Schritt für Schritt Anleitung für die Beinwell-/Wallwurzsalbe

Gestern habe ich in meinem Garten die Wurzeln von Beinwell (Symphytum) geerntet. Es war der perfekte Tag: Absteigender (Nidsigend) und zugleich abnehmender Mond und auch noch ein Wurzeltag. Besser geht gar nicht. Das muss und kann nicht immer so passen, doch das Wichtigste ist, dass der Zeitpunkt der Wurzelernte zwischen Oktober und März ist, dann nämlich, wenn die Kraft von den oberen Pflanzenteilen zurück in die Wurzel gekehrt ist. Zudem wäre absteigender Mond, also Nidsigend, der beste Zeitpunkt innerhalb dieser Zeitspanne, wenn der Boden offen, also nicht gefroren ist.

Schritt für Schritt zeige ich euch den Weg von der Wurzel zu einem Öl und danach zu einer Beinwellsalbe, einigen wohl auch bekannt als Wallwurzsalbe. Ganz am Schluss findet ihr noch wichtige Anwendungshinweise.

Sobald die Wurzeln nun gut angetrocknet und nicht mehr feucht sind, schneide ich sie fein und gebe sie in’s Öl. Auf die verschiedenen Ölarten und ihre jeweiligen Vorzüge komme ich am Schluss des Beitrags zu sprechen.

Wieviel Wurzeln ihr dabei verwendet, bleibt euch überlassen, es ist ganz einfach: je mehr Wurzeln, desto mehr Wirkstoff wird nachher im Öl enthalten sein. Ich persönlich verwende 60 g Wurzeln auf 100 ml Öl.

Um die Wirkstoffe aus der Wurzel zu «ziehen» erwärme ich das Wurzel-/Ölgemisch während zwei bis drei Tagen je einmal für eine halbe Stunde, bei allerhöchstens 70°! Wird die Temperatur überschritten, gingen die Wirkstoffe verloren, also ja nicht «frittieren», sonst wird das Öl wertlos. Aus diesem Grund überwache ich die Temperatur während der halben Stunde jeweils mit einem Glasthermometer und benutze diesen dabei auch gleichzeitig um die Wurzeln im Öl zu bewegen.

Nachdem die Wurzeln ausreichend im Öl ziehen konnten, heisst es abseihen. Dabei kann man die Kaffeefiltermethode verwenden wie auf dem Bild, das mache ich jeweils auch mit Ringelblumen. Für diese Methode müsst ihr einiges an Zeit einberechnen, bis alles gut durchgelaufen ist.

Danach habt ihr euer fertiges Beinwell-Öl. Dieses könnt ihr in dunklen Flaschen an einem kühlen Ort aufbewahren und es als Öl verwenden, oder aber ihr stellt daraus unmittelbar im Anschluss oder später, wenn ihr besser Zeit habt, eine Salbe daraus her. Dieses Beinwellöl ist auch die Basis für meine Fichtenharz (Pech-)Salbe, die ich herstelle. Hier geht es zu der Anleitung dazu: https://natur-tagebuch.ch/anleitung-fuer-die-herstellung-einer-harzsalbe-pechsalbe/ Nun aber geht’s weiter mit der Beinwellsalbe:

Zuerst müsst ihr wissen, wieviel Salbe ihr herstellen möchtet, damit ihr die Bienenwachsmenge berechnen könnt.

Auf 50 ml Öl benötigt ihr 8 g Wachs

Nun gebt ihr das Beinwellöl in einen feuerfesten Behälter (am besten ein Becherglas wie auf dem Bild) und stellt es in eine Pfanne mit Wasser. Jetzt erhitzt ihr das Wasser und gebt die berechnete Bienenwachsemenge in das Öl. Es ist wichtig, auch jetzt bei diesem Wasserbad mit einem Thermometer zu arbeiten um zu kontrollieren, dass das Öl während des Schmelzens nie heisser als 70° wird. Aus diesem Grund benutze ich auch hier das Glasthermometer jeweils gleich zum Rühren während dieses Prozesses, dann habe ich die Wärme immer im Blick.

Sobald das Wachs sich vollständig im heissen Öl aufgelöst hat, heisst es abfüllen in die zuvor mit Alkohol sterilisierten Tiegel und Töpfchen. Wichtig: Sauber arbeiten! Also alle Gerätschaften entweder vorher abkochen oder mit Hochprozentigem aus- respektive abwischen.

Jetzt, nach dem abfüllen, könnt ihr – falls ihr möchtet – in jedes Töpfchen noch ein paar Tropfen eures ausgewählten naturreinen ätherischen Öls geben. Bei 50ml Dosen sind dies bei mir höchstens zwei Tropfen (ich verwende als Zusatz naturreines ätherisches Birkenöl) Danach heisst es rühren, rühren, rühren, beispielsweise mit einem Glasstäbchen, bis die Salbe die Konsistenz einer Mayonnaise hat. Ist die erreicht, lässt ihr die Salben am besten gleich über Nacht erkalten, bevor ihr den Deckel draufmacht.

