
In vielen Gärten wachsen Garten-Ringelblumen (Calendula officinalis), aber viele Gartenbesitzer wissen gar nicht, was sie für einen wertvollen Schatz haben: Eine seit dem 12. Jahrhundert bekannte, altbewährte Heilpflanze, mit der sich auf einfache Weise eine Salbe herstellen lässt, die Calendula-Salbe.
Es gibt verschieden Arten, wie sich eine Salbe mit den wunderschönen Blüten der Ringelblume herstellen lässt (nicht für Menschen mit einer Allergie auf Korbblütler!). In jedem Fall müssen sie natürlich zuerst gepflückt und dann für ein paar Stunden auf einem hellen Tuch ausgebreitet werden. Obwohl ich bereits beim Pflücken jede einzelne Blüte kurz ausschüttle, können sich noch ganz kleine Insekten darauf befinden. Die suchen jedoch spätestens beim Ausbreiten auf das Tuch das Weite.


Ab jetzt unterscheiden sich die Herstellungsarten:
Man kann zum Beispiel die frisch gepflückten, leicht angewelkten Blütenköpfchen direkt ins Öl geben (Bild), dieses während dreier Tage mehrmals erhitzen (höchstens 65° sonst gehen die Wirkstoffe verloren!), danach abseihen und unter Beigabe von Bienenwachs die Salbe herstellen.
Variante 2: Man verwendet lediglich die Blütenblättchen, lässt diese komplett trocknen, bis jegliche Feuchtigkeit entwichen ist, gibt sie danach in Öl und lässt sie während mindestens 6 Wochen darin «ziehen», bis alle Wirkstoffe ins Öl übergegangen sind. Man könnte auch frische Blüten in Öl einlegen, doch die enthaltene Feuchtigkeit kann zu Schimmel führen, weswegen ich nur getrocknetes Gut verwende, wenn ich Heilpflanzen in Öl einlege. Mir ist einmal ein Öl «gekippt», das möchte nicht nochmal erleben.


Auf diesem Bild seht ihr eine Flasche mit Öl und eingelegten, getrockneten Blütenblättchen. Auf 400 ml Öl nehme ich die Blütenblättchen von 50 Blütenköpfen. Während sie die nächsten Wochen darin ziehen, kippe ich immer mal wieder das Glas, oder schwenke es. Ist das eingelegte Gut zuvor komplett getrocknet worden, sollte sich im Glas kein Kondenswasser bilden. – Darüber, ob man das Öl an die Sonne stellen soll oder nicht, gibt es unterschiedliche Meinungen (wie beim Johannisöl). Ich persönlich stelle es einfach an einen warmen Ort und wenn es nicht 25 und mehr Grad warm ist, für kurze Zeit auch mal an die Sonne.
Nach etwa 6 Wochen seihe ich ab und zwar durch einen Kaffeefilter, so, dass auch wirklich nichts ins Öl kommt, das nicht hineingehört. Immerhin sollte man die Ringelblumensalbe ja auch für die Wundheilung, also auf nicht ganz geschlossenen Wunden verwenden können.
Bei der Wahl des Basis-Öls könnt ihr auswählen: Mandelöl zum Beispiel ist ein wunderbares Öl für die Haut, wirkt reizlindernd, pflegend, schützend und ist besonders geeignet für trockene Haut die zu Rissen, Ekzemen und Schuppen neigt.

Traubenkernöl: Ein leichtes Öl, zieht schnell in die Haut ein und ist vor allem für fette und/oder unreine Haut geeignet. Rapsöl: Ist sehr gut geeignet für empfindliche Haut, sorgt für Feuchtigkeit und ist als einheimisches Öl auch aus ökologischer Sicht sehr empfehlenswert. Jojoba-Öl: Ein flüssiges Wachs, das aus der Nuss eines 2-3 m hohen Baumes aus den USA und Mexiko gewonnen wird. Da es in der Zusammensetzung dem Hautfett ähnelt, dringt es gut in die Haut ein. Es wirkt entzündungshemmend und eignet sich zur Behandlung von Ekzemen. Distelöl: Ein leichtes, hautpflegendes Öl und sehr empfehlenswert für fette Haut und Mischhaut. Sonnenblumenöl (das ich verwende): Schützt die Haut vor Umwelteinflüssen, wirkt leicht desinfizierend, enthält viel Vitamin A, C, D und E. Leinöl: Ist sehr hautpflegend und entzündungshemmend, ein sehr gutes Öl für Allergiker. Olivenöl: Wirkt heilend und entzündungshemmend, ebenfalls ein gutes Öl für Allergiker. Hat jedoch meiner Meinung nach einen etwas starken Eigengeschmack. Kokosnussöl: Gut bei rissiger oder spröder Haut, kann jedoch bei sehr hohem Kokosanteil (über 30%) die Haut zu sehr austrocknen.

