Alleskönnerin Brennnessel: Heilpflanze, Raupenfutter, Dünger

Gestern habe ich diesen Raupennachwuchs des Kleinen Fuchses auf Brennnesseln am Waldrand gefilmt. Die Pflanzen sind nicht nur wichtige Raupenfutterpflanzen, sondern auch altbewährt als Heilpflanze und bilden die Basis für einen wertvollen, natürlichen Dünger im Nutzgarten.

Zum Wochenstart schenke ich euch in Form der Brennnessel eine grosse Ladung des Glückshormons Serotonin. Dieses sitzt in den Brennhaaren der Brennnesseln (Urtica dioica); «brennen» sie euch demnach beim Berühren, injizieren sie gleichzeitig Glückshormone. Weiss auch nicht, warum sich bei mir in diesem Moment trotzdem keine Glücksgefühle einstellen wollen… aber der Anblick eines hübschen Siebenpunkt-Marienkäfers auf Brennnesseln, der macht mich tatsächlich glücklich.

Meine Gemüsesetzlinge wiederum werden sich auf die Brennnesseljauche freuen:

Wie jedes Jahr setze ich im Frühling mit den ersten Brennnesseln meine Jauche an. So ist der natürliche Dünger fertig, wenn ich damit im Nutzgarten die ersten Setzlinge zur Stärkung angiesse. Zudem «behandle» ich damit meine Beinwellpflanzen die, sobald sie ausgetrieben haben, dermassen von Erdflöhen geplagt werden, dass sie sich kaum entwickeln können. Der Geruch vertreibt sie. Interessierte finden unter diesem Link meine Anleitung zur Herstellung einer Brennnesseljauche und auch Tipps zur Anwendung (eignet sich nicht für alle Gemüsearten): https://natur-tagebuch.ch/anleitung-fuer-eine-brennnesseljauche/

Hinter dem Gartenschuppen, unter dem alten Holunder, hat es ein grosses Brennnesselfeld, so, dass selbst nach dem Entnehmen von Blättern für die Jauche, noch immer genügend für die Raupen übrigbleibt. Wer Schmetterlinge mag und in seinem Garten fördern möchte, dem empfehle ich die Brennnessel wärmstens: Arten wie der Admiral, der Kleine Fuchs (Bild/ auch als Nesselfalter bekannt), das Tagpfauenauge, die Silbergraue und Dunkelgraue Nessel-Höckereulen, die Brennnessel-Zünslereule und das Landkärtchen sind sogar auf die Brennnessel als Raupenfutterpflanze angewiesen.

Neben dem grössen ökologischen Wert hat die Brennnessel einen ebenso grossen heilpflanzlichen Nutzen:

Der grosse Schweizer Kräuterpfarrer Johann Künzle schrieb einst über diese wertvolle Pflanze: «Die Brennnessel ist heilsam, nahrhaft und kräftigend in all ihren Teilen: Wurzel, Stängel, Blatt und Blüte. Sie ist ein kräftige Speise (Spinat), reinigt den Magen und die Gedärme,… stärkt die Nerven und reinigt das Blut.»

Dieses Bild zeigt Brennnesselwurzeln die ich im zeitigen Frühjahr geerntet habe. Dieses kostbare Gut ist der Lohn für die harte Arbeit des Ausjätens von Brennnesseln an Orten, wo ich sie nicht haben will. Wie alle Wurzeln, die man für Heilzwecke verwenden will, muss man sie ausserhalb der Vegetationsphase ernten, dann, wenn die Kraft sich in der Wurzel und nicht in den oberflächlichen Pflanzenteilen befindet. Brennnesselwurzeln können als Tee oder für Tinkturen verwendet werden.

Wie immer, wenn ich über Brennnesseln schreibe, nachfolgend noch ein Tipp zum Umgang mit den Brennhaaren:

Streicht ihr entlang der Brennnessel von unten nach oben, wird sie euch nicht «brennen». Dies, weil erstens die Brennhaare überwiegend auf der Blattoberseite vorhanden und zudem fast alle noch oben gerichtet sind. Nur wenn ihr sie in entgegengesetzter Richtung der Brennhaare berührt, also «gegen den Strich», «brennt» sie euch.

Bleibt mir noch, euch von ganzem Herzen einen guten Start in die neue Woche zu wünschen,

Gaby Kistler

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