Ameisensackkäfer und ihre Turnübungen mit den Eiern

Er sieht zwar farblich aus wie ein Marienkäfer, ist aber keiner. Im Gegensatz zum rundlichen Marienkäfer, ist der Ameisensackkäfer (Clytra laeviuscula), den ich euch heute vorstelle, walzenförmig.

Just als ich am Wäsche aufhängen war, begegnete ich diesem auffälligen, rot-schwarzen, glänzenden Käfer zum ersten Mal.

Er sass auf dem Wäschedraht und begann seltsame Turnübungen zu machen, streckte das Hinterteil in die Höhe und begann etwas mit den Hinterbeinen am Körperende zu «bearbeiten». Was ich zu diesem seltsamen Verhalten herausgefunden habe, fand ich sehr interessant.

Da sitzt der Ameisensackkäfer also auf dem Wäschedraht und bearbeitet mit den Hinterbeinen an seinem, hoch in die Lüfte gereckten Hinterteil, ein gelbliches Anhängsel. Meinen Recherchen zufolge ist er, respektive es, das Weibchen, gerade damit beschäftigt, Eier mit Kot zu bekleben. Ist die Prozedur abgeschlossen, lässt es die «getarnten» Eier auf den Boden fallen, ganz in der Hoffnung, dass sie dort von Ameisen gefunden werden. Die ist durchaus berechtigt, denn bereits die Paarung der Käfer findet oft in der Nähe von Ameisennestern statt, sie haben den Platz wohl vorher «rekognosziert».

Geht die Rechnung der Ameisensackkäfer auf, tragen die Ameisen die mit Kot getarnten Eier als vermeintliches Baumaterial in ihre Nester. Dort angekommen, ernähren sich die Käferlarven vom Futter der Ameisenbrut, Abfällen und in seltenen Fällen auch gleich noch von der Brut ihrer Gastgeberinnen.


Die vor den Ameisen schützende Hülle aus Kot wird von den Käferlarven ständig erneuert. Bis zum «fertigen», erwachsenen Käfer dauert es etwa 2-4 Jahre, eine lange Entwicklungszeit.

Auch die Verpuppung findet in der Kothülle im Ameisennest statt. Erst aber wenn ihre Deckflügel, die Chitinpanzer, fertig ausgehärtet sind, verlassen die jungen Käfer die Kothülle.

Ihr könnt den Ameisensackkäfern noch bis im August begegnen, der einen oder anderen Art. Gemäss dem Naturmuseum St. Gallen gibt es nämlich – zumindest bei uns in der Schweiz – zwei Arten von Ameisensackkäfern: Clytra laeviuscula und Clytra quadripunctata:

Die beiden durchlaufen dieselbe Entwicklung und seien nur durch die Punktierung auf dem Halsschild und dessen Randausbildung voneinander zu unterscheiden. Wikipedia schreibt dazu, dass C. quadripunctata zudem weniger kräftig ausgeprägte schwarze Flecken auf den Deckflügeln sowie einen breiten Halsschild mit runzeligem Rand aufweist. Eine andere Quelle wiederum besagt, dass die dunklen Flecken von C. quadripunctata zudem auch kleiner seien.

Diese Beobachtung machen zu dürfen, wie das Weibchen die Eier bearbeitet und danach hat fallen lassen, hat mich sehr gefreut. Man liest ja meistens nur von solch interessanten Vorgängen, aber in der Natur draussen selber erleben, können wir letztlich nur Weniges. Vieles findet im Verborgenen statt oder aber es entgeht uns ganz einfach.

Ich konnte am Schluss auch noch beobachten, wie das Käferweibchen die fertig bearbeiteten Eier schliesslich als ganzes «Päckchen» seitlich vom Draht hat hinabfallen lassen.

Es war das erste Mal, dass ich diesem 7-11 mm grossen Käfer aus der Familie der Blattkäfer (Chrysomelidae) begegnet bin. Seither sehe ich ihn überall im Garten, auf verschiedenen Stauden und Sträuchern. Übrigens stellen sich die hübschen, glänzenden Ameisensackkäfer bei einer Bedrohung tot – wie viele andere Käferarten auch.

Wer weiss, vielleicht habt auch ihr bald einmal eine Begegnung mit diesem interessanten Käfer.

Quellen: Naturmuseum St. Gallen, Nationalpark Donau Auen, Wikipedia

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