1985 stellte ich meine allerersten Salben mit Melkfett (Vaseline-Basis) her. Das ging ruckzuck und fertig war die Salbe. Schon bald aber entschied ich mich für die Herstellung mit ungebleichtem Bienenwachs als Konsistenzgeber. (Einige fügen der Salbe auch noch Lanolin hinzu, das ist das gereinigte Fett der Schafswolle.)
Ich habe gelernt, dass man für eine optimale Konsistenz der Salbe – nicht zu hart und nicht zu weich – folgendes Verhältnis nimmt:
8 g Bienenwachs auf 50 ml Ringelblumenöl
Das abgeseihte, fertige Ringelblumenöl (oder auch Beinwellöl, je nachdem, was für eine Salbe ihr herstellt) kommt in ein hitzebeständiges Becherglas und wird in ein Wasserbad gestellt. Jetzt kommt das Bienenwachs hinzu , das Wasser wird erhitzt und damit das Öl. Ich benutze einen Glasrührstab mit Thermometer (Bild), mit dem ich ständig die Temperatur überwachen kann. Sie sollte keinesfalls 65° übersteigen, sonst gehen die Wirkstoffe verloren. Bei 60-65° beginnt das Wachs zu schmelzen. Ist es komplett aufgelöst, muss das Öl umgehend in die bereitgestellten Dosen abgefüllt werden.


Auf dem Bild seht ihr frisch befüllte Dosen, die ich nun mit einem Glasrührstab ununterbrochen sachte rühre, bis eine homogene Masse entsteht (die in ihrer Konsistenz an Mayonnaise erinnert). Das dauert ungefähr 15-20 Minuten. Wenn ihr nicht rührt, ist das wie bei Glace: die Salbe wird steinhart.
Übrigens könnt ihr noch vor dem Rühren in die befüllten Tiegel je nach euren Vorlieben naturreine, ätherische Öle für einen zusätzlichen Duft beifügen, z.B. Lavendel.
Erst wenn die Salbe vollständig erkaltet ist, am besten am nächsten Tag, die Dosen verschliessen und beschriften. Heutzutage kann man ja im Internet eigene Etiketten designen, so wie ich das mache. Die Salbe hält ungefähr 1 Jahr, danach ist sie zwar noch wirksam, beginnt jedoch unter Umständen ranzig zu riechen. Wer mag kann natürlich – um dem vorzubeugen – auch Konservierungsstoffe beifügen.


«Wissenschaftlich belegt ist die positive Wirkung der Garten-Ringelblume (Calendula officinalis) bei schlecht heilenden Wunden einschließlich Unterschenkelgeschwüren, bei Verbrennungen und Ekzemen. Nachgewiesen wurden ebenfalls blutfettsenkende, gallenflussanregende und abwehrsteigernde Eigenschaften. Traditionell wird die angenehm duftende Ringelblume neben äußerlichen Anwendungen auch innerlich eingesetzt, zum Beispiel bei Magen-Darm-Störungen und Magengeschwüren, Gallebeschwerden, Leberschwäche und Menstruationsproblemen. Auf das Nervensystem wirkt die Ringelblume beruhigend.» (NABU)
Zubehör für die «Salbete» findet ihr mittlerweile im Internet (vielleicht benötigt ihr nicht alles davon, sondern behelft euch mit anderen Hilfsmitteln):
Hitzebeständiges Becherglas, Glasrührstäbe, Glasrühr-Thermometer, Dosen und Bienenwachs. Bienenwachs gibt es meistens in Flocken zu kaufen. Ich persönlich kaufe gelbes, ungebleichtes Bienenwachs. Weisses Bienenwachs wurde gebleicht und das möchte ich nicht, da durch den Bleichprozess meiner Meinung nach Inhaltsstoffe verloren gehen.
Nun wünsche ich euch viel Freude beim «Sälbele»,
Gaby Kistler

Achtung: Wer auf Korbblütler allergisch reagiert, sollte natürlich alle Produkte mit Ringelblume meiden.
Ein Kommentar bei: “Anleitung für eine Ringelblumensalbe”