Erster Rosenkäfer im Jahr – im Apfelbaum

Ein lautes Surren kündigte ihn an und schon landete er neben mir auf einer Blüte unseres Apfelbäumchens: der Rosenkäfer.

Mit ziemlicher Sicherheit handelt es sich hier um den Goldglänzenden Rosenkäfer (Cetonia aurata) dessen Engerlinge leider denen des Maikäfers ähneln. So werden sie oft aus Unwissen vernichtet, dabei gäbe es ein gutes Unterscheidungsmerkmal.

Von Markus und der Fliege die eigentlich eine Mücke ist

Es gibt Momente im Leben, da hält man besser den Mund…

Zum Beispiel dann, wenn man wie ich, gleich dreimal in den letzten Tagen, in einen grossen Schwarm tanzender Märzhaarmücken (Bibio marci) gerät.

Der Zeitpunkt passt, denn das tiefschwarze Insekt aus der Familie der Haarmücken (keine Fliege!) wird auch als Märzfliege oder Markusfliege bezeichnet. «Markusfliege» deshalb, weil sie just um den Markustag (25. April) gehäuft in Schwärmen auftritt.

Schöllkraut – eine «Himmelsgabe»

Das Schöllkraut (Chelidonium majus) folgt wie der Holunder oder die Brennnessel, den menschlichen Behausungen und ist daher bereits seit Jahrtausenden ein treuer Begleiter des Menschen.

Schon in der Antike wurde es medizinisch genutzt und im Mittelalter nahmen sich der auch als Goldwurz und Warzenkraut bekannten Pflanze auch die Alchimisten an.

Im 1982 erschienenen Buch von Richard Willfort (Gesundheit durch Heilkräuter) finde ich das Schöllkraut unter der Bezeichnung Schellkraut, erst unter den Volksnamen wird es als Schöllkraut erwähnt. Im selben Buch wird das Mohngewächs auf 4 Seiten als Heilpflanze gepriesen, wo sie doch heute beispielsweise in der «Flora Helvetica» als «stark giftig» bezeichnet wird. Trotzdem bekommt die Pflanze im zeitgemässen Buch «Heilpflanzen Praxis Heute» (Siegfried Bäumler) ebenfalls einen prominenten Platz. Zu der Verwendung des Milchsafts gegen Warzen steht dort unter anderem: «Ein gewisser therapeutischer Effekt wird postuliert«.

Im selben Buch steht auch, dass dieser Gebrauch des Milchsafts im Kampf gegen Warzen «einst in alten Zeiten» in der Volksmedizin praktiziert worden sei. Tatsache aber ist: Bei uns auf dem Land wird das wiederholte, tägliche Beträufeln von Warzen mit dem frischen Milchsaft noch heute vielerorts praktiziert. Mit Erfolg. ABER ACHTUNG: Der Umgang mit dem ätzenden Saft erfordert Vorsicht. Er kann nicht nur starke Flecken auf Kleidern verursachen, sondern auch böse Verätzungen der Augen, z.B. wenn der Saft aus Versehen (Schweiss abwischen) in die Augen gerät.

Der Pflanze nahmen sich wie eingangs erwähnt im Mittelalter auch die Alchimisten an. Die goldgelben Blüten wurden «bei der Suche nach dem Stein der Weisen, dem Gold der Alchemisten, eingesetzt.» Was sich im Namen Goldkraut oder in der Bezeichnung «Coeli donum = Himmelsgabe» ausdrückt.

Die Anwendungsmodalitäten haben sich natürlich im Lauf der Zeit geändert: In der Hoffnung auf Heilung, goss man an drei Freitagen den Urin eines Erkrankten über die Pflanze und sprach dabei: «Schöllkraut, ich tränke dich, Gelbsucht, ich senke dich in den Boden».

Heilpflanze oder doch nur eine stark giftige Pflanze, welche zum Beispiel die Leber schädigen kann, was nun? Ich persönlich bin überzeugt, dass diese Pflanze sehr wohl eine grosse Wirksamkeit hat und sie nicht umsonst den Menschen seit Jahrtausenden in den Siedlungen begleitet. Doch ich habe aufgrund der enthaltenen Inhaltsstoffe einen grossen Respekt vor dem Schöllkraut und verwende es lediglich äusserlich zur Behandlung von Warzen.

