzel”

  1. Hallo Gaby
    die Blutwurz kenne ich in der Tiermedizin sehr gut. Jetzt weiss ich auch endlich, wie sie aussieht. Unsicher macht mich aber, dass auf deinem ersten Bild eine Blüte tatsächlich auch fünf Blütenblätter hat.
    Heisst das, dass es durchaus an derselben Pflanze sowohl fünf- als auch vierblättrige Blüten gibt?
    en herzliche Gruess
    Cornelia

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