
Heute nehme ich euch mit auf einen Spaziergang durch die Landschaft meiner Kindheit. Es ist Ende August, und morgen, am 1. September, beginnt meteorologisch gesehen bereits der Herbst.
Lass Dich von mir in die Natur (ent-)führen

Heute nehme ich euch mit auf einen Spaziergang durch die Landschaft meiner Kindheit. Es ist Ende August, und morgen, am 1. September, beginnt meteorologisch gesehen bereits der Herbst.

Sie zählt für mich zu den schönsten Leimkräutern (Silene): Die Kuckucks-Lichtnelke (Silene flos-cuculi).
Aber auch die anderen Vertreter dieser Gattung sind sehr schön. Einige von ihnen zeigen Metallvorkommen an.
Die Ferienzeit ist vorbei und in der nahegelegenen Waldschlucht ist wieder Stille eingekehrt. Der beliebte Ausflugsort von Einheimischen wird unter der Woche jetzt nur noch von wenigen Menschen begangen.
Am Bach tummeln sich Jungfüchse, der Eichelhäher verpetzt mein Ankommen mit seinem schrillen «Rätschen», Eichhörnchen turnen die Baumstämme rauf und runter, Eisvögel kann ich zwar hören, aber nicht sehen. Das klare, kühle Wasser bahnt sich seinen Weg über die – während Jahrhunderten blank geschliffenen – Steine hinweg.
Und wie immer herrscht am Quelltuffhügel beim kleinen Weiher eine ganz besondere Stimmung.

Nicht jeder kommt gross heraus im Leben.
Doch alle haben jemand, der nicht achtlos an ihnen vorübergeht, sondern stehenbleibt und sich ihrer erfreut.
Diese Schwarze Nachtkerze (Verbascum nigrum) könnte an einem geeigneten Standort locker einen Meter hoch wachsen. Hier, in dieser Mauernische, sind es gerade mal gut 10 Zentimeter. Trotzdem gelangt auch sie zur Blüte.
Weiterlesen ➞ Purpurviolette Staubfäden – die Zier der Schwarzen Königskerze

Ist euch aufgefallen, wie still es zur Zeit in der Vogelwelt ist? Mal abgesehen von den Schreihälsen unter den Greifvögeln, die noch immer von den Elterntieren gefüttert werden?
Nun, da ist es in der Tierwelt ähnlich wie bei uns Menschen, sobald der Nachwuchs aus dem Haus ist, wird es still. So ist es auch in der Welt der Vögel, und diese Zeit der Ruhe nutzt die Natur, um ihnen während der Mauser zu einem neuen Federkleid zu verhelfen. Wie dieser jungen Amsel, die sich gerade ein Wasserbad genommen hat.

In vielen Gärten wachsen Garten-Ringelblumen (Calendula officinalis), aber viele Gartenbesitzer wissen gar nicht, was sie für einen wertvollen Schatz haben: Eine seit dem 12. Jahrhundert bekannte, altbewährte Heilpflanze, mit der sich auf einfache Weise eine Salbe herstellen lässt, die Calendula-Salbe.
Heute erreichten die Temperaturen nochmals 28 Grad, Grund genug für die Hornissen, ihr Nest mit Flügelschwirren zu kühlen und die Temperatur zu regulieren. Gleich mehrere Hornissen sind auf dem Video zu erkennen, wie sie ihre Flügel wie ein Fächer benutzen und schwirren lassen.

Auch im Gemüsegarten ist Mitte August so einiges los, insbesondere auf den Stangenbohnen:
So tummeln sich zum Beispiel jeden Morgen gleich mehrere grosse Blauschwarze Holzbienen, zusammen mit Hummeln, auf den Blüten der Stangenbohnen. Aber auch Marienkäfer, heimische und asiatische, sind zu finden, angelockt von den Blattläusen und dann wären da noch noch die langbeinigen Weberknechte, die einige Besonderheiten aufweisen.

Alljährlich um Mitte August, beginne ich Samen zu ernten. Einen Teil der Pflanzen lasse ich stehen und vor Ort versamen. So ist garantiert, dass mir meine Lieblingspflanzen nie ausgehen.

Einem uralten Brauch zufolge werden heute, dem 15. August, Maria Himmelfahrt, in den katholischen Gegenden der Schweiz, Österreich und Deutschland, Kräuterbuschen gesegnet.
Die Tage zwischen dem 15. August und dem 8. September (Maria Geburt) werden in manchen Regionen Bayerns und Tirols als Frauendreissiger bezeichnet.
Bei der Kräuterweihe handelt sich um einen uralten Brauch, bei dem es sich vor der Christianisierung um ein Naturfest gehandelt hat, welches in der heutigen Zeit dem Erntedank gleichkommt. Es wurde auch Getreide und Feldfrüchte in die Kräuterbuschen eingeflochten. Der Erntedank findet in der Kirche erst später, etwa anfangs Oktober statt, die Kräuterbuschen jedoch werden bereits an Maria Himmelfahrt, also am heutigen 15. August, in den Kirchen gesegnet.
Wie eingangs erwähnt, werden die nun folgenden Tage zwischen Maria Himmelfahrt und Maria Geburt (8. September) als Frauendreissiger bezeichnet.