Das Rühren ist sehr wichtig (ca. 20 Minuten). Wer nur einfach abfüllt, ohne danach zu rühren, erhält eine steinharte Salbe (ähnlich wie bei der Glaceherstellung).

Nun noch ein paar Worte zum ausgewählten Basisöl:

  1. Traubenkernöl: Ist ein leichtes Öl, zieht schnell ein und ist vorallem für fette und/oder unreine Haut geeignet
  2. Mandelöl: Ein wunderbares Öl für die Haut, wirkt reizlindernd, pflegend, schützend, ist besonders geeignet für trockene Haut, die zu Ekzemen und Rissen neigt.
  3. Rapsöl: Bestens geeignet für empfindliche Haut, sorgt für Feuchtigkeit und ist als einheimisches Öl auch aus ökologischer Sicht empfehlenswert
  4. Jojobaöl: Der Rolls Royce, weil sehr teuer. Ist eigentlich ein flüssiges Wachs, das aus der Nuss eines 2 -3 Meter hohen Baumes aus den USA und Mexiko gewonnen wird. Es dringt sehr gut in die Haut ein, da es in seiner Zusammensetzung dem Hautfett ähnelt, zudem wirkt es entzündungshemmend und eignet sich zur Behandlung von Ekzemen
  5. Distelöl: Ist ein leichtes, hautpflegendes Öl und sehr empfehlenswert für fette Haut.
  6. Leinöl: Hautpflegend und für sehr trockene Haut geeignet
  7. Olivenöl: Wirkt heilend und entzündungshemmend. Sehr gutes Öl für Allergiker.
  8. Kokosnussöl: Gut bei rissiger oder spröder Haut, kann jedoch bei sehr hohem Kokosanteil (über 30%) die Haut zu sehr austrocknen.

Ihr seht, ihr habt die Qual der Wahl. Ich selber arbeite mit Sonnenblumenöl. Noch etwas zur Haltbarkeit: Diese Salben halten sich ungefähr ein Jahr lang, dann kann man sie zwar noch immer verwenden, doch sie beginnen irgendwann zu «mäkeln», weil das Fett ranzig wird. Natürlich findet ihr im Internet auch noch Stoffe zur längeren Haltbarkeit die ihr hinzufügen könnt. Ich verzichte jedoch bewusst darauf, da ich meine Salben so natürlich wie möglich, mit so wenig wie möglich Zusatzstoffen herstellen möchte.

Nach der Pflicht kommt noch die Kür, das Versehen der Dosen mit Etiketten. Einige machen das von Hand, andere mit dem Drucker, wiederum andere bemalen die Deckel kunstvoll (Bildergalerie, am Beispiel der Ringelblumensalbe).

Nachfolgend bitte ich euch noch die wichtigen Anwendungshinweise der Beinwellsalbe zu beachten:

Wichtiger Hinweis zur Anwendung dieser Salbe! Wie man heute weiss, darf der Beinwell nur äusserlich, auf geschlossener, unversehrter Haut, angewendet werden. Der Grund dafür sind seine enthaltenen Pyrrolizidinalkaloide: «.. Während des Abbaus von Pyrrolizidinalkaloiden in der Leber entstehen nämlich lebertoxische Abbauprodukte, welche zu gefährlichen Störungen in der Leberfunktion führen können. Im schlimmsten Fall droht hier ein Leberverschluss, der nicht nur zu einer Vergrößerung der Leber und Gelbsucht, sondern auch zu Leber- und Nierenversagen führen kann. Wir möchten deshalb ausdrücklich darauf hinweisen, dass sich Beinwell nur zur äußeren Anwendung eignet. Auch das Auftragen auf offene Wunden ist nicht zu empfehlen, da die Alkaloide hier über den Blutkreislauf in die Leber gelangen könnten.»

Die Quelle für diese wichtigen Informationen ist folgende Seite, der ihr auch gleich die verschiedenen Anwendungsmöglichkeiten entnehmen könnt: https://www.heilpraxisnet.de/heilpflanzen/beinwell-anwendung-wirkung-und-rezepte/

  1. Einfach grandios, Ihre lehrreichen Veröffentlichungen. Ich bin schon ein älteres Modell aber in den 60Jahren in der Apotheke ausgebildet worden. Man ist nie zu alt um noch etwas dazu zu lernen. Ausserdem erhielt ich vor einem Jahr das Buch „die schöne Stimme der Natur“ von EDITH HOLDEN…auch ein Tagebuch von Amsel-Rotkehlchen…Hecken braunellen-Stechpalme … einfach schön, dass es solche Naturfreunde gibt. Herzlichen Dank 🌻 Sonja Reuteler

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