August – Zeit, Samen zu ernten

Alljährlich um Mitte August, beginne ich Samen zu ernten. Einen Teil der Pflanzen lasse ich stehen und vor Ort versamen. So ist garantiert, dass mir meine Lieblingspflanzen nie ausgehen.

Während andere noch in voller Blüte stehen, wenden viele Pflanzen nun die ganze letzte Kraft noch für die Ausbildung von Früchten respektive Samen auf. Dabei entwickeln sich oft veritable Kunstwerke, wie bei dieser Gelben Skabiose. Besonders schön finde ich auch stets die wunderschönen Kapseln des Schlafmohns (Papaver somniferum). Selbst im Winter sind sie sehr dekorativ, nämlich dann, wenn sie hübsche Schneehüte tragen.

Die vollreifen, trockenen Schlafmohnkapseln gebe ich in einen verschliessbaren Behälter und schüttle ihn. Auf diese Weise fallen die Samen heraus, wie beispielswiese in diesem zweckentfremdeten Wasserbehälter.

Ich hoffe sehr, dass es dieses Jahr genug Schlafmohnsamen (Papaver somniferum) für einen saftig-feuchten Mohnkuchen geben wird.

Achtung: Nur Schlafmohnsamen eignen sich für Gebäck, nicht aber die Samen von Klatschmohn (Papaver rhoeas).

Wichtig ist, dass man die Samen um die Mittagszeit, an einem vollsonnigen Tag erntet. Es darf kein Morgentau mehr vorhanden sein. Dann müssen die geernteten Samen gut auf Insekten durchsucht werden, so, dass keine aus Versehen in die Behälter gelangen.

Auf dem Bild seht ihr einen Prachtnelkensamen. Das Loch kann zweierlei bedeuten: Ein Insekt hatte Nektarraub begangen und die Blüte von der Seite her aufgebissen, weil sein Rüssel nicht lang genug war, um in den tiefen Kelch zu gelangen. Oder jemand hat sich bereits an den Samen gütlich getan. Wobei ich eher an Ersteres glaube.

Ich liebe auch diese Arbeit im Jahreskreislauf, das achtsame Ernten der wertvollen Samen, in denen bereits alle Anlagen für die nächste Generation vorhanden sind. Danach das Versorgen in die verschiedenen beschrifteten Behälter. Das Beschriften ist wichtig, denn ich garantiere euch: Auch wenn man meint, im Frühling noch zu 100% zu wissen, um welche Samen es sich handelt, es doch vorkommen kann, dass man dies bei einigen nicht mehr weiss.

Und noch ein Rat zum Schluss: Bewahrt die Samen sicher vor Mäusen und anderen «Samenräubern» auf. Dieses Bild zeigt leergefressene Schlafmohnkapseln; sie wurden während der Wintermonate geplündert. Obwohl ich sie vermeintlich sicher aufbewahrt hatte, haben die Mäuse doch Löcher in das geschlossene Plastikgefäss gefressen und sich die köstlichen, ölhaltigen Samen genüsslich einverleibt.

Übrigens: Der Schlafmohn (Papaver somniferum) ist eine traditionelle Ackerkultur der Schweiz. Während des 2. Weltkriegs wurde er zur Selbstversorgung mit Speiseöl noch auf rund 1300 ha angebaut. Noch heute wird er in einigen Regionen auf Feldern angebaut.

Nun wünsche ich euch allen von Herzen einen geruhsamen Sonntag.

Wir sind bereits mit herbstlichem Morgennebel und angenehmen Temperaturen von 17° aufgewacht. Die ersten Obstbäume ziehen schon langsam ihr Herbstkleid an, das Licht ist milder geworden und es liegt ein anderer Geruch in der Luft als noch im Hochsommer; ja, langsam neigt sich nun auch der Spätsommer dem Ende entgegen.

Gaby Kistler

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