Das Schöllkraut wächst bei mir daheim an allen Ecken, ich mag es einfach sehr, mit den hübschen goldgelben Blüten und den bläulich-grünen Blättern, auf denen das Wasser augenblicklich auf der Oberfläche abperlt. Während der Blütezeit, von Mai bis September, soll der Alkaloidgehalt übrigens eher niedrig sein.

Nach der Blüte entwickeln sich schmale, längliche Kapselfrüchte die ca. 5 Zentimeter lang sind (Bild). Sie enthalten schwarzbraunen, leicht glänzenden Samen.

Obwohl das Schöllkraut zwar keinen Nektar anzubieten hat, sind seine Blüten doch bei Insekten sehr beliebt. So schätzen den Blütenstaub vor allem verschiedene Hummelarten, aber auch andere Wildbienen wie zum Beispiel einige Schmalbienenarten.

Das Samenanhängsel, ein nahrhafter Ölkörper, ist zudem bei Ameisen beliebt. So sind denn auch sie es, die zur Verbreitung der Pflanze führen, indem sie deren Samen verschleppen.

Benutzte Quellen: «HEILPFLANZEN PRAXIS HEUTE» Siegfried Bäumler (Urban & Fscher), Flora Helvetica, Richard Willfort «Gesundheit durch Heilkräuter», Smagy

Bach-Nelkenwurz: Sie nickt wieder mit ihrem hübschen Köpfchen

Vorhin im Garten, am kleinen Tümpelchen, konnte ich diese Hummel auf der Bach-Nelkenwurz (Geum rivale) beobachten. Die nickenden, glockenförmigen Blüten bieten den Insekten reichlich Nektar und Pollen an.

Die hier gezeigte Bach-Nelkenwurz steht der verwandten Echten Nelkenwurz (Geum urbanum) punkto Heilkraft nur minim nach und ihr nach Nelken duftender «Wurzelstock» wurde einst genauso als Gewürz verwendet.

Bärlauch – Blüten, Knospen und Kapern

Mancherorts sind sie bereits da, die ersten kugeligen, schneeweissen Blütensternkugeln von Bärlauch (Allium ursinum).

Noch bevor die Blütenknospen sich öffnen, könnt ihr sie wie Kapern in Essig einlegen.

Je nach Standort, haben sich vielerorts die Bärlauchblütenknospen bereits geöffnet. Wo sie noch – wie auf diesem Bild – geschlossen sind, stellen sie ein kostbares Sammelgut für die Herstellung von fein schmeckenden Bärlauchkapern dar.

Bärlauch kommt bei uns in so grossen Mengen vor, dass man sich getrost erlauben darf, etwas davon für die Wildkräuterküche zu verwenden. Ihr findet im Internet viele verschiedene Rezepte für Bärlauchkapern, dieses ist eines davon:

Für 4 Gläser à 250 ml benötigt ihr: 120 Gramm Bärlauchknospen. Tupft sie nach dem Waschen trocken und befüllt damit die Gläser.

250 ml Kräuteressig zusammen mit 40 Gramm Zucker, 1 Teelöffel Salz und ein paar Schwarze Pfefferkörner ein paar Minuten kochen lassen; danach umgehend heiss über die in die Gläser gefüllten «Kapern» giessen und sofort mit dem Deckel verschliessen.

Danach an einem kühlen Ort für 2 – 3 Wochen stehen lassen und schon sind die Bärlauch-Kapern bereit zum Geniessen. Ich liebe sie zu Gschwellti oder Raclette.

Seht ihr ihn, den Kurzflügler (Käfer der Gattung Paederus), wie er da in der Bärlauchblütenknospe sitzt und sich an ihr verköstigt? Er muss ein paar der Knospen aus dem riesigen Bärlauchfeld mit mir teilen. Ich verwende jeweils nur die Hälfte der im Rezept angegebenen Menge und benötige daher lediglich 60 Gramm Knospen.

Man wird ja nicht selten angegriffen, wenn man der Natur etwas für die Küche oder Heilpflanzenapotheke entnimmt («du nimmst es den Käferlein, Bienen, oder was auch immer, weg…») Dazu mal wieder ein paar persönliche Worte, die das Thema in die richtige Relation setzt:

Wer die Natur nicht im grossen Stil «plündert», ihr nicht kiloweise Pflanzen entnimmt, schädigt sie nicht. Ich lebe – so wie wir das ja gemeinhin bei indigenen Völkern immer wieder bestaunen – mit UND auch VON der Natur. Stets gehe ich dabei sehr achtsam und respektvoll mit ihr um, bin dankbar, für alles, was sie für mich bereithält.

Bestmöglich von dem leben, was an dem Ort wächst, wo ich lebe und nicht von importierter Ware zweifelhafter Herkunft, deren Produktion – weit weg von uns und leider deshalb aus den Augen aus dem Sinn – Mensch und Umwelt schädigt. Das ist was ich anstrebe. Leider ist es aber gerade im Trend, möglichst exotische Zutaten in der Küche zu verwenden. Als Beispiel ein paar Hintergrundinformationen zu Chia-Samen, deren grosse Nachfrage in Europa (weil als Superfood vermarktet) Folgen in deren Herkunftsländern hat:

«Monokulturen und Waldrodung: Um den hohen Bedarf zu decken, werden Wälder für den Chia-Anbau gerodet. In Mexiko werden schätzungsweise jährlich 1.500 bis 4.000 Hektar Waldfläche für die Landwirtschaft (oft Chia) gerodet.

Pestizideinsatz: Der Anbau ist oft intensiv und beinhaltet den Einsatz von Pestiziden, was zu einer Kontamination der Böden und der Samen führt.

Hoher Wasserverbrauch: Chia-Pflanzen benötigen viel Wasser, was in den oft trockenen Anbauregionen zu Wasserknappheit führt.»

Zudem sorgt der Transport zu uns nach Europa für eine schlechte ökologische Bilanz.

Deshalb sage ich stets: Wer mich kritisiert, wenn ich der hiesigen Natur vor Ort ein paar Pflanzen entnehme, soll mir zuerst zeigen, was in seinem Einkaufswagen liegt. Vieles der angepriesenen Superfoods sind nämlich alles anders als super, wenn man deren Produktion anschaut. Wir fördern mit unserem Kauf die Zerstörung der Natur an einem anderen Ort auf der Welt. Dasselbe mit Avocados und vielem mehr.

Letztlich aber ist es selbstverständlich jedem seine eigene Freiheit, zu kaufen, was er/sie möchte. Es geht mir hier lediglich um das Bewusstsein, dass unser Einkauf (unser Lifestyle im Allgemeinen) mehr Umweltzerstörung zur Folge haben kann, als wenn ich beispielsweise der Natur vor Ort ein paar Bärlauchblütenknospen für die Wildkräuterküche verwende.

Alleskönnerin Brennnessel: Heilpflanze, Raupenfutter, Dünger

Gestern habe ich diesen Raupennachwuchs des Kleinen Fuchses auf Brennnesseln am Waldrand gefilmt. Die Pflanzen sind nicht nur wichtige Raupenfutterpflanzen, sondern auch altbewährt als Heilpflanze und bilden die Basis für einen wertvollen, natürlichen Dünger im Nutzgarten.

Sie ist auch schon da: Blauschwarze Holzbiene

Gestern konnte ich zum ersten Mal in diesem Jahr am blühenden Rosmarin eine Grosse Blaue Holzbiene (Xylocopa violacea) fotografieren. Der laute, dicke Brummer wird auch als Grosse Holzbiene, Blauschwarze Holzbiene oder Violettflügelige Holzbiene bezeichnet. In meiner Kindheit der 60-er Jahre gab es sie bei uns noch nicht.

Viele der Namen beziehen sich auf die blau schillernden Flügel, auffällig auch der metallisch-schwarz glänzende Panzer. Grosse Holzbienen zählen mit einer imposanten Körperlänge von 20-28 mm zu den größten Vertretern der Bienen in ganz Mitteleuropa. Obwohl sie laut und gross sind, stellen sie für uns Menschen keine Gefahr dar, denn sie sind sehr friedfertig. Wie andere Bienenarten auch, besitzen die weiblichen Grossen Holzbienen einen Stachel den sie zur Verteidigung wenn nötig einsetzen. Doch den habe ich noch nie zu spüren bekommen, selbst dann nicht, wenn sie während der Bohnenblüte manchmal zu mehreren laut brummend um meinen Kopf herum schwirren.

Wie es der Name bereits verrät, spielt Holz eine grosse Rolle im Leben der Blauschwarzen Holzbiene. Jetzt, im zeitigen Frühling, sieht man hauptsächlich Weibchen, die auf der Suche nach geeigneten Plätzen für ihre Brut sind. Das können sonnenbeschiene, bereits abgestorbene Baumstämme sein, die noch nicht allzu morsch sind, aber auch Holzbalken oder mal ein Zaunpfahl. Bei mir nisteten sie in Stangenbohnen-Holzstangen. Zuvor bohrt das Weibchen Löcher in das Holz und legt dann ihre Eier darin ab. Die Brut zieh sie alleine auf, denn im Gegensatz zur Honigbiene bildet diese Bienenart keinen Staat.

Die Holzbiene zählen zu den langzüngigen Bienen, ein Grund, weshalb man sie vor allem an Lippen- und Schmetterlingsblütlern beobachten kann. So entdecke ich sie während der Bohnenblüte häufig auf Busch- oder Stangenbohnen (Bild), aber auch auf Rosmarin- und Blasenstrauchblüten.

Für meine Recherchen konnte ich kein einziges meiner Insektenbücher auf dem Regal verwenden, denn diese Bienenart kommt darin nirgends vor. Das hat seinen Grund: Es gab sie nämlich vor nicht allzu langer Zeit noch gar nicht in unseren Regionen: Früher kam sie lediglich in den warmen Gebieten Mitteleuropas vor, noch heute ist die Große Holzbiene einer der im Mittelmeerraum am häufigsten vorkommenden Bienenarten.

Doch unterdessen ist sie auch in unseren nördlichen Regionen Mitteleuropas angekommen, vor allem in tieferen Lagen. Die Grosse Holzbiene ist ja nicht das einzige Insekt, das wärmebedingt zunehmend auch im Norden auf dem Vormarsch ist. Und so werde ich mir dank euren Spenden nächstens ein neues, aktuelles Insektenbuch anschaffen können. Da ist dann beispielsweise auch die Asiatische Hornisse drin. Die breitet sich bei uns aber nicht aufgrund des wärmer werdenden Klimas aus, sondern weil die Vespa velutina ein invasiver Neozoon ist, der ursprünglich aus Südostasien stammt. Zu den eingeschleppten invasiven Neozoon zählt auch die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) und viele weitere.

Vor ein paar Tagen habe ich übrigens bereits die ersten Feldgrillen zirpen gehört, die Flügel sind demnach unterdessen fertig entwickelt (habe vor einer Weile über die Larven geschrieben, die noch keine Flügel hatten).

Zur Zeit blühen grad die Kirschbäume und Birnbäume besonders schön. Noch ein, zwei Tage, dann öffnen sich auch die Blüten der Apfelbäume, die stets ein wenig später dran sind als die Birnbäume.

Geniesst das Wochenende, herzlich

Gaby Kistler

Vom Mexikaner und den Kartoffeln

Die Gemüsegartensaison kann beginnen, die Beete sind parat. Wer im Garten arbeitet, hat unweigerlich immer wieder Begegnungen mit allerlei Krabbeltieren. Nicht immer nur der gefreuten Art, so entdeckte ich just beim Kartoffeln legen bereits den ersten Kartoffelkäfer. Wenn das mal hoffentlich kein schlechtes Omen ist.

Aber auch ein anderes Kerlchen ist mir auf der Erdscholle begegnet: ein Rotköpfiger Feuerkäfer.

Buchenblüte und das interessante «Oskar-Syndrom»

Es ist Mitte April und die Buchen blühen, männliche und weibliche Blüten befinden sich auf demselben Baum, denn er ist einhäusig.

Am Boden bildet sich derweil aus Tausenden von Sämlingen ein riesiger Buchen-Kindergarten. Beim Grosswerden spielt ein interessantes Phänomen ein entscheidende Rolle: das «Oskar-Syndrom».