Abschied vom Sommer – oft verbunden mit Wehmut

Am Morgen ist es länger dunkel und am Abend geht die Sonne schon bald vor 20 Uhr unter.

Für die Tiere sind die verkürzten Tageszeiten und sinkenden Temperaturen ein Signal: Winteraktive Wildtiere beginnen mit dem Tausch ihres Sommerfells gegen ein wärmeres Winterfell, es werden geschäftig Vorräte in den Verstecken gebunkert. Für viele Zugvögel und Wanderfalter waren die kürzer werdenden Tage bereits das Startsignal für den Antritt ihrer langen Reise in die Überwinterungsgebiete.

Und wir Menschen? Natürlich reagieren auch wir auf die kürzer werdenden Tage.

Das abnehmende Tageslicht hat erwiesenermassen einen grossen Einfluss auf unsere Serotonin- und Dopaminsysteme. Mit dem Ende des Sommers findet ein Rhythmuswechsel statt, ein natürlicher Übergang in die dunklere, kältere Jahreszeit. Dieser ist verbunden mit einer gewissen Wehmut, die bei den einen stärker als bei den anderen sein kann. Vor allem dann, wenn wir noch in Nebelschwaden gehüllt werden und kaum mehr die Hand vor dem Gesicht sehen.

Die Psychologen empfehlen Menschen, die Mühe mit der dunkler werden Jahreszeit haben, unter anderem «Naturkontakt» sowie «soziale Verabredung». Mit Letzterem ist gemeint, Kontakt mit Menschen. Jawohl, direkter Kontakt mit Menschen, nicht über Soziale Medien, oder geschriebene WhatsApp-Nachrichten. Sondern direkten Menschenkontakt.

Das ist heute für viele Menschen die mit Einsamkeit und Depressionen kämpfen in der digitalisierten Welt gar nicht mehr so einfach. Ich kenne das aus meinem Umfeld, man telefoniert aus Prinzip schon gar nicht mehr, schreibt nur noch Hunderte Pingpong-WhatsApp-Nachrichten. Mit dem Postboten, der früher oft für viele Alleinstehende den einzigen Kontakten zur Aussenwelt darstellte, kann man keine zwei Sätze mehr sprechen. Die sind so unter Zeitdruck und wöchentlich werden sie ausgetauscht, damit wohl ja keine persönliche Beziehung zur Kundschaft aufgebaut werden kann. Ganz zu schweigen von den Gaststätten, die bald alle geschlossen sind, auch sie waren ein wichtiger Begegnungsort für Menschen.

Ja, das mit der von Psychotherapeuten verordneten «sozialen Verabredung» sprich Menschenkontakt, ist in der heutige Welt für viele ein Problem, davon zeugen stets wiederkehrende Medienberichte über die zunehmende Vereinsamung von Menschen. Ein Grund, warum ich mir auf meinen Streifzügen durch die Natur bei Begegnungen immer Zeit nehme für ein Gespräch, wenn ich spüre, dass es erwünscht ist.

Immerhin aber ist die zweite Empfehlung, «Naturkontakt», für jede und jeden umsetzbar, egal wo, selbst in Städten gibt es Parks, oft mit alten, wunderbaren Baumbeständen.

Was mich betrifft, so freue ich mich auf jede Jahreszeit, kann jeder viel Gutes abgewinnen. Bald schon wird es wieder bunt in den Wäldern und Obstgärten, so wie auf diesem Bild, als die Sonne anfangs Oktober diesen Baum förmlich zum Leuchten gebracht hat. Und als Kerzenliebhaberin freut es mich, dass ich nun bereits wieder abends um 21 Uhr die Kerzen in der guten Stube anzünden kann. Ich mag ihren warmen Schein, noch lieber wäre mir natürlich ein flackerndes Feuer in einem Cheminée, aber alles kann man nicht haben.

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