In diesen Tagen, so die Überlieferung, sei die Natur den Menschen besonders wohl gesonnen und die Pflanzen besässen zu keinem anderen Zeitpunkt stärkere Heil- und Zauberkräfte. Es ist die Zeit, in der man die Kräuter für die Hausapotheke erneuert. Sind die Tage der Frauendreissiger vorüber, also nach dem 8. September, lässt man die Pflanzen der Tradition gemäss in Ruhe. Einzig heilkräftige Wurzeln (Beinwell) werden im Herbst ausgegraben. Wer sich viel in der Natur aufhält und mit ihr arbeitet, der weiss, dass diese «Regelung» in vielerlei Hinsicht Sinn macht.
Zum Einen befindet sich jetzt die ganze Kraft in den oberen Pflanzenteilen, also Blüten und Blättern, während sie nach dem 8. September wieder zurück in die unterirdischen Teile, die Wurzeln, zurückkehrt. Dies ist der Grund, weshalb ich die Wurzeln für meine Wallwurzsalbe den Beinwell (Symphytum) frühestens ab Ende Oktober ernte, oder im zeitigen Frühjahr, noch vor dem Blattaustrieb.
Zum Anderen wird es bereits ab September zunehmend feuchter, die Pflanzen werden anfälliger für Mehltau und die ganze Kraft wird nun für die Samenbildung benötigt.


Gebunden wurden die Kräuter nicht nur für die Kräuterbüschel (Wurzbüschel oder Werzwisch) sondern auch für die Erneuerung der Hausapotheke. Dazu wurden einst sieben, neun, zwölf, 66, 72, 77 oder 99 verschiedene Kräuter gepflückt und zwar von Hand. Es wurde geglaubt, dass Schneidewerkzeug aus Metall (Scheren, Messer) der Heilpflanzen die Heilkraft entziehen würde.
Je nach Region werden noch heute nach Vorgabe verschiedene Kräuter in die Buschen eingebunden. Traditionsgemäss aber befindet sich in der Mitte oft eine Königskerze (Bild).
In den umliegenden Ländern, Deutschland und Österreich, lockt das gemeinschaftliche Kräuterbuschenbinden (etwa von den Landfrauen) in einigen ländlichen Regionen viele Touristen an. Es freut mich stets ungemein, wenn ich solches lesen kann, so werden alte, schöne Traditionen noch lange weiter bestehen können. Bei uns in der Schweiz werden jeweils vor Maria Himmelfahrt Kräuter für die Büschelchen gesammelt, während des Gottesdienstes gesegnet und danach an die Anwesenden verteilt.
Die gesegneten Kräuterbuschen fanden respektive finden zum Teil noch heute allerlei Verwendung:
Orte mit schlechten Schwingungen und bösen Geistern wurden davon befreit oder geschützt; sie wurden auf Dachböden und im Stall zum Schutz aufgehängt, und ich weiss von Bauersleuten, die geweihte Kräuter noch heute ihrem Vieh unter das Futter mischen, damit es vor Krankheiten bewahrt sein möge. Zu heiligen Zeiten (Raunächte, Weihachten, Neujahr und Dreikönigstag) wurde/wird mit den geweihten Kräutern Haus und Hof geräuchert, um es vor allerlei Unbill zu schützen. Einst hätten man einen Teil des Kräuterbüschels auch unter die Matratzen des ehelichen Bettes gelegt, damit dem Paar Glück beschieden sei und die Braut hätte sich etwas davon in den rechten Strumpf gesteckt, für das Eheglück und reichen Kindersegen. Noch im Tode begleitete einem das geweihte Kräuterbüschel, es wurde den Verstorbenen ins Grab gelegt.

Auch wenn man an all das heute nicht mehr glauben mag, so hat sich der Brauch der Kräuterweihe doch bis ins Jahr 2025 gehalten, denn: Obwohl kaum jemand mehr an die Zauberkraft von Pflanzen glaubt, so doch vielleicht daran, dass die Weihe der Kräuter ihnen zu mehr Heilkraft verhelfen mag.
Selbstverständlich können die Bräuche sich je nach Land, Region, voneinander unterscheiden.
Quelle: APOTHEKE 4